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Werben für den Organspendeausweis: Bettina Kopta (r.) und Dr. Ulrich Foertsch.

Nierenkrankheit

Das lange Warten auf ein Spenderorgan

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Recklinghausen - Bettina Kopta und ihr Verein bieten Hilfe für Nierenkranke im Vest und werben für neue Transplantations-Regeln.

Als sie 16 Jahre alt war, kam für Bettina Kopta die Hiobsbotschaft: Die Ärzte stellten einen bösartigen Abszess fest, sie wurde operiert und lebt jetzt schon seit 44 Jahren mit nur einer Niere. Ihre Selbsthilfegruppe hat ihr dabei sehr geholfen. Heute ist sie Vorsitzende des Vereins Recklinghäuser Nierenkranke – und rührt die Werbetrommel für ihren Verein und die Organspende.

Bettina Kopta ist ihre Krankheit nicht anzumerken. „Irgendwann wird wohl der Tag kommen, dass auch ich an die Dialyse angeschlossen werden muss“, meint die Recklinghäuserin, „aber bis jetzt stimmen meine Blutwerte noch.“ Vor 15 Jahren bekam Bettina Kopta von einem Nefrologen – so nennt man Nierenfachärzte – eine spezielle Diät verschrieben. Und die hat dafür gesorgt, dass sie bis heute fit ist.

Nierenkranke müssen sich bewusst ernähren

Nierenkranke müssen sich allerdings bewusst ernähren. „Ich achte sehr darauf, dass ich eiweißarm esse“, sagt Bettina Kopta – und das bedeutet wenig Fleisch, Fisch und alle möglichen Milchprodukte. Gerade solche Tipps sind es, die eine Selbsthilfegruppe so wertvoll machen, sagt sie. „Denn die Mitstreiter wissen oft besser als Ärzte, wie man zum Beispiel alternativ kocht – ohne dass man jegliche Lebensqualität einbüßt“, betont die 60-Jährige.

„Andere Betroffene trifft es viel schlimmer“, weiß Dr. Ulrich Foertsch, der sich bereits seit vielen Jahren für Organkranke im Kreis Recklinghausen einsetzt und Schirmherr der Selbsthilfegruppe ist. „Aktuell warten 11.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ, täglich sterben drei Kranke, weil sie kein Organ bekommen können“, weiß der Mediziner aus Marl. Derzeit beträgt die Wartezeit für ein Organ sieben bis zehn Jahre – und je länger die Kranken bis zur Transplantation warten müssen, desto schlechter wird naturgemäß ihre körperliche Verfassung.

Dr. Foertsch setzt sich mit Nachdruck für die sogenannte Widerspruchslösung ein, über die derzeit auch im Bundestag gestritten wird. Noch in diesem Jahr will das Parlament über neue Organspende-Regeln entscheiden. Bisher sind Entnahmen hierzulande nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt. Viele schieben die Beschäftigung mit dem Thema – trotz auswendiger Info-Kampagnen – aber auf die lange Bank, beklagt Dr. Foertsch.

In anderen Ländern entscheidet der Staat

Dabei wissen die meisten Bürger gar nicht, dass ihnen in einem anderen Land der Staat die Entscheidung abnimmt. Wer etwa nach Österreich, Belgien oder Spanien in den Urlaub fährt, dem werden – etwa im Falle eines tödlichen Unfalls – ungefragt die Organe entnommen. Dort kann nur ein eindeutiges Nein im Spenderausweis eine Entnahme verhindern. In diesen Staaten gibt es aber auch keinen Organ-Notstand.

„Es muss sich auch in Deutschland etwas ändern“, fordert daher Dr. Foertsch. „Ein Organ kann 120 Jahre lang funktionieren, warum sollte ein Unfalltoter also nicht einem anderen Menschen das Leben schenken?“, fragt er. Das Argument, dass die Widerspruchslösung die Freiheit des Menschen missachten würde, lässt er nicht gelten. Aufklärung liegt auch Bettina Kopta am Herzen: Gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern wirbt sie am 1. Juni, dem „Tag der Organspende“ für ihre Sache. Diesmal will sie ihren Stand im Klinikum Vest aufbauen.

Verein Recklinghäuser Nierenkranke e.V.

Seit neun Jahren existiert jetzt der Verein Recklinghäuser Nierenkranke e. V., an den sich Betroffene oder deren Angehörige gern wenden können. -Die Mitglieder treffen sich jeden ersten Donnerstag in den Monaten Februar, April und Oktober von 18.30 Uhr bis 21 Uhr am Oerweg 38 in Recklinghausen. -Auf dem Programm stehen u. a. Vorträge mit namhaften Ärzten und Experten. Am 4. April etwa spricht Ernährungsberaterin Marion Schüler von Medicos.AufSchalke. -Der Vereinsbeitrag beträgt 24 Euro im Jahr.

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