Wichart von Roëll und Anne Althoff-von Roëll vor dem Lichtobjekt „Hand mit Licht“ von dem Oer-Erkenschwicker Künstler Walter Dückino. Das Objekt ist ein Geschenk der Schirmherrschaft zur Gründung des Hospizdienstes, mit freundlicher Unterstützung der RWE.
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Wichart von Roëll und Anne Althoff-von Roëll vor dem Lichtobjekt „Hand mit Licht“ von dem Oer-Erkenschwicker Künstler Walter Dückino. Das Objekt ist ein Geschenk der Schirmherrschaft zur Gründung des Hospizdienstes, mit freundlicher Unterstützung der RWE.

Hospizbewegung Teil 5

Den Tod in die Öffentlichkeit bringen

  • Dr. Thomas Schönert
    vonDr. Thomas Schönert
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Wichart von Roëll und Anne Althoff-von Roëll sind Schirmherrn des Ambulanten Hospizdienstes. Mit ihrer Arbeit möchten sie Sterben und Tod aus der Tabu-Zone herausholen.

Die Schirmherrschaft in einem Hospizdienst übernehmen – diese Entscheidung von Wichart von Roëll und Anne Althoff-von Roëll traf in ihrem Bekanntenkreis nicht nur auf Verständnis. „Es gab da neben Zustimmung auch Zurückweichen, Distanz. Sich mit dem Sterben und Tod zu beschäftigen, ist für manche befremdlich“, beschreibt Wichart von Roëll die Reaktionen, die bis zu der Frage reichten: „Seid ihr verrückt geworden?“

Und Anne Althoff-von Roëll ergänzt: „Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist für viele nach wie vor schwierig – man will das nicht, schiebt es weg.“ Genau das möchte das bekannte Recklinghäuser Ehepaar mit seinem Engagement ändern: Die Themen Trauer, Sterben und Tod sollen aus der Tabuzone geholt werden.

So übernahmen der frühere Schauspieler und die ehemalige Pressesprecherin der Recklinghäuser Ruhrfestspiele 2016 die Schirmherrschaft beim Ambulanten Hospizdienst Oer-Erkenschwick. Anne Althoff-von Roëll erinnert sich – an die ursprüngliche Anfrage von Hospizdienst-Leiter Pfarrer Ulrich Radke an ihren Mann, schließlich an die Zustimmung des Ehepaares: „Wir haben überlegt: Wir machen das gemeinsam. Das könnte passen.“ 

Und tatsächlich: Es passt. Heute schwärmt Ulrich Radke von der helfenden Arbeit der beiden Recklinghäuser, von der „gelebten Schirmherrschaft der von Roëlls“, die mit großem Einsatz dabei sind. Doch was machen die Schirmherrn des ambulanten Hospizdienstes? Wichart von Roëll und Anne Althoff-von Roëll sind nicht wie die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt bei der Begleitung der unheilbar Kranken vor Ort. 

„Unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vor allem, das Sterben, den Tod in die Öffentlichkeit zu bringen und die Hospizarbeit bekannter zu machen – damit die Menschen wissen: Es gibt hier einen Hospizdienst, da wird Hilfe angeboten“, erklärt Anne Althoff-von Roëll. Diese Hospiz-Öffentlichkeitsarbeit hat bei den von Roëlls viele konkrete Gesichter: Die erfahrene Pressefrau hat ein Netzwerk aufgebaut, Kontakte geknüpft. So ist der Ambulante Hospizdienst inzwischen Mitglied in der örtlichen Werbegemeinschaft von Unternehmen und Vereinen „Alles vor OErt“, nimmt an deren Unternehmermesse teil, ist bei Veranstaltungen wie den Ruhrfestspielen mit Informationen und Gesprächsangeboten vertreten.

„Wir sind dabei, initiieren und organisieren auch selbst Veranstaltungen“, erläutert Anne Althoff-von Roëll. So hat der Hospizdienst im vergangenen Jahr bei der Aktion „Hospiz macht Schule“ mitgemacht, bei der an der Oer-Erkenschwicker Clemens-Höppe-Grundschule eine Woche lang die Themen Trauer, Sterben und Tod auf dem Stundenplan standen. Anfang des kommenden Jahres, am 2. Februar, wird in der Stadthalle Oer-Erkenschwick das vom Hospizdienst organisierte Stück „Früher oder später“ aufgeführt. Und die Schirmherrn haben auch die Anregung zu unserer Serie über verschiedene Facetten der Hospizbewegung im Kreis Recklinghausen gegeben.

Natürlich werden zum Thema auch Vorträge gehalten, Interviews geführt, Spenden für den Oer-Erkenschwicker Hospizdienst gesammelt. Pfarrer Ulrich Radke weiß: „So ist die Schirmherrschaft schon eine sehr zeitintensive Aufgabe.“ Anne Althoff-von Roëll ist 72 Jahre alt, Wichart von Roëll sogar schon 82. Warum sind sie in ihrem Alter so aktiv im Hospizdienst? Hier haben die beiden „Ruheständler“ gleich mehrere Antworten: „Diese Arbeit ist für uns richtig, sie fordert uns, hat Tiefe und Sinnhaftigkeit. Menschen in der letzten Lebensphase die Würde zu erhalten, ist eine wichtige Arbeit, uns ein Anliegen“, sagt Anne Althoff-von Roëll. 

Ihr Mann ergänzt: „Es macht Spaß, den meist älteren Menschen Freude zu bereiten. Das sind sinnvolle, großartige Erlebnisse.“ „Und die Arbeit gibt uns viel, man bekommt unendlich viel zurück – zum Beispiel Respekt und Freundlichkeit“, sinniert Anne Althoff-von Roëll. Auch das eigene Lebensalter spiele da eine Rolle: „Wir sind ja selbst älter – da ist der Hospizdienst natürlich auch ein Thema für uns, ein Thema, das uns berührt.“ Und Wichart von Roëll bekennt: „Früher hatte ich Angst vor dem Sterben und dem Tod. Aber durch die Beschäftigung mit der Hospizarbeit habe ich jetzt keine Angst mehr.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Ich lebe gern – und irgendwann kommt der Tod.“

Schirmherrn in Hospizdiensten im Kreis Recklinghausen

Die meisten Hospizdienste im Kreis Recklinghausen haben keinen Schirmherrn. Doch es gibt ein paar weitere Schirmherrschaften – neben der von Wichart von Roëll und Anne Althoff-von Roëll.

Schirmherr des Ambulanten Hospizdienstes Dorsten und 1. Vorsitzender des Trägervereins Hospiz-Freundeskreis Dorsten ist Dorstens Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst.

Die drei ambulanten Kinder-Hospizdienste haben alle Schirmherrn: Beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Recklinghausen ist der Recklinghäuser Schauspieler Martin Brambach Schirmherr, beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Südliches Münsterland mit Sitz in Haltern der Fußball-Profi Benedikt Höwedes. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe mit Sitz in Gladbeck hat gleich zwei Schirmherrn: den Dorstener Sterne- und TV-Koch Björn Freitag sowie die Schwimmerin Jessica Steiger aus Gladbeck.

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