Neues Warnsystem

Sirenen-Alarm kommt in Dortmund mit Verzögerung

Dortmund - Es ist zum Heulen: Die Einführung neuer Sirenen in Dortmund verzögert sich erneut. Dieses Mal ist es die Bauordnung, die der Feuerwehr einen Strich durch die Terminplanung macht.

Eigentlich sollten die ersten 16 von mehr als 100 Sirenen seit einem Jahr auf Dortmunder Dächern thronen, um im Katastrophenfall die Bevölkerung zu warnen. Doch es gibt immer wieder Verzögerungen. Jetzt ist es die Statik der ausgeguckten Gebäude, die überprüft werden muss.

"Wir müssen erst mal unsere Erfahrungen sammeln", sagt Feuerwehrsprecher André Lüddecke auf Nachfrage. Die Herstellerfirma der Sirenen habe zwar erklärt, dass das Gewicht der Signalhörner kein Problem sei, doch nach der Bauordnung müsse man bei solchen Veränderungen an einem Gebäude ein Statikgutachten einholen. Lüddecke: "Wir reden hier von 200 bis 300 Kilo Gewicht, das so eine Sirene hat." Wie viel sie letztendlich wiegt, hängt von der Zahl der Lautsprecher ab, die jeweils an ihrem Mast angebracht sind.

Sirenen einzeln zu steuern

Die Heuler von heute sehen anders aus als die "Ufo-Scheiben" aus dem Kalten Krieg. Und sie können auch mehr. Früher war nur tröten. Bei den modernen Sirenenanlagen dagegen lässt sich der Radius, in dem sie zu hören sind, mit der Lage und der Zahl der Lautsprecher verändern. Sie heulen - außer bei Vollalarm - auch nicht alle gleichzeitig los. "Man kann sie einzeln für bestimmte Straßenzüge steuern oder auch eine Grundauswahl für ganze Stadtteile treffen", sagt der Feuerwehrsprecher.

Die Statik ist nicht das einzige Problem, das im Vorfeld der Montage bedacht werden muss. Die technischen Voraussetzungen des Gebäudes, auf dem die Sirenen stehen, müssen stimmen, neben der Strom- müsse auch eine Ersatzstromversorgung sichergestellt sein, erklärt Lüddecke. Außerdem sollen die Sirenen einen möglichst großen Bereich abdecken. Und nicht jeder Hauseigentümer wolle eine Heulboje auf seinem Dach. Manche Nachbarn seien ebenso wenig darauf erpicht. Allerdings müssen Eigentümer nach dem Brandschutzhilfe- und Katastrophenschutzgesetz Alarmierungseinrichtungen dulden.

Öffentliche Gebäude

Um Konflikte vorzubeugen, greift die Feuerwehr zuerst auf öffentliche Gebäude zurück. Der unproblematischste Standort ist die Feuerwehr selbst. Deshalb soll auch die erste Sirene nun Ende Dezember auf dem Dach des Ausbildungszentrums der Feuerwehr an der Seilerstraße in Eving installiert werden. "Auch dieser Zeitplan ist sportlich", baut Lüddecke weiteren Verzögerungen vor. Ob der Termin hinhaut, hänge auch vom Wetter ab. "Bei Schnee geht das nicht."

Die ersten sieben Sirenen jedenfalls stehen installationsbereit im Regal und kommen laut Lüddecke vornehmlich auf öffentliche Gebäude. Welche das im Einzelnen sind, darauf wollte sich der Feuerwehrsprecher aber nicht festlegen. Nur so viel: Sie kommen ins Umfeld von Störbetrieben - im Hafengebiet und in der Nähe des Flughafens im Gewerbegebiet Wickede-Süd. Nächstes Jahr soll der Ballungsraum Innenstadt folgen. Lüddecke: "Wir hoffen, dass es mit den gesammelten Erfahrungen dann schneller geht" - bis es am Ende flächendeckend 100 bis 150 Sirenen im Stadtgebiet sind.

471.600 Euro für die erste Ausbaustufe

Wie berichtet, belaufen sich die Kosten allein für die erste von vier Ausbaustufen auf 471.600 Euro. Davon steuert das Land 218.400 Euro bei.

Eingesetzt werden sollen die Sirenen als Warnung bei drohenden Gefahren wie Schadstoffwolken, nuklearen Unfällen, schweren Unwettern, flächendeckendem Stromausfall und konkreten terroristischen Bedrohungen.

Im Gegensatz zu Warn-Apps wie Nina fürs Smartphone, das nachts meist leise geschaltet ist, haben Sirenen eine Weckfunktion, die immer funktioniert. Die Botschaft lautet: Fenster und Türen zu, Klimaanlage auf, Radio an oder sich auf anderem Weg die Informationen besorgen, etwa - soweit möglich - über das Internet.

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