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Alles richtig gemacht? Angehende Polizeibeamte üben alltägliche Situationen. Unsere Leser schauen aufmerksam zu. Foto: Torsten Janfeld

Wir öffnen Türen Teil 3

„Ein Polizist muss immer nah ran“

Selm-Bork - „So hätten wir uns das gar nicht vorgestellt.“ Bei Hedda Palenio und Amelie Grabka aus Oer-Erkenschwick hat der Tag auf dem Gelände der Polizei-Ausbildungsstätte in Selm-Bork tiefen Eindruck hinterlassen.

Der rosarote Blick auf den Polizei-Beruf ist verflogen. Doch an ihrer Absicht, sich für 2013 um ein Bachelor-Studium bei der Landespolizei zu bewerben, hat sich nichts geändert.

„Wie wär’s denn mal mit einem Praktikum?“, ermuntert Polizeihauptkommissar Victor Ocansey die beiden 18-Jährigen. Ocansey kümmert sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) am zentralen Standort in Selm. Er begleitet unsere Leser bei einem Rundgang, der nicht nur den beiden jüngsten Teilnehmerinnen einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit erlaubt.

Dabei prägen sich gerade die Begegnungen besonders ein, die an diesem Tag jenseits von Übungsszenarien auf den Straßen der riesigen Liegenschaft, jenseits der Schießstände und Rollenspiele mit jungen Polizisten stattfinden.

Im „Grenzgang“ erwartet uns Franz Gödeke. Hier geht es um Ethik bei der Polizeiarbeit und die besonderen Herausforderungen im Dienst, um Ausnahmesituationen und extreme Gefahrenlagen. „Ein Polizist kann sich nicht raushalten, er muss immer nah ran, auch an den Tod“, sagt Gödeke. Der Polizist am Unfallort, in dessen Armen ein Motorradfahrer verblutet, die junge Beamtin und ihr Kollege, die mitten in der Fußgängerzone einem Amokläufer gegenüberstehen, der Beamte, der das Kind sicher auffängt, das ein Mann in höchster Verzweiflung vom Sims eines brennenden Hauses in seine Arme wirft... Wie geht man mit solchen Situationen um? Wie funktioniert das mit der emotionalen Selbstkontrolle? Schafft man es als Polizeibeamter, die Würde des Menschen in jeder Situation zu beachten? Franz Gödeke ist seit 62 Jahren im Polizeidienst. Er kann beim Rundgang von menschlichen Schicksalen erzählen, die unter der Uniform oft verborgen bleiben müssen. Draußen bereitet sich die nächste Generation der nordrhein-westfälischen Polizeibeamten voller Tatendrang auf ihren Dienst vor. 1 400 Nachwuchskräfte will die Landespolizei auch in diesem Jahr wieder einstellen. Hier bekommen sie ihr „handwerkliches Rüstzeug, lernen sie ihr Handwerk, um alltägliche und Krisensituationen zu bestehen. Streit schlichten, Verkehrskontrollen, Spurensicherung nach einem Einbruch, Wohnungsdurchsuchungen und Fahrtrainings sind nur Beispiele aus dem vielfältigen Übungsspektrum. Gabriele und Roland Schuch aus Recklinghausen bekommen heute erstmals Einblick in den Dienstalltag von Sohn Benjamin, der gerade seine Ausbildung bei der Landespolizei absolviert.

Mit Beginn der Ausbildung erhält ein angehender Polizeibeamter eine Waffe, die er in der Regel bis zum Ausscheiden aus seinem Dienst behält. Auch der Umgang mit der Pistole muss gelernt sein, „genauso wie das Reinigen“, erklärt Aribert Köpnick, der die Besucher auf dem Schießstand empfängt. Insgesamt acht davon mit einer Fläche von rund 5 000 Quadratmetern gibt es beim LAFP in Selm. Gemütlich schlendert die Besuchergruppe über den mit 200 Metern längsten überdachten Schießstand Deutschlands. Der ist allerdings nicht für die Polizeianfänger gedacht. „Hier trainieren Präzisionsschützen“, erläutert Köpnick. Eine aufwändige Bluebox-Technik, die selbst von Besucher-Delegationen ausländischer Polizeibehörden staunend bewundert wird, macht es möglich, realistische Szenarien entstehen zu lassen, in denen ein Scharfschütze noch treffen können muss. „Allerdings herrschen hier Laborbedingungen, kein Seitenwind, kein Regen. Man liegt nicht im Matsch“.

„Ein echt aufregendes Geburtstagsgeschenk“, urteilt unser Leser Kurt Ponizy nach dem Besuch in Selm. Seine Frau Anneliese konnte ihn zum Wiegenfest überraschen, weil das Losglück bei unserer Sommeraktion „Wir öffnen Türen auf ihrer Seite war.

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