Ostermarsch

Teilnehmer des Rhein-Ruhr-Ostermarsches setzen in Dortmund starkes Zeichen gegen Rechts

Der dritte Tag des Ostermarsches Rhein-Ruhr startete am Ostermontag in Dorstfeld. Bis zu 500 Teilnehmer setzten auf dem Wilhelmplatz ein Zeichen gegen Rechts. Dann ging es in die City.

Als der Ostermarsch Ruhr-Ruhr 1983 in Dortmund Station machte, spielte die kölsche Rockband BAP. Daran erinnert sich Karl-Heinz Hülsmann gut - denn der Dorstfelder war damals dabei. Genauso wie bei den meisten Ostermärschen in den vergangenen Jahrzehnten.

Und daher stand der 71-Jährige auch am Ostermontag auf dem Wilhelmplatz, wo der letzte Tag des diesjährigen Ostermarsches begann. Statt BAP spielte die "Mobile Einsatz-Kapelle Bochum" gegen Atomwaffen und Aufrüstung an.

"Rechtsextremismus ist ein Verbrechen und keine Meinung"

Der Wilhelmplatz als Auftaktort war nicht zufällig gewählt, denn die Teilnehmer des Ostermarsches gingen nicht nur gegen Krieg und Atomwaffen, sondern auch gegen Rassismus und Rechtsextremismus auf die Straße. In Dorstfeld wohnt bekanntlich eine Gruppe von Rechten, über die Karl-Heinz Hülsmann sagt: "Solange es Dorstfelderinnen und Dorstfelder wie mich gibt, wird es hier keinen ?Nazi-Kiez' geben - auch wenn die das denken."

Ein paar wenige Rechte standen dort, wo sie aus demokratischer Perspektive betrachtet hingehören: ganz am Rand. Sie hörten als Redner unter anderem Bezirksbürgermeister Ralf Stolze, der rief: "Rechtsextremismus ist ein Verbrechen und keine Meinung." Kräftiger Beifall und lautstarke Zustimmung von den Zuhörern in der kräftigen Mittagssonne, die ihre regenbogenfarbenen Peace-Flaggen und andere Fahnen und Schilder in die Höhe hielten. In der Spitze waren laut Polizei 500 Menschen beim Ostermarsch in Dortmund auf der Straße.

Teilnehmer sagen gemeinsam "We shall Overcome"

Die Auftaktveranstaltung hatte gegen 12.30 Uhr noch etwas müde begonnen. Knapp 100 Menschen, viele davon mit Ostermarsch-Buttons an der Kleidung, saßen oder standen auf dem Wilhelmplatz. Den Friedensgottesdienst zu Beginn sparten sich viele spätere Besucher. Sie verpassten unter anderem, wie Pfarrerin Dr. Kerstin Schiffner von der Evangelischen Elias-Kirchengemeinde die Teilnehmer erfolgreich dazu animierte, einige Strophen von "We Shall Overcome" zu singen.

Nach und nach füllte sich der Wilhelmplatz, auch wenn es "nie genug Teilnehmer sein können", wie Willi Hoffmeister befand. Das Urgestein der Friedensbewegung in Dortmund bedauerte, sich auch bei seiner 59. Ostermarsch-Teilnahme noch mit der Atomwaffen-Abschaffung befassen zu müssen. Dorstfeld als Auftaktort des Ostermarsches gefiel ihm dagegen.

Als Hauptredner sprach Ulrich Schneider, Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), über all die Themen, die die Ostermarschierer beschäftigen. Kriege und Krisen in der Welt, Atomwaffen, Aufrüstung, Rechtsextremismus. Schneider ging auf die extremen rechten Tendenzen in Ländern wie Österreich, Ungarn und Italien ein, "es kommt darauf an, dem Rechtspopulismus bei der Europawahl entgegenzutreten."

Viele junge Teilnehmer beim Ostermarsch in Dortmund

Schneider, seit vielen Jahren bei ähnlichen Veranstaltungen unterwegs, zeigte sich "sehr überrascht über die vielen jungen Leute", die dabei waren. In der ersten Reihe in Dorstfeld standen mit einer Fahne zum Beispiel Annika (16) und ihre Schwester Lena (14) aus Marten, gemeinsam mit ihrer Mutter Nicole. Warum? Weil es wichtig sei, sagen die Schwestern, gegen Dinge wie Krieg und Rechtsextremismus zu protestieren: "Deswegen sind wir heute hier." Auch bei den Friday-For-Future-Demos für den Klimaschutz waren die beiden schon dabei.

Von Dorstfeld aus zogen die Ostermarschierer über die Rheinische Straße und den Wall zum Friedensplatz. Nach einer weiteren Kundgebung ging es zum Wichernhaus in der Nordstadt, wo der Ostermarsch mit einem Friedensfest endete. Es sei den ganzen Tag über denn auch komplett friedlich geblieben, teilte die Polizei mit.

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