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Die Leitstelle nimmt Zugriff auf ein Handy – eine Demonstration des Programms „Emergency Eye“ in der Kreisleitstelle Neuss.

Notruf

Zugriff auf das Handy soll im Notfall Leben retten

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Kreis RE - Mit der Software „Emergency Eye“ kann die Leitstelle Unfallorte genau orten und Reanimationen besser anleiten – Kreis RE prüft Anschaffung.

Notruf: Ein Mann ist zusammengebrochen, Herz-Kreislauf-Stillstand. Doch der Zeuge, der den Notruf abgesetzt hat, kann den Unfallort nicht genau benennen. Zudem ist er unsicher, wie er am besten Erste Hilfe leistet. Ein lebensbedrohliches Szenario, das immer wieder vorkommt – und bei dem eine nun entwickelte Rettungsoftware helfen soll. Im Kreis Recklinghausen wird zurzeit geprüft, ob die neue Technik eingeführt wird.

Bei dem System „Emergency Eye“ („Notfall-Auge“) bekommen Notfall-Anrufer mit ihrer Zustimmung per SMS einen Link zugeschickt. Darüber ermittelt die Leitstelle zum einen den Unfall-Standort, zum anderen erhält sie Zugriff auf die Handykamera des Ersthelfers. „Ein großer Vorteil der Software ist die metergenaue Ortung: So ist ,Emergency Eye’ sehr wichtig bei Einsätzen, bei denen der Unfallort dem Anrufer nicht exakt bekannt ist – zum Beispiel in Feldern oder wenn jemand ortsfremd ist. Das Handy schickt uns dann die GPS-Koordinaten, so wissen wir genau, wo wir hinmüssen“, erläutert Sven Werhagen. Der Chef der Leitstelle im Kreis Recklinghausen betont: „Dadurch wird die Ankunftszeit der Rettungskräfte deutlich verkürzt.“ Und das kann lebensrettende Folgen haben: „Jede Minute zählt.“

Rettungssoftware ist bislang nur im Kreis Neuss im Einsatz

Auch der Zugriff auf die Handykamera des Ersthelfers kann wichtig sein, wie Werhagen verdeutlicht: „Wenn zum Beispiel ein Lastwagen gegen eine Brücke gefahren ist, können uns Bilder von Warntafeln mit Gefahrstoff-Kennzeichen helfen. Die Bedeutung der Schilder ist für Laien oft unklar, durch ein entsprechendes Bild können wir dann die Gefahrenlage einschätzen – und wissen, welche Einsatzkräfte wir zur Einsatzstelle schicken.“

Eine andere Situation, in der Bilder vom Handy Leben retten können, ist die der Reanimation: „Eine telefonische Anleitung gibt es bereits heute. Das ist bei uns Standard“, sagt Werhagen. „Aber wenn zwei Menschen am Einsatzort sind, kann uns einer mit dem Handy Live-Bilder senden und den anderen können wir mithilfe dieser Bilder genauer anleiten – zum Beispiel bei einer Herzkompression das richtige Drücken, den richtigen Rhythmus erklären.“

Bislang kommt die Rettungssoftware „Emergency Eye“, die eine Verbindung zum Internet braucht, nur im Kreis Neuss zum Einsatz – seit September 2018 ein bis zwei Mal täglich. An der Leitstelle dort ist man zufrieden mit dem Programm, es habe geholfen, Leben zu retten. Auch der Rhein-Sieg-Kreis will die Software bald nutzen. Der Entwickler Corevas verhandelt nach eigenen Angaben mit allen Leitstellen in NRW.

Auch Sven Werhagen lobt das „Emergency Eye“: „Es eignet sich nicht für jeden Einsatz, kann aber eine gute zusätzliche Optimierungsmöglichkeit sein“, sagt der Leitstellen-Chef im Kreis Recklinghausen. Sollte man sich im Kreis für die Anschaffung der Software entscheiden, könnte sie innerhalb von ein paar Monaten eingesetzt werden. Und vielleicht helfen, Leben zu retten.

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