Phoenix-Park

Die Halde Hympendahl wird zum Tier-Paradies

HÖRDE - Die Halde Hympendahl ist ein Relikt der Industriegeschichte und als Teil des Phoenix-Parks zu einem Rückzugsgebiet für Kreuzkröte, Flussregenpfeifer und andere seltene Arten geworden. Aber es gibt Dinge, die diese Naturoase nördlich von Phoenix-West bedrohen.

Wären da nicht das Panorama von Westfalenpark und Stadt im Hintergrund und die vorbeirauschenden Züge der Regionalbahn-Strecke im Rücken, käme man sich vor wie auf dem Mond. Eine Wüste aus Geröll breitet sich über gut zwei Hektar oder vier Fußballfelder aus, grobes Gestein wechselt mit feinem Schotter. Doch es ist nicht irgendeine Brachfläche hier oben auf der ehemaligen Halde Hympendahl, sondern ein Rückzugsraum für zwei seltene Tierarten - die Kreuzkröte und den Flussregenpfeifer.

Hier wurden Hochofenschlacke und Schlämme abgekippt

Das Hochplateau ist ein Relikt der Industriegeschichte. Auf der Halde Hympendahl wurden über Jahre Hochofenschlacke und Schlämme aus der Gichtgas-Produktion aus dem nahen Werk Phoenix und der Hermannshütte abgekippt. Sichtbares Zeugnis dafür sind die 24 Meter in die Höhe ragenden Brückenköpfe der alten Schlackenbahn. Das Ende des 19. Jahrhunderts geschaffene Viadukt verband über ein tief eingeschnittenes Tal die Halde Schallacker mit der Halde Hympendahl.

Beides wurde Teil des Phoenix-Parks, also der grünen Seite des von NRW Urban entwickelten Phoenix-West-Geländes, auf dem rund um die ausgedienten Hochöfen nun neue Gewerbebauten in die Höhe wachsen. 60 Hektar groß ist allein der Park, der sich an Emschertal und Westfalenpark anschließt. Einen Rückzugsraum für die Kreuzkröte zu schaffen, gehörte zu den Vorgaben der EU, die Fördermittel für Phoenix-West locker machte.

Überall finden sich so im Park kleinere und größere Geröllfelder, die einen idealen Lebensraum für die geschützte Amphibien-Art bieten. Das größte Geröllfeld breitet sich mit kleinen Tümpeln und umgeben von einem Rundweg auf der Halde Hympendahl aus - auf einer Folie, die die Schlacken und Schlämme aus alten Industrietagen abdichtet.

Der Flussregenpfeifer hatte die Lizenz für einen Baustopp

Seit gut einem Jahr haben die Kreuzkröte und weitere seltene Tierarten, die sich auf der Halde wohlfühlen, Gesellschaft bekommen. Der Flussregenpfeifer hatte sich auf Phoenix-West niedergelassen und mit seinem Nestbau im Frühjahr 2015 vorübergehend die Bauarbeiten für die neue Unternehmenszentrale der Nordwest AG gestoppt. Um ihm eine Alternative zu bieten, wurden im Geröll auf der Halde feine Schotterflächen angelegt, die als Nistplatz dienen sollen. Und der Lebensraum aus Menschenhand funktioniert, wie Jürgen Hundorf vom städtischen Tiefbauamt zufrieden feststellt.

Das Tiefbauamt hat inzwischen die Regie auf Phoenix-West übernommen und damit auch die Biotop-Pflege auf der Halde. Schon die Natur sorgt dafür, dass den städtischen Grünpflegern die Arbeit nicht ausgeht. Wucherndes Grün muss immer wieder zurückgeschnitten werden, erklärt Hundorf. Dazu machen unvernünftige Besucher den tierischen Bewohnern das Leben schwer. Sie lassen - entgegen der ausgeschilderten Verbote - Hunde frei laufen, feiern Grillpartys auf der Halde oder setzen sogar Zierfische in den Tümpeln aus, die das biologische Gleichgewicht stören. Kein Wunder, dass Naturschützer fordern, die Biotope einzuzäunen. Noch vertraut die Stadt aber auf das Miteinander von Mensch und Tier. In Kürze soll ein kleiner Aussichtspunkt auf der Halde entstehen, kündigt Hundorf an.

Zum Aussichtspunkt könnte auch die alten Schlackenbahn werden, deren Widerlager vor Jahren schon saniert wurde. Ob allerdings irgendwann die einst von NRW Urban geschmiedeten Pläne für einen neuen Steg auf der Brückentrasse der alten Schlackenbahn Wirklichkeit werden, steht freilich in den Sternen.

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