Notfallrettung in Dortmund verbessert

Die Dortmunder Feuerwehr steht vor vielen Aufgaben

Dortmund - Der Rat der Stadt Dortmund hat über einen neuen Rettungsdienstbedarfsplan abgestimmt und einer von der Feuerwehr vorbereiteten Vorlage zugestimmt. Doch was heißt das jetzt für die Bürger? Fragen und Antworten zur Notfallrettung in Dortmund.

"Rettungsdienstbedarfsplan" - ein langes Wort. Was steckt denn drin?

Feuerwehr und Rettungsdienst fahren im Notfall nicht einfach drauf los. Für deren Einsätze gibt es einen Plan, der in Dortmund zuletzt im Februar 2009 aktualisiert worden ist. Ein Landesgesetz gibt einen groben Plan vor. In den Städten müssen Feuerwehr, Verwaltung und Politik weitere lokale Details festlegen und bestimmen, was für die Umsetzung des Plans anzuschaffen und wie viel Personal in welcher Qualifikation einzusetzen ist. So entsteht in vielen Diskussionen der Rettungsdienstbedarfsplan.

Das Wort kommt mir bekannt vor. Was war da noch?

Ja, da war mal was. Ein bundesweit beachteter Streit zwischen den Krankenkassen und der Feuerwehr führte 2016 dazu, dass der speziell für Dortmund ausgearbeitete Plan über einen sehr langen Zeitraum nicht umgesetzt werden konnte und die Stadt einen Teil der Kosten zunächst alleine tragen musste.

Worum ging es im Streit um Feuerwehr und Rettungsdienst?

Die Krankenkassen drängten in dem Streit darauf, die für Feuerwehr und Rettungsdienst verbindliche Hilfsfrist von acht Minuten auf 12 Minuten zu verlängern. Das wäre für die Krankenkassen billiger geworden, weil sie dann die Kosten hätten drücken können. Diese Idee scheiterte am Widerstand von Notärzten, Feuerwehr-Spezialisten und Politikern. Nach einer Schlichtung durch die Bezirksregierung bleibt es bei zwei lebenswichtigen Zahlen: In 90 Prozent aller Einsätze muss der Dortmunder Rettungsdienst nach acht Minuten bei einem Patienten sein. Die Einsatzpläne sind darauf auszurichten.

Warum musste der Plan in Dortmund aktualisiert werden?

Die Aufgaben von Feuerwehr und Rettungsdienst haben sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch verändert. Bundesweit ist die Zahl der Einsätze um fünf Prozent gestiegen - in Dortmund auf rund 150.000 Einsätze. Das Wachstum liegt über diesem Durchschnitt und wird weiter steigen. Die Einwohnerzahl zeigt nach oben. Immer älter werdende Patienten und neue Hygienestandards fordern Personal und Material heraus. Krankenhäuser spezialisieren sich, sodass Patienten nicht mehr im eigenen Haus vollständig behandelt und mit Intensivtransporten verlegt werden müssen. Ein Gutachter hat festgestellt, dass alle Faktoren zusammen in Dortmund Personalengpässe verursacht haben.

Wie müssen Feuerwehr und Rettungsdienst jetzt reagieren?

Dortmund hat bereits reagiert und mit einem Notfallplan zwei von drei notwendigen Rettungswachen gebaut. Nachwuchs wird nach neuen Kriterien aus- und das bereits ausgebildete Personal besser fortgebildet. Dafür wurde eine Rettungsfachschule aufgebaut. Die Folgen reichen bis in die Leitstelle der Feuerwehr und bis in die Medizintechnik hinein. Der Rettungsdienst muss 14 Standorte modernisieren und seine Einsatzbereitschaft für Notfälle von 3024 auf 4432 Stunden pro Woche erhöhen. Damit steigt also der Bedarf an mehr Personal und Fahrzeugen. Kurz und knapp: Dortmund bekommt mehr ...

Wie viele Feuerwehr- und Rettungsdienst-Standorte gibt es in Dortmund?

Im fast 2000 Kilometer langen Straßennetz gibt es

Gibt es eine Perspektive für die nächsten zehn Jahre?

Ja. Die Berufsfeuerwehr plant den Bau eines Technik- und Logistikzentrums. In Scharnhorst entsteht eine neue große Feuer- und Rettungswache mit dem Schwerpunkt Desinfektion. Für die 19 Standorte der Freiwilligen Feuerwehr wird es einen Sanierungsplan geben.

Ist der neue Rettungsdienstbedarfsplan gut gemacht?

"Sehr positiv", sagt Dortmunds Feuerwehr-Chef Dirk Aschenbrenner über das Ergebnis. Immerhin sind darin die Vorschläge der Feuerwehr zu 95 Prozent enthalten. Der "Rettungsdienst kann mit hoher Leistungsfähigkeit die Daseinsvorsorge in Dortmund sicherstellen."

Es gibt nichts zu meckern?

Dirk Aschenbrenner möchte den Bedarf in Zukunft jährlichprüfen und feststellen lassen und nicht im Fünf-Jahres-Rhythmus. Der zeitlich lange Abstand werde "dem System nicht mehr gerecht". Der Feuerwehr-Chef sieht den Dortmunder Rettungsdienst derzeit auch in einer Ausputzer-Funktion für die Gesundheitspolitik. Bürger würden den Notruf 112 wählen, weil die ärztliche Vorort-Versorgung schlechter geworden sei. Dirk Aschenbrenner: "Die Gesundheitspolitik muss reagieren, damit sich der Rettungsdienst wieder auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann.

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