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Bergleute spiegeln sich im Grubenwasser. Unter Tage wurden bis in die 1980er-Jahre giftige PCB als Hydrauliköle eingesetzt.

PCB-Belastung

Umweltschützer wollen Grubenwasseranstieg stoppen

MARL - Umweltschützer wollen den geplanten Grubenwasseranstieg stoppen. AV-Nachbar Jürgen Pfeiffer klagt schon lange gegen den Bergbaukonzern RAG. Bisher hat seine Klage keine aufschiebende Wirkung. Eine einstweilige Verfügung könnte das vielleicht ändern.

Im April will der Bergbaukonzern RAG mit dem Verfüllen der Schächte auf Auguste Victoria 3/7 in Marl beginnen. Nach dem Rückbau der stillgelegten Zeche soll Mitte 2020 das Grubenwasser steigen und über Dinslaken in den Rhein gepumpt werden.

Umstritten ist, wie stark es mit hochgiftigen, krebserregenden PCB belastet ist. Sie wurden bis in die 1980er-Jahre unter Tage als Hydrauliköle eingesetzt, um Brände zu hemmen. Die RAG versichert, dass alle Umweltnormen eingehalten werden, wenn das Grubenwasser kontrolliert ansteigt. Auch Geologen meinen, dass die Belastung im Grubenwasser durch den kontrollierten Anstieg verringert wird: Schwebteilchen würden sich absetzen, die PCB-Fracht bleibe in unteren Schichten. Bisher seien keine Umweltnormen in Gewässern überschritten worden, sagte die Bergaufsicht auf Nachfrage unserer Zeitung.

Doch AV-Nachbar Jürgen Pfeiffer versucht, den Grubenwasseranstieg mit einem Zivilprozess zu stoppen. Der Marler will die RAG verpflichten, „alle Maßnahmen zu unterlassen“, durch die PCB auf sein Grundstück am Reiherweg und ins Trinkwasser gelangen kann. Unterstützt wird er von der „Marler Bürgerversammlung gegen Verfüllung und Flutung der Zeche Auguste Victoria“. Das Landgericht Bochum prüft zurzeit, ob die Klage, die Jürgen Pfeiffer noch einmal präzisieren musste, schlüssig ist.

Biochemiker warnte vor einer „Katastrophe“

Das Verfahren hat aber keine aufschiebende Wirkung. Nur mit einer einstweiligen Verfügung könnte Pfeiffer die Pläne der RAG stoppen: Er müsste überzeugend und konkret belegen, dass seinem Grundstück am Marler Reiherweg durch den Grubenwasseranstieg eine akute Gefahr droht. „Mit einem qualifizierten Gutachter hätten wir eine Chance“, sagt Pfeiffers Anwalt Daniel Kuhlmann.

Infrage käme Biochemiker Dr. Harald Friedrich, Ex-Abteilungsleiter im ehemals grünen NRW-Umweltministerium. Er warnte vor einer Umweltkatastrophe und forderte, Wasser vor der Einleitung in Flüsse zu filtern.

Mittlerweile vereinbarten Landesregierung und RAG, dass der Bergbaukonzern zwei Filteranlagen testet. In Kürze wird in Haus Aden (Bergkamen) und später auch in Ibbenbüren geprüft, ob man PCB aus dem Grubenwasser trennen kann.

Minister schaltet sich ein

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wird aktiv. Er bereitet eine Klage gegen die Bezirksregierung vor. Sie habe die ökologischen Auswirkungen des Grubenwasseranstiegs nicht ausreichend beleuchtet. Claudia Baitinger (BUND), Mitglied im Naturschutzbeirat des Kreises, sieht die Gefahr von Bodenbewegungen. RAG-Sprecher Christoph Beike hält sie nur im Zentimeter-Bereich für möglich.

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) schaltete sich ebenfalls in die PCB-Debatte ein. Er ließ Gegenargumente der Marler Bürgerversammlung (mögliche Bodenbewegungen und Erschütterungen) „umfänglich“ prüfen. Das über mehrere Jahre ansteigende Grundwasser werde intensiv auf PCB und Schwermetalle untersucht, versichert der Minister: Durch umfassende Überwachungen würden Risiken rechtzeitig erkannt, beseitigt oder minimiert.

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