Phoenix-West

Eine alte Spinnerei in den Niederlanden ist die Blaupause für Phoenix-West

Das kanadisch-niederländische Unternehmen "World of Walas" hat große Pläne für das Phoenix-West-Gelände. Ein Vorbild dafür gibt es im niederländischen Enschede.

Ein wandfüllendes Bild im Aufzug zeigt, wie es vor einigen Jahrzehnten einmal in der Spinnerei Oosterveld in Enschede ausgesehen hat. Frauen mit hochgesteckten Haaren, die aufgereiht an Spinnmaschinen arbeiten. Lang ist's her. Geblieben ist von der alten Textilfabrik nur die Gebäudehülle.

Das Innenleben bestimmt jetzt statt eintöniger Arbeit innovative Vielfalt. Das kanadisch-niederländische Unternehmen "World of Walas" hat die Spinnerei in ein Zentrum für Start-up-Unternehmen verwandelt. Das ist nun die "Blaupause", das Vorbild, für die neue Nutzung des denkmalgeschützten Schalthauses 101 auf Phoenix-West.

Eine "blaue Welle" an den Hochöfen

"World of Walas" ist seit gut einer Woche Eigentümer der denkmalgeschützten Industriehalle und der Phoenix-Hochofenanlage. Die Pläne sehen spektakulär aus: Wie eine Welle soll sich ein Neubau mit auffallend blauer Fassade entlang der Hochofenanlage ziehen. Dazu kommt ein kreisrunder Neubau auf dem Platz vor den Hochöfen.

Über die Gestaltung im Detail ist natürlich noch nicht das letzte Wort gesprochen. "Sie wird auch mit dem Denkmalschutz abgestimmt", versichert Henkjan Hoekman von "World of Walas". Die Neubauten sollen aber ganz bewusst im Kontrast zur alten Hochofenanlage sehen.

Und das auffallende Blau ist nicht nur die Hausfarbe von "World of Walas", sondern hat auch einen technischen Hintergrund. Die Fassade besteht komplett aus Solarpaneelen, erklärt Unternehmens-Chef Gerben van Straaten. Denn Ökologie und Nachhaltigkeit gehört zum Firmen-Credo. Gerben van Straaten engagiert sich im Umweltprogramm der Vereinten Nationen, die nachhaltige Entwicklung der Städte sieht er als Schlüssel für die Welt der Zukunft.

Phoenix-West soll ein weiterer Baustein dazu sein. Es sei ein großartiger Ort, schwärmt van Straaten. Und mit der Stadt teile man die Philosophie, auf Qualität statt auf schnelles Wachstum zu setzen.

Den Anfang des Walas-Engagements wird die Umgestaltung des Schalthauses 101 machen. Ein Architekt arbeitet schon an Gestaltungsvorschlägen. Mit mehrgeschossigen Einbauten soll die riesige Halle gefüllt werden. Alles flexibel und auf die Nutzer abgestimmt. Wie in der alten Spinnerei können hier Start-up-Unternehmen ihre Büros einrichten. Denkbar sind aber auch Marktstände, Gastronomie und eine Kita. Interessenten dafür gibt es bereits. "Kultur, Kreativität und Handel", wünscht sich van Straaten. Kopf- und Handarbeit sei gefragt. "Es soll für alle offen sein. Je größer die Mischung ist, desto besser."

Vom Charme der alten Industriehalle soll möglichst viel erhalten bleiben. So wie in der alten Spinnerei in Enschede. Unverputzte Wände und alte Fliesen erinnern an die industrielle Vergangenheit. "World of Walas" schafft eine Hülle, in der sich dann die Nutzer selbst verwirklichen können.

Und so öffnet sich hinter jeder Tür, die man in dem verschachtelten Gebäudekomplex öffnet, eine andere Welt. Bei Label 305, einem App-Entwickler, hat man inmitten der alten Mauern eine Wohlfühloase geschaffen, mit Designer-Küche, Wohnlandschaft und Fitnessgeräten.

Andere Firmen haben sich bewusst schlicht eingerichtet. Es gibt auch Werkstätten etwa für die Herstellung von Schlafsäcken für Obdachlose, die in großen Städten oder auch Flüchtlingslagern in Griechenland verteilt werden - ein soziales Projekt. Bei "Farm2Future", einer Tochterfirma von "World of Walas", werden neue Anbausysteme für Pflanzen getestet - ein ökologisches Projekt.

Selbstverständlich ist das Dach der alten Spinnerei mit Solarpaneelen bedeckt, dazwischen ist noch Platz für Bienenstöcke. Der Anspruch auf Nachhaltigkeit wird auch im Kleinen gelebt - ganz nach dem Motto "Global denken und lokal handeln". "World of Walas" setzt bei seinen Projekten deshalb auf lokale Partnerschaften. "Wir arbeiten nicht mit multinationalen Konzernen zusammen, sondern mit lokalen Anbietern", verspricht van Straaten. Die Mieten sind sozial gestaffelt. Es gibt verschiedene Modelle. Der Grundsatz ist: Start-ups zahlen weniger als schon etablierte Unternehmen.

Warteliste für die alte Spinnerei

In Enschede funktioniert das offensichtlich gut. Das Gebäude ist mit rund 90 Firmen zu 99,6 Prozent ausgebucht, erklärt Henkjan Hoekman. "Wir haben sogar eine Warteliste." Was die Jungunternehmer besonders schätzen ist neben dem besonderen Ambiente der Austausch mit anderen Start-ups und Unternehmen aus ähnlichen Branchen. Viele sind aus der heimischen Universität hervorgegangen.

So soll es auch in Dortmund sein. "Es gibt aus den Hochschulen so viele Talente in Dortmund. Wir wollen helfen, sie für die Stadt zu erhalten", erklärt Gerben van Straaten. Die Nachfrage scheint groß zu sein. "Wir haben schon sehr viele Anfragen in Dortmund", berichtet Hoekman. Etwa zwei Dutzend Unternehmen hätten sich schon gemeldet.

Sie müssen allerdings noch etwas Geduld haben. Mit zwei Jahren Planungszeit rechnet van Straaten. Bis das Projekt realisiert ist, wird es wohl etwa sieben Jahren dauern, schätzt er. Der Grundstock für die Finanzierung sei bereits gelegt. Insgesamt 75 Millionen Euro sollen investiert werden - wenn es nach World of Walas geht mit vielen lokalen Partnern.

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