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Die Vestische hofft, den Fahrgastschwund mit Angebotsverbesserungen bremsen zu können.

ÖPNV

Vestische sieht Tariferhöhungen des VRR mit Skepsis

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Kreis RE - Jedes Jahr wird das Bus- und Bahnfahren im Ruhrgebiet teurer. Selbst die Vestische betrachtet die permanenten Preiserhöhungen im VRR mit Sorge.

Julian (15) wohnt in Dorsten. Wenn er seinen Freund in Marl besuchen möchte, steigt er in den Schnellbus SB 25 der Vestischen ein und neun Haltestellen beziehungsweise elf Minuten später wieder aus. Eine Fahrt – Preisstufe B – kostet ihn sechs Euro, in der Vierer-Ticket-Variante 5,50 Euro. „Taxi Mama“ ist da unschlagbar preiswerter.

Von Jahr zu Jahr wird das Bus- und Bahnfahren im Ruhrgebiet teurer. Zu Jahresbeginn hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) erneut eine Tariferhöhung von durchschnittlich 1,9 Prozent umgesetzt. Welche Dimensionen mittlerweile erreicht sind, zeigt ein Vergleich mit dem Auto: Während Nahverkehrstickets seit 2005 um 50 Prozent im Preis zugelegt haben, stiegen die Kosten fürs Autofahren (Fahrzeuganschaffung und -betrieb) lediglich um rund 17 Prozent.

Tariferhöhungen sind für die Vestische Straßenbahnen GmbH (Herten), die den Nahverkehr im Übergangsbereich zwischen Ruhrgebiet und Münsterland organisiert, ein zweischneidiges Schwert. Vestische-Geschäftsführer Martin Schmidt sieht die Entwicklung jedenfalls mit Skepsis. Im Gegensatz zu den Großstädten könne die Tariferhöhung im Vest nicht uneingeschränkt durchgesetzt werden. In Düsseldorf käme kein Fahrgast auf die Idee, aufs Auto umzusteigen, lautet sein Argument. Dort sei die Innenstadt verstopft, Parkplätze seien knapp und teuer. „Im Kreis Recklinghausen hingegen haben die Menschen diese Alternative.“

2017 eine Million Fahrgäste verloren

Im Vest sind nach Erkenntnissen der Vestischen durchschnittlich zehn Prozent der Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs – und es werden immer weniger. Allein 2017 verlor das Nahverkehrsunternehmen eine Million Fahrgäste; die Zahl sank von 60,6 auf 59,6 Millionen (für 2018 liegt noch keine Bilanz vor). Seit 2007, als mit 66,2 Millionen Kunden ein Höchststand erreicht war, geht es permanent bergab.

Welchen Anteil die jährlichen Fahrpreiserhöhungen am Kundenschwund haben, darüber kann auch bei der Vestischen nur spekuliert werden. „Die demografische Entwicklung und insbesondere der Rückgang der Schülerzahlen sind ebenfalls ein wesentlicher Faktor“, meint Norbert Konegen, Pressesprecher der Vestischen. Modellrechnungen des Unternehmens sagen auch für das laufende Jahr wieder Fahrgastverluste voraus; allein im Schülerverkehr in einer Größenordnung von 650.000.

„Wer es mit die Verkehrswende ernst meint, der muss das Angebot im öffentlichen Nahverkehr verbessern“, so lautet das Credo von Geschäftsführer Schmidt – und davon hat sich offensichtlich auch die Politik überzeugen lassen. Der Kreis RE ist Hauptgesellschafter des Nahverkehrsunternehmens. Gemeinsam mit Bottrop und Gelsenkirchen bestimmt der Kreis das Angebot und kommt auch für die Verluste auf. 2017 betrug das Minus immerhin fast 22 Mio. Euro.

Trotzdem ist mit dem Fahrplanwechsel am 14. Juli 2018 zum ersten Mal seit Jahren die Leistung wieder ausgeweitet worden – und zwar um 200.000 Buskilometer. So gibt es u. a. eine neue Schnellbus-Verbindung von Recklinghausen über Herten nach Gelsenkirchen-Buer (SB 49), bessere Verbindungen zwischen Waltrop und dem Bahnhof Mengede in Dortmund sowie einen neuen Schnellbus (S 91) von Münster über Olfen nach Datteln (Endstation Kinderklinik).

Die Vestische geht davon aus, mit dem attraktiveren Angebot auch neue Kunden in die Busse locken zu können und damit den Fahrgastschwund an anderer Stelle teilweise auszugleichen. Dass die Einnahmen 2019 analog zur Fahrpreiserhöhung um knapp zwei Prozent steigen werden, hält die Vestische allerdings für unrealistisch. In der Firmenzentrale rechnet man damit, dass am Ende ein Plus von bestenfalls 1,5 Prozent in der Kasse bleibt.

Die Vestische im VRR-Vergleich

-Die Vestische kann jeden Euro an Einnahmen gebrauchen. Mit einem Ertrag von 3,28 Euro je Kilometer liegt das Unternehmen unter mehr als 20 Verkehrsgesellschaften an Rhein und Ruhr auf dem vorletzten Platz (VRR-Durchschnitt: 4,08 Euro). Die Balance zwischen Angebot und Rentabilität zu halten, ist gerade in den ländlichen Räumen des Kreises RE ein schwieriges Unterfangen. -Auf der anderen Seite gehört die Vestische zu den kostengünstigsten Betrieben. Jeder Buskilometer schlägt mit 4,41 Euro zu Buche. Das ist Platz zwei im VRR-Vergleich (Durchschnitt: 5,41 Euro).

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