Pflege-Probleme

Dortmunds Seniorenheime schlagen Alarm

Dortmund - Nicht nur in Dortmunds Krankenhäusern ist die Situation in der Pflege dramatisch. Nun redet die Spitze der Städtischen Seniorenheime Klartext. "Die Altenpflege ist auf dem Weg in eine Katastrophe", sagt die Betriebsratsvorsitzende. Auch die Geschäftsführung sieht die Pfleger am Limit.

Marina Kerscher, Betriebsratsvorsitzende der Städtischen Seniorenheime Dortmund, nimmt unsere Berichterstattung über die Pflegesituation in Krankenhäusern zum Anlass, auf Probleme in einem ähnlichen Bereich aufmerksam zu machen: "Die Altenpflege ist auf dem Weg in eine Katastrophe." Das größte Problem sieht sie im Personalnotstand, der die gesamte Pflegebranche betreffe.

"Es herrscht ein genereller Mangel an Fachkräften", sagt Marina Kerscher. Dieser Umstand mache es schwierig, freie Stellen zu besetzen und Krankheitsvertretungen zu finden. Die für NRW beschlossene Personalaufstockung von 6,8 Prozent bezeichnet sie als "Tropfen auf den heißen Stein". Zumal es eine "Mogelpackung" sei und komplett umgangen werden könne.

Personalabbau statt Aufstockung?

Martin Kaiser, Geschäftsführer der Städtischen Seniorenheime, bestätigt das: "Es ist möglich, dass die Gelder wieder gestrichen werden und wir entsprechend Personal abbauen müssten." Personalabbau statt Aufstockung? "Das hat nichts mit kontinuierlicher Pflege zu tun und wäre ein fatales Signal an den Ausbildungsmarkt", kritisiert Kaiser.

Direkte Folge der Personalknappheit: mehr Stress für die vorhandenen Pfleger. "Unsere Kolleginnen und Kollegen sind jetzt schon am Limit", warnt Marina Kerscher. Deshalb werde die Diskrepanz zwischen dem Anspruch und dem täglichen Erleben immer größer. "Sie powern sich aus. Sie geben ihr Bestes, um die Bewohner adäquat zu versorgen." Dies führe aber oft zu Überforderung und Überlastung. "Viele fragen sich, ob sie das noch schaffen", meint Martin Kaiser. Um die Mitarbeiter zu unterstützen, habe man Gesundheitszirkel und ein betriebliches Gesundheitsmanagement etabliert.

Mitarbeiter wollen lieber Personal als Geld

Der größte Wunsch der Pfleger sei nicht unbedingt mehr Geld, sondern vor allem mehr Personal, erklärt Marina Kerscher. "Wir versuchen, das zu tun, was möglich ist, stoßen aber an finanzielle Grenzen", sagt Martin Kaiser.

Für die Betriebsratsvorsitzende Marina Kerscher steht fest: Es müsse ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Das Thema Pflege gehe schließlich jeden etwas an. "Wir werden alle irgendwann alt oder krank und befinden uns dann in einem System, welches wir geschaffen oder zugelassen haben". Martin Kaiser sieht da vor allem die Politik in der Pflicht: "Es gibt viel hü und hott in der Gesetzgebung. Das schafft wenig Vertrauen, dass das Thema ernsthaft angegangen wird."

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