Opferschutz

Vom Recht auf ein Leben ohne Angst

  • schließen

Kreis RE - „Häusliche Gewalt“ ist keine Privatsache, sondern eine Straftat, die sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. In jedem Fall wird Hilfe angeboten.

Jeder, ob Kind, Frau oder Mann, hat das Recht auf ein gewaltfreies Leben. Gerade in dem doch eigentlich besonders geschützten Raum der eigenen Wohnung. Doch „häusliche Gewalt“ ist das, was die Kriminalhauptkommissarinnen Marion Bednarz, Ingeborg Friedrich und Dagmar Wagner vom Opferschutz des Präsidiums RE am häufigsten beschäftigt. Und zwar durchgängig durch alle Gesellschaftsschichten, unabhängig von Herkunftsbiografien, Glaubensrichtungen. Dabei ist die Kernbotschaft der Polizei doch unmissverständlich: Gewalt wird in keiner Form geduldet, sie ist auch in Beziehungen keine „Privatsache“, sondern eine Straftat.

Bis sich die Betrachtungsweise durchgesetzt hat, dauert es Jahrzehnte. Das Gewaltschutzgesetz (GewSchG) – gerade zum Schutz von Frauen – wurde z.B. in Deutschland erst 2002 verabschiedet. Heute bietet das Polizeigesetz NRW den Beamten vor Ort Instrumente, um Gewalteskalationen zu stoppen, Täter für zehn Tage aus Wohnungen zu verweisen. Das Einhalten des Rückkehrverbotes kann unangemeldet überprüft werden, jedes Opfer jederzeit über den Notruf ( 110 Hilfe holen. Verstöße gegen das Verbot oder das Auflauern außerhalb der Wohnung können Zwangsgeld oder Erzwingungshaft zur Folge haben.

Unter den Beriff "Täter" fallen nicht allein Männer

Der Opferschutz der Recklinghäuser Polizei setzt sofort nach Bekanntwerden von „häuslicher Gewalt“ ein, bietet Betroffenen in jedem Fall Hilfe an. „Wir klären zum Beispiel auf, dass nach einem Wohnungsverweis nur diese zehn Tage Zeit bleiben, um beim Familiengericht eine weitergehende Schutzanordnung zu beantragen, damit ein Täter auch danach nicht in die Wohnung darf“, sagt Dagmar Wagner.

Und erklärt, dass unter den Begriff „Täter“ nicht allein Männer fallen. „Auch wenn das jetzt öfter durch die Presse geht, das Tabu langsam bröckelt und wir auch Männer als Opfer erleben – sie haben mehr Scheu, Hilfe anzunehmen, schämen sich, wenn Frauen gewalttätig werden.“ Dabei, so Wagner, gehe es immer um dasselbe: Die völlige Kontrolle und Macht über andere Menschen. Belastend ist die Arbeit der Opferschützerinnen vor allem, wenn Kinder unter der Gewalteskalation zwischen Erwachsenen leiden – oder sogar das Ziel sind.

Bundesweites, mehrsprachiges Hilfetelefon (365 Tage, rund um die Uhr): 080 00 / 116 016

„Sind in Fällen ,häuslicher Gewalt‘ Kinder in der Wohnung, geht der Anruf ans Jugendamt raus“, so Wagner. Frauenberatung und Frauenhäuser stehen auf den Kontaktlisten, ohne geht es nicht. „Manchmal braucht man einen langen Atem und fühlt sich schon infrage gestellt, wenn man Frauen auch nach 20, 30 Fällen häuslicher Gewalt immer wiedersieht – teils verübt von wechselnden Männern. Es gibt Opfer, die sich bei einer neuen Partnerwahl aus einer Reihe von zehn Männern genau den einen Schläger heraussuchen würden, der sie verprügelt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Schwerer Unfall in Oer-Erkenschwick: Auto erfasst freilaufendes Pferd
Schwerer Unfall in Oer-Erkenschwick: Auto erfasst freilaufendes Pferd
Drastischer Lebensmittel-Rückruf - Behörden lösen sogar per „Katwarn“-App Gefahren-Alarm aus
Drastischer Lebensmittel-Rückruf - Behörden lösen sogar per „Katwarn“-App Gefahren-Alarm aus
Einstimmung aufs "Fest der Feste": 150 Weihnachtsmärkte der Region auf einen Blick
Einstimmung aufs "Fest der Feste": 150 Weihnachtsmärkte der Region auf einen Blick
Sternschnuppen im November 2019: Wann erreichen Leoniden ihr Maximum? 
Sternschnuppen im November 2019: Wann erreichen Leoniden ihr Maximum? 
So kam dieser Ladenbesitzer in Herten einem iPhone-Betrüger auf die Schliche
So kam dieser Ladenbesitzer in Herten einem iPhone-Betrüger auf die Schliche

Kommentare