NS-Opfer

Stolpersteine erinnern erstmals in Dortmund an obdachloses Opfer des Nationalsozialismus

Fünf neue Stolpersteine sind am Samstag zum Gedenken an Dortmunder Opfer des Nationalsozialismus verlegt worden. Einer der Steine liegt an einem besonderen Platz.

Anders als üblich wird der Stein für das NS-Opfer Kurt Dorr nicht vor seinem Wohnhaus verlegt. Denn Kurt Dorr hatte gar keines. Er war obdachlos. Deswegen treffen sich diejenigen, die am Samstag mit der Verlegung eines Stolpersteines seiner gedenken, an einem speziellen Ort - vor dem Dortmunder Rathaus.

Ab sofort erinnert hier ein Stolperstein an den Homosexuellen, der 1938 in das Dortmunder Gestapo-Gefängnis Steinwache kam, nach drei Wochen am 22. Juni 1938 ins KZ Sachsenhausen "transportiert" und dort in die NS-Haftkategorie "Asozial" eingruppiert wurde. Wenige Wochen später starb Kurt Dorr im österreichischen KZ Mauthausen.

300 Stolpersteine liegen in Dortmund

Bei der Verlegung dabei ist der Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit 1992 deutschland- und europaweit Stolpersteine verlegt. "2000 hat es richtig angefangen", erzählt. Und mittlerweile gebe es 70.000 Stolpersteine in 24 europäischen Ländern. Allein in Dortmund liegen 300 Steine. Und doch ist der Stein für Kurt Dorr ein besonderer. Denn erstmals in Dortmund wird ein Stolperstein für einen Obdachlosen verlegt, der während des Nationalsozialismus umgekommen ist.

Dass es in Dortmund seit Samstag neue Stolpersteine gibt, liegt an Dr. Frank Ahland. Der Historiker hat zur Verfolgung von Schwulen während der NS-Zeit in Dortmund geforscht und herausgefunden, dass während des Nationalsozialismus rund 650 schwule Häftlinge in der Steinwache eingesessen haben. Ahland hat die Initiative ergriffen und die Verlegung der Stolpersteine für Kurt Dorr, für Dr. Hugo Cohen auf dem Westenhellweg und für Friedrich Heimann vor dem Haus Münsterstraße 48 beantragt. Der Rat der Stadt hat zugestimmt.

1942 nach Polen deportiert

Auf der Münsterstraße ist während der Verlegung wenig los. Ein Passant fragt, ob hier etwas passiert sei, als er die Rose sieht, die den Stein schmückt. Viel ist über Heimann nicht bekannt. Er war kaufmännischer Angestellter, saß schon 1939 für einige Monate im Gefängnis und wurde 1942 nach Zamosc in Südostpolen deportiert. Danach verliert sich seine Spur, aber "es gibt niemanden, der diesen Transport überlebt hat", berichtet Ahland.

Auszubildende verlegen den Stein

Damit die Steine schließlich ins Pflaster kommen, ist auch der Hilfe von Klaus Schlamann vom Ausbildungsbetrieb Grüne Schule zu verdanken. Gemeinsam mit seinen Azubis Miguel Friedrichs, Marvin Pelz und Max Hebgen erledigt Schlamann die eigentliche Arbeit. Und das nicht nur an diesem Samstag. Am Donnerstag (20.9.) wird sein Team weitere sieben Stolpersteine auf dem Burgweg in der Nordstadt verlegen.

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