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Hier war die „Lego-Brücke“ über die A46 in Hagen noch im Bau.

Pilot-Projekt abgeschlossen

Straßenbauer sehen die "Lego-Brücke" noch skeptisch

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GELSENKIRCHEN - Die sogenannte „Lego-Brücke“, die bei Hagen über die Autobahn 46 führt, war als Pilotprojekt für ganz Nordrhein-Westfalen groß angekündigt worden. Nun soll sie aber doch nicht landesweit Schule machen. Man zeigt sich skeptisch.

Das hat der Landesbetrieb Straßen.NRW in Gelsenkirchen am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt.

An der Bauzeit lag es allerdings nicht, dass die Bautechnologie künftig nicht auf ganz NRW ausgeweitet wird. Die Brücke war wie geplant schon nach 100 Tagen fertig, weil sie komplett aus Fertigteilen zusammengesetzt wurde – wie beim bekannten Lego-Spielzeug.

Teurer als erwartet

Allerdings war das Projekt erheblich teurer als erwartet. Statt der vom Verkehrsministerium in Düsseldorf veranschlagten 3,3 Millionen Euro betrugen die Kosten am Ende fast sieben Millionen Euro – also mehr als das Doppelte. „Manches an dem Pilotverfahren im Sauerland war praxisfern“, räumte Straßen.NRW-Sprecherin Susanne Schlenga ein. Das lag zum Beispiel daran, dass 60 Tonnen schwere Betonteile auf dem Kopf gegossen werden mussten, so Schlenga. „Dieser immense Aufwand schlug sich bei den Kosten nieder.“

Straßen.NRW ist noch etwas verhalten

Deshalb heißt es bei Straßen.NRW jetzt etwas verhalten: Man setze künftig nicht grundsätzlich auf diese Bauweise, sondern teste auch noch andere Verfahren und wolle künftig in jedem Einzelfall entscheiden – ob nämlich die Vorteile einer „Lego-Brücke“ – also kurze Bauzeit und damit weniger Sperrungen und Staus für die Autofahrer – den höheren Preis wert sind.

Ein gelungenes Beispiel für ein innovatives Brückenbauverfahren, so Pressesprecherin Susanne Schlenga, sei hingegen die Autobahnquerung über die A3 bei Emmerich, die am kommenden Montag, 17. Juni, nach knapp 120 Tagen Bauzeit für den Verkehr freigegeben wird. Der Clou hier: Während der kompletten Bauzeit von Ende Januar bis Anfang Juni musste die Autobahn nur an 2,5 Wochenenden gesperrt werden – normal wären 18 bis 20 Tage.

5000 Brücken müssen noch saniert werden

"Es ist unser höchstes Ziel in NRW diese Sperrzeiten zu verkürzen“, sagte Thomas Oehler, der als Regionalleiter des Landesbetriebs Straßen.NRW für die Autobahnen zuständig ist. „Wir müssen schneller werden“, betonte er mit Blick auf die Stausituation im Land und die Anzahl der Projekte. „Allein im Zuständigkeitsbereich von Straßen.NRW müssen in den nächsten 20 bis 30 Jahren rund 5000 Brücken saniert oder ersetzt werden“, ergänzte Oehler.

Bei der ersten sogenannten „Segment-Brücke“ bei Emmerich wurden die Fahrbahnplatten übrigens in Fertigteilen wie bei einer Perlenkette auf die Spannglieder gezogen. „Bei diesem Projekt haben wir sowohl bei der Bauzeit als auch bei den Kosten eine Punktlandung hingelegt“, erklärte Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek stolz.

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