Petition mit 40.000 Unterstützern

Fan fordert Mehrwegbecher im Stadion - BVB dagegen

DORTMUND - Ein junger Fußballfan aus Bayern hat eine Petition gestartet: Er möchte den BVB dazu bewegen, im Signal Iduna Park nicht länger Einwegbecher anzubieten. 40.000 Menschen unterstützen das. Der BVB sieht das anders. Auch aus ökologischen Gründen.

Wenn Borussia Dortmund ein Heimspiel hat, dann fließen auch jedes Mal Hunderte Liter Bier durch die Zapfhähne im Signal Iduna Park. Ausgeschenkt wird das Bier in Plastikbechern, die danach im besten Fall in extra dafür vorgesehenen Becherröhren entsorgt werden, meistens aber doch irgendwo zwischen den Rängen auf den Tribünen vergessen und zertrampelt werden.

Nick Heubeck ist kein Fan von Borussia Dortmund, aber vom Fußball im Allgemeinen. Er versucht, sagt der 19-Jährige aus Franken, so viele Bundesligaspiele wie möglich in den Stadien live zu sehen. "Was mich jedoch schon seit Jahren stört, sind die Müllberge im Stadion und im Umfeld des Stadions", sagt er.

Heudecks Petition hat 40.000 Unterstützer

Er könne nicht verstehen, warum in so vielen Bundesligastadien immer noch Einwegbecher benutzt würden - allen voran in Dortmund, dem größten Stadion des Landes, das damit auch den meisten Plastikmüll produziert.

Deshalb hat Nick Heubeck vor knapp einem Monat über den Online-Anbieter Change.org eine Petition für Mehrwegbecher im Signal Iduna Park gestartet. 39.688 Menschen hatten, Stand Montag, dafür virtuell ihre Unterschrift hinterlassen, um die Petition zu unterstützen. Die Deutsche Umwelthilfe hat sich nun ebenfalls eingeklinkt und will dem 19-Jährigen dabei helfen, sein Ziel zu erreichen.

BVB: Spühlen der Mehrwegbecher verbrauchte viel Wasser

Zur Saison 2015/2016 hat der BVB in seinem Stadion von Mehrweg- auf Einwegbecher umgestellt. Das hatte zum einen Sicherheitsgründe, weil immer wieder Zuschauer beworfen worden waren und es so auch Verletzungen gab. Zum anderen waren es organisatorische Gründe, denn mit den Mehrwegbechern war, so der BVB, eine aufwendige Logistik verbunden. Durch das Mehrwegbechersystem gab es im ohnehin schon vollen Stadion lange Schlangen an den Rückgabestationen. Zudem müssten die Mehrwegbecher jedes Mal gespült werden. Das Spülen wiederum verbrauche auch viel Wasser, argumentiert der BVB. Zudem gebe es eine Hygiene-Problematik.

Die Einwegbecher, die im Stadion ausgegeben würden, seien aus Mais produziert und zu 100 Prozent wiederverwertbar, sagt der BVB.

"Mehr Umweltverantwortung"

Der Klub streitet nicht ab, dass er viel Müll produziert. Mit der Aktion "Gib mich den Becher" will er die Stadionbesucher animieren, die Plastikbecher in den vorgesehenen Röhren zu entsorgen. Ein Werbespot dazu läuft immer mal wieder im Stadion. Der BVB verspricht eine "wirklich umweltfreundliche Entsorgung". Die Becher würden nicht verbrannt, sondern vergären.

"Im Wissen, dass wir uns im Bereich Umweltschutz auch in Zukunft weiter verbessern müssen, empfinden wir diese Art der Entsorgung als einen zusätzlichen Schritt hin zu mehr Umweltverantwortung", sagt BVB-Kommunikations-Direktor Sascha Fligge und verweist auf den Nachhaltigkeitsbericht des BVB, der unter anderem das Thema Einwegbecher aber auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stadions erläutert.

An der Spitze der Müllsünder-Tabelle

Nick Heubeck und die Deutsche Umwelthilfe halten dagegen: Die Einwegbecher aus dem Biokunststoff Polyactid (PLA) belasteten durch intensiven Düngemittel- und Pestizideinsatz sowie durch einen hohen Energieverbrauch bei der Rohstoffherstellung die Umwelt.

Die Deutsche Umwelthilfe hatten den BVB schon vor drei Jahren kurz nach der Umstellung stark dafür kritisiert. 2017 machte sie noch einmal auf das Thema aufmerksam, gab eine Statistik über den Einweg-Plastikbecher-Verbrauch in den Bundesligastadien in der Saison 2016/2017 heraus. Mit 1,52 Millionen Bechern steht der BVB dabei an der Spitze dieser Müllsünder-Tabelle.

Keine Änderung geplant

Seine Petition, sagt Nick Heubeck, könne den Verantwortlichen zeigen, dass auch die Fans den Umstieg auf Mehrwegbecher befürworten. Er ist überzeugt, dass der BVB mit einer Umstellung Müllberge vorbeugen und Ressourcen schützen könnte.

"Wir überprüfen uns immer selbst", heißt es vom BVB. Aber aktuell sei nicht geplant, die Einwegbecher wieder abzuschaffen.

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