Parken mit App in Dortmund

Parkschein per Smartphone kann Gebühr kosten

Dortmund - Seit Mitte Januar können Autofahrer in Dortmund die Gebühren fürs Parken mit einer Smartphone-App bezahlen. Wer Kostenkontrolle will, muss aufpassen. Denn die Apps können Gebühren kosten. Der BVB hilft beim Sparen.

Das Internet ist für den Autofahrer Tobias Kestin kein Neuland. Als Mitarbeiter eines Spezialisten für "menschzentrierte Software" nutzt er Online-Verfahren nicht nur privat, sondern auch professionell. Sein Urteil über das Mitte Januar 2018 in Dortmund freigeschaltete Internet-Bezahlsystem für die Parkgebühren der Stadt Dortmund: "Es erinnert irgendwie an die Schnäppchenportale für den Urlaub, die jetzt verboten worden sind."

Vier Vertragspartner der Stadtverwaltung bieten Apps an, mit denen Autofahrer online einen digitalen Parkschein kaufen und sogar verlängern können. Für das auch "Smartparking" genannte Verfahren verlangen sie zusätzliche Gebühren, die von Stadt zu Stadt unterschiedlich hoch ausfallen.

"Gebühren nicht transparent"

Tobias Kestin erhebt den Vorwurf, dass die Stadt und ihre Vertragspartner die Autofahrer nicht transparent genug über die zusätzlichen Gebühren informieren, die beim Bezahlen des Parkpreises für die Nutzung einer Smartphone-App entstehen. Aktuell können Autofahrer über die App-Anbieter

an 63 Parkschein-Automaten innerhalb des Walls ein Ticket kaufen. Allein der Anbieter Mobilet informiert potenzielle Kunden über die zusätzliche Servicegebühr in Höhe von neun Cent. "Es ist doch fair, den Kunden auf den ersten Blick über die Kosten zu informieren", sagt Mobilet-Geschäftsführer Stefan Dittrich aus Wickede an der Ruhr. Der 09-Cent-Betrag sei an das Geburtsjahr eines namhaften Dortmunder Fußballvereins angelehnt. Autofahrer in anderen Städten müssen einen Cent mehr bezahlen. Die drei anderen App-Anbieter weisen nicht auf Extra-Gebühren hin und arbeiten auf den Aufklebern an den Parkscheinautomaten-Gehäusen mit Begriffen wie "Gratis" und "Kostenlos".

Doch der Umsonst-Eindruck bezieht sich nur auf das kostenlose Herunterladen der App, jedoch nicht auf das Bezahlverfahren selbst. Informationen über die exakte Höhe der Gebühren stehen im Kleingedruckten auf den Internetseiten der Bezahlsysteme und in den Apps. Auf den ersten Blick sind sie nicht zu erkennen. Anders als auf einem Schuhkarton, einer Konservendose, an der Zapfsäule oder an einem Geldautomaten.

Easypark nennt keine Gebühren

Beispiel Easypark: In der Rubrik "So funktioniert easypark" schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite dezidiert auf, wie das Bezahlsystem arbeitet - nennt dort aber keine Gebühren. In der App muss sich der potenzielle Kunde erst registrieren, um zu erfahren, wie hoch die Zusatzgebühr "je nach Stadt" ausfällt. Tobias Kestin musste bei einem Parkpreis in Höhe von 1 Euro am Schwanenwall/Ecke Kuckelke 49 Cent Gebühr an Easypark bezahlen. "Da fühle ich mich etwas geschröpft", sagt er. Das Verhältnis zwischen Parkpreis und Servicegebühr sei nicht ausgewogen.

Die Stadt sieht das weniger kritisch. "Der Nutzer muss sich registrieren und den allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen. Dass Gebühren anfallen, ist ausreichend kommuniziert worden", meint Sylvia Uehlendahl vom Tiefbauamt, das mit dem Ordnungsamt das Bezahlen per App vorbereitet hat. Die Amtsleiterin verweist darauf, dass der Autofahrer ein Vertragsverhältnis mit dem App-Anbieter und nicht mit der Stadt abschließe.

Testphase für Bezahlen per App läuft noch elf Monate

Im Januar 2019 läuft die Testphase für das Bezahlen per App aus. Der Bürger Kestin habe eine "wichtige Erkenntnis" geliefert. Die Stadt werde nun prüfen, ob für mehr Transparenz gesorgt werden müsse. Auf den Parkausweis-Automaten in Dortmunds Nachbarstadt Castrop-Rauxel fehlen ebenfalls Informationen über die Höhe zusätzliche Gebühren.

Easypark-Sprecher Nils Schlegel weist die Kritik zurück. Millionen Kunden in 700 EU-Städten würden die Easypark-App nutzen. Bisher habe sich niemand über fehlende Kosten-Transparenz beschwert.

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