Pfarrhaus-Prozess

Hausbesitzerin (84) trotzte Einbrecherin: "Mach' Du mal, von mir gibt's nichts"

Haltern/Castrop-Rauxel/Bochum - Mit der Vernehmung des ältesten Opfers, einer 84-jährigen Seniorin, ist in Bochum der "Pfarrhaus-Prozess" um eine Einbruchserie in Haltern, Dortmund und Castrop-Rauxel fortgesetzt worden.

Mehr als eineinhalb Jahre nach einem Überfall auf eine heute 84 Jahre alte Hausbesitzerin aus Mülheim hat sich die Seniorin am Freitag im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder der "Pfarrhaus-Bande" noch einmal zurückerinnert. Der Fall war neben den Einbruchstaten in Haltern bei St. Sixtus und Dortmund bei St. Urbanus einer der wenigen der angeklagten Serie, bei denen die Einbrecher direkt auf ihre späteren Opfer getroffen waren.

"Gold, Gold, Gold!"

Die Tat geht zurück auf den 11. September 2017. Die alte Dame hatte im Obergeschoss des Hauses geschlafen und das taktische Klingeln an ihrer Tür somit offenbar gar nicht gehört. Erst nachdem die Täter schließlich über ein eingeschlagenes Esszimmerfenster im Erdgeschoss eingedrungen waren, hatte sich die 84-Jährige ins Treppenhaus begeben. Dort traf sie auf zwei Männer und eine Frau.

"Die Frau rief immer nur 'Gold, Gold, Gold' und fragte, wo ich mein Geld habe", erinnerte sich die Zeugin am Bochumer Landgericht. "Noch bevor ich antworten konnte, hat der eine Mann mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen."

Die Seniorin musste mit den Tätern ins Erdgeschoss gehen und wurde erneut immer wieder nach dem Aufbewahrungsort für Schmuck und Geld gefragt. "Ich habe ihnen dann erklärt, dass es bei mir nichts zu holen gibt, weil ich alles schon meinen Töchtern verschenkt habe", sagte die alte Dame. Auch die weibliche Täterin soll sie daraufhin erst auf den Kopf geschlagen und dann auch noch mit einem Brotmesser bedroht haben. Die Seniorin: "Sie wollte mir wohl Angst machen, hat sie aber nicht. Ich habe mir nur gedacht, mach' Du mal, von mir gibt's nichts."

Bargeld, Handy und eine Fliegeruhr erbeutet

Zum Schluss des Überfalls wurde die 84-Jährige in die Toilette eingesperrt. Die Täter flüchteten mit etwa 300 Euro Bargeld, einem Nokia-Handy (3410) und einer Fliegeruhr. Durch Hilferufe aus dem Klofenster war es der Seniorin anschließend gelungen, eine Passantin auf sie aufmerksam zu machen.

Der Überfall hat bei der Frau nachhaltig Eindruck hinterlassen. Sie ist inzwischen umgezogen. "Der Wechsel des Wohnorts war für mich lebensnotwendig", sagte die Zeugin. "Die ersten Tage nach dem Überfall waren einfach nur schrecklich. Es ging mir ziemlich mies, ich war wie paralysiert."

Nach der Einschaltung eines Therapeuten habe sich das aber inzwischen glücklicherweise wieder gebessert. "Trotzdem schrecke ich nachts auch heute noch ab und zu hoch", so die 84-Jährige. Von den drei Angeklagten (zwei Männer und eine Frau) konnte die Zeugin niemanden direkt als Täter identifizieren.

Dem Trio aus Gelsenkirchen werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. In Haltern war am 4. Februar 2018 im Pfarrhaus von St. Sixtus Pater James attackiert, gefesselt und eingesperrt worden. Bei einem Einbruch in Dortmund war ein Geistlicher im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen worden. In Castrop-Rauxel im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde hatten die Täter einen Tresor aus der Verankerung gehebelt.

Vor Gericht schweigen alle drei Angeklagten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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