Nicht an das Tierschutzgesetz gehalten

Ordnungsamt nimmt Bodoverkäufer seinen Hund weg

Aplerbeck - Das Ordnungsamt hat Ernst gemacht und Egon Dittmann Hündin Hanni weggenommen - wegen hartnäckigen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Der obdachlose Bodoverkäufer weiß aber schon, wie er seinen Vierbeiner wiederbekommen will.

Egon Dittmann ist wieder allein. Ein zweites Mal nach dem Jahreswechsel. Das Ordnungsamt hat am Dienstag seinen Mischlingshund Hanni vor dem Rewe-Zentrum im Rodenberg-Center in Aplerbeck beschlagnahmt. Der 58-jährige Bodo-Verkäufer hatte sich nicht an das Tierschutzgesetz und die ihm erteilten Auflagen gehalten.

Zur Erinnerung: Im Januar hatte eine Frau Hanni einfach losgebunden und mitgenommen, während Egon Dittmann, den alle nur Egon nennen, wie immer drinnen bei Malzer seinen Kaffee trank.

Stundenlang draußen angeleint

Viele bangten mit Dittmann um seinen Hund, andere waren erleichtert, hofften sie doch, dass Hanni jetzt ein besseres Leben haben würde. Wie berichtet, war der Hund stundenlang draußen in der Kälte angeleint und sich weitgehend selbst überlassen.

Doch damals bekam Egon Dittmann Hanni nach zwei Tagen zurück. Tierschützer, darunter auch Erika Scheffer, Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, mochten sich damit nicht abfinden und beschwerten sich beim Veterinäramt.

Dosenfutter im Napf gefroren

Das Amt fand vor Ort die beschriebenen Missstände bestätigt. Dittmann wurde zunächst mündlich belehrt, seinen Hund nicht über Stunden anzubinden. Ohne Wirkung.

Tierschützer beobachteten die Situation weiter und führten akribisch Protokoll, das dieser Redaktion vorliegt. Danach war Hanni vom 15. Januar bis 17. Februar bei Wind und Wetter, bei Frost, Regen und Schnee zwischen achteinhalb und 13 Stunden draußen angeleint. Das Dosenfutter und das Wasser in Hannis Napf war teilweise gefroren.

Wieder mindestens siebeneinhalb Stunden am Stück angeleint

Nach der ersten Verwarnung im Januar war Dittmann beziehungsweise eine Bekannte zwischendurch mit Hanni Gassi gegangen. Doch das schlief schnell wieder ein.

Als das Ordnungsamt die Situation erneut vor Ort prüfte, sei das Tier "für mindestens 7,5 Stunden ohne Unterbrechung und weitgehend ohne Kontakt zu seiner Bezugsperson angebunden" gewesen, teilt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit.

Trotz Ordnungsverfügung blieb alles beim Alten

Danach bekam Dittmann es schriftlich von der Stadt - per Ordnungsverfügung -, dass er seinen Hund nur jeweils eine Stunde am Stück anbinden darf. Ansonsten sei es unumgänglich, ihm Hanni vorläufig wegzunehmen.

Dittmann hatte über eine Woche Gelegenheit, seine Hundehaltung zu verbessern. Als am Dienstag aber die Situation die gleiche war, nahm das Ordnungsamt Hanni mit und brachte sie ins Tierschutzzentrum.

Tierschutzverein begrüßt Beschlagnahme

"Wir sind froh, dass das Veterinäramt tätig geworden ist," sagt die Tierschutzvereinsvorsitzende Erika Scheffer.

Wenn Egon Dittmann Hanni wiederhaben möchte, muss er in den nächsten 14 Tagen für artgerechte Haltungsbedingungen sorgen, das heißt, er muss ihr ausreichend Bewegung und soziale Kontakte ermöglichen und ihr vor allem einen witterungsgeschützten und sicheren Ruheplatz zur Verfügung stellen.

Dittmann hat Pflegeplatz für Hanni gefunden

Den habe er schon gefunden, sagte Dittmann am Mittwoch gegenüber unserer Redaktion: "Ich habe dem Veterinäramt heute eine Adresse genannt, wo Hanni tagsüber bleiben kann." Eine Bekannte wolle sich kümmern.

Dittmann selbst sieht anders aus, gepflegter als vor vier Wochen. Die Haare sind geschnitten, das Kinn rasiert. Er ist jetzt eine öffentliche Person. "Gibt?s was Neues", fragt eine Rewe-Kundin, und steckt ihm zwei Euro zu. Er hat einen Rechtsanwalt, und auch einen Schlafplatz habe er gefunden, sagt er: "Bei einer Bekannten im beheizten Keller."

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