Technische Probleme

Chaos bei Impftermin-Vergabe - das sagen die Nutzer über den Fehlstart in NRW

  • Oliver Prause
    vonOliver Prause
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Der Start der Impftermin-Vergabe in NRW wird zum Desaster. Technische Probleme und eine überlastete Hotline lassen die Menschen verzweifeln. Das sagen die Nutzer im Netz über den Fehlstart.

Update, 25.1., 18.00 Uhr: In Nordrhein-Westfalen sind am ersten Tag der Impftermin-Vergabe bis 17.00 Uhr für gut 122 000 Menschen ab 80 Jahren Impftermine vergeben worden. Dies teilte das Gesundheitsministerium am Montag in Düsseldorf mit. Insgesamt seien 244 300 Termine vergeben worden. Die Terminvergabe im bevölkerungsreichsten Bundesland hatte am Morgen um 8.00 Uhr begonnen - online und telefonisch. Vor allem am Vormittag hatten viele Menschen wegen eines zu großen Ansturms zunächst keine Termine vereinbaren können. Eine Ministeriumssprecherin warb um Verständnis: «Wir haben es mit rund einer Million Impfberechtigten zu tun, die aktuell Termine für eine Schutzimpfung vereinbaren können.» Bei einem so großen Vorhaben könne es trotz intensiver Vorbereitungen und Abstimmungen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen «auch mal ruckeln».

Update, 25.1., 16.00 Uhr: Eine ganz andere Wahrnehmung vom Impfstart hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Trotz der Anlaufschwierigkeiten zog er ein positives Fazit gezogen. «Der Impfstart ist gelungen», sagte er am Montag in Berlin nach den ersten Online-Sitzungen der neu gewählten CDU-Spitzengremien. «Zehntausende haben heute Termine bekommen.» Es sei aber von vornherein klar gewesen: «Wenn eine Million Menschen einen Brief bekommen und dann eine Hotline anrufen, dann kann es zu Stauungen kommen. Dann kann es auch zu technischen Problemen kommen.» Am Anfang habe es Probleme gegeben, räumte Laschet ein. «Es muss auch nicht jeder heute anrufen, es reicht auch noch morgen oder übermorgen.» Die Termine lägen dann im Februar - «so weit der Impfstoff dann vorhanden ist».

Update, 25.1., 13.39 Uhr: Immerhin - die Technik-Experten sind offenbar mit der Lösung der Probleme beschäftigt. Denn nun steht auf der Seite des Online-Patientenservices 116117 nicht mehr „Alle Termine ausgebucht“, sondern „Onlinebuchung derzeit nicht möglich“. Man arbeite daran, dass diese Möglichkeit schnellstmöglich wieder zur Verfügung steht, heißt es weiter.

Beim Patientenservice 116117 zum Vereinbaren eines Corona-Impftermins in NRW kommt es auch am Montagmittag immer noch zu Problemen.

Erstmeldung, 25.1., 11.30 Uhr: Jeder, der am Montag (25.1.) versucht, einen Corona-Impftermin für sich oder seine Angehörigen zu vereinbaren, steht vor denselben Problemen. Entweder ist die zentrale Hotline unter der kostenlosen Rufnummer 0800/11611702 chronisch überlastet oder die Seiten des Online-Portals www.116117.de bauen sich nicht oder nur langsam auf.

Und selbst wer über den Direktlink www.impfterminservice.de/impftermine geht, steht vor einer Sackgasse: „Zurzeit sind alle Termine ausgebucht“, heißt es dort nur lapidar. Was aber kaum stimmen kann, denn nach Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe ist eine Online-Terminvergabe bisher schlichtweg nicht möglich. Schuld daran seien nach Angaben des Landes NRW „technische Probleme“.

Diese Fehlermeldung sahen am Montagmorgen zahlreiche Internetnutzer, die sich oder Angehörige über die Seite 116117.de für eine Covid-19-Impfung anmelden wollten.

Fehlstart bei Impftermin-Vergabe: Nutzer bei Twitter und Facebook sind richtig sauer

Die Verärgerung der Menschen in NRW ist riesig. Frustrierte Internet-Nutzer bzw. Anrufer, die bei der Hotline in der Warteschlange hingen, machen ihrer Enttäuschung über den Fehlstart der Impftermin-Vergabe zum Beispiel auf dem Sozialen Netzwerk Twitter Luft. Dort ist der Hashtag #Impftermin daher logischerweise einer der Top-Trends des Tages.

User „Marco“, der offenbar ein Faible für Konsolenspiele hat, schreibt beispielsweise, dass die Probleme bei der Bestellung einer neuen Playstation 5 nichts im Vergleich dazu seien, einen Impftermin zu bekommen.

Nutzer „Alfonso“ wundert sich dagegen über die kryptischen Fehlermeldungen, die man beim Versuch der Online-Terminbuchung derzeit angezeigt bekommt.

Und „Mockingjens“ wundert sich generell über die Blauäugigkeit, mit der die Verantwortlichen des Landes NRW das Projekt Impftermin-Vergabe offenbar in Angriff genommen haben.

Shitstorm auf der Facebook-Seite des Landes NRW

Auch auf der Facebook-Seite des Landes NRW ist der Zorn der Nutzer groß. Die Landesregierung sieht sich dort ebenfalls einem regelrechten „Shitstorm“ ausgesetzt. „Wieso hat man den älteren Menschen ab 80 nicht ganz einfach per Post einen Impftermin zugewiesen ??!!! Ich kann so etwas einfach nicht verstehen“, schreibt zum Beispiel Helen R. Und Frank P. wundert sich: „Auf der Seite erscheint das alle Impftermine vergeben sind. Wieviel gab es denn 100? Leute so bekommt man die Pandemie nie in Griff.“

Angeblich keine Impftermine mehr frei: Diese Meldung gibt es zurzeit auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Kritik an der Landesregierung auch von der SPD-Fraktion im NRW-Landtag

Auch die SPD-Fraktion im NRW-Landtag kritisiert den Start der Impftermin-Vergabe auf ihrer Twitter-Seite. Die Landesregierung hätte sich insbesondere im Online-Bereich besser vorbereiten müssen.

Landesvorsitzende der Grünen zum Start der Impftermin-Vergabe: „Voll-Katastrophe“

Die Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Grünen, Mona Neubaur, sieht den Start der Terminvergabe für Corona-Impfungen als „Voll-Katastrophe“. Jetzt müsse dringend nachgesteuert werden, damit ausreichend Server-Kapazitäten zur Verfügung stünden, forderte Neubaur am Montag in Düsseldorf.

Die Landesregierung versuchte auf ihrer Facebook-Seite zu beschwichtigen: „Jeder, der eine Impfberechtigung hat, wird einen Termin erhalten. “ „Es wird unter Hochdruck an der Beseitigung der Engpässe gearbeitet“, heißt es weiter. „Alle, die die Möglichkeit haben, einen Termin zu einem späteren Zeitpunkt zu buchen, sollten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.“

Landesregierung: Engpässe trotz 1200 Mitarbeitern in den Call-Centern

Die Gruppe der Impfberechtigten, die ab Montag Termine vereinbaren könne, umfasse in NRW fast eine Million Menschen. Sie sei trotz der großen Call-Center-Kapazitäten mit rund 1200 Mitarbeitern und den eigens zur Buchung geschaffenen Online-Portalen so groß, dass es bei der Terminvergabe zumindest zum Start zu Engpässen komme.

Impftermine per Hotline: Alle Menschen unter 80 sollen noch warten

Die Organisationen baten alle noch nicht impfberechtigen Menschen unter 80 Jahren darum, noch nicht anzurufen, sondern erst, wenn auch für sie die Terminvergabe startet. Wann das sein wird, ist noch offen. Zudem sollten die telefonischen Anmeldemöglichkeiten für eine Corona-Schutzimpfung vor allem zur Terminvermittlung und nicht für allgemeine Fragen zur Corona-Impfung in Anspruch genommen werden.

Woher die technischen Probleme auf der zentralen Seite www.116117.de herrühren, steht übrigens noch nicht fest. Wir halten Sie an dieser Stelle über die weitere Entwicklung aber auf dem Laufenden.

Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa/picture alliance

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