Polizei ermittelt

Mysteriöser Kugelböller explodierte in Lasses (9) Hand

DORTMUND - Die Polizei ermittelt wegen der mysteriösen Kugelböller, die auch auf Spielplätzen gefunden wurden und an denen sich mindestens sechs Kinder am Neujahrstag teils schwer verletzt haben. Hat da jemand Sprengfallen ausgelegt? Eine betroffene Familie berichtet vom Fund eines der Böller.

Er war rund, klein, verlockend - und gefährlich. Lasse Gröschner, 9 Jahre, aus Aplerbeck entdeckte den beigefarbenen Kugelböller beim Neujahrsspaziergang mit seiner Familie. Der hochexplosive Knaller lag in der Petershagenstraße zwischen grünen Bodendeckern an einer Hauswand.

"Guck mal, der ist noch heile", sagte der Junge zu seinen Eltern, "darf ich den zünden?". Durfte er, aber nur gemeinsam mit seinem Stiefvater Dirk Drechsler (52). Zusammen hoben sie den Knallkörper auf. "Die Zündschnur", sagt Mutter Nicole Gröschner (45), "brannte noch gar nicht, da gab es schon einen lauten Knall und ein grelles Licht. Das war kein normaler Feuerwerkskörper."

Vor Schmerzen geschrien

Lasse schrie vor Schmerz, hatte Verbrennungen und Knallquetschungen an den Händen. Seine Finger waren dick geschwollen. Dirk Drechsler erlitt ein Knalltrauma. Die Familie, in heller Aufregung, fuhr zur Notaufnahme ins Krankenhaus. Dort saßen bereits andere Kinder mit Verbrennungen und kühlenden Gegenständen im Wartezimmer der Kinderchirurgie.

"Wir kamen ins Gespräch", erzählt Nicole Gröschner, "und nach und nach kam heraus, dass alle durch solche Kugelböller verletzt worden waren. Andere hatten den Böller sogar nur hochgehoben."

Daraufhin rief Lasses Vater Uwe Gröschner, der mit im Krankenhaus war, die Polizei an. Die Beamten kamen sogleich in die Kinderchirurgie und nahmen die Aussagen auf. Dirk Drechsler erinnert sich noch daran, dass der Böller einen Aufkleber hatte mit dem Großbuchstaben A. Die Kugelböller waren auch laut anderer Betroffener drei bis vier Zentimeter groß.

Polizei warnt vor den Kugelböllern

Wie berichtet, warnte die Polizei einen Tag später, am Dienstag, öffentlich vor diesen gefährlichen Blindgängern, die auch auf Spielplätzen lagen. Mindestens sechs Kinder zwischen neun und zwölf Jahren erlitten am Neujahrstag in Wickede, Aplerbeck, Scharnhorst und in der Nordstadt durch diese mysteriösen Kugelböller Verbrennungen sowie Gesichts- und Augenverletzungen. Anzeigen wurden erstattet.

Die Kriminalpolizei ermittelt, wie andere betroffene Eltern und Kinder wurden auch Nicole Gröschner und Lasse am Mittwoch ins Polizeipräsidium gebeten, um weitere Aussagen zu machen. "Die Polizei nimmt das ernst", sagte am Mittwoch auf Anfrage Polizeisprecher Kim Freigang, "aber wir wissen es bislang nicht genau einzuschätzen". Schließlich habe man noch keinen dieser Böller zu Gesicht bekommen, weil diese ja explodiert seien. Außerdem sei bislang kein weiterer Fall bekannt geworden.

Silvester für böse Absichten genutzt?

Nicole Gröschner hält es nicht für ausgeschlossen, dass jemand absichtlich diese Kugelböller ausgelegt hat. "Möglicherweise hat jemand an Silvester die Gelegenheit genutzt, Anschläge auf Hunde oder gar Kinder zu verüben."

Sprengfallen für Kinder? Das sei etwas weit hergeholt und reine Spekulation, sagte Polizeisprecher Freigang, "doch ganz von der Hand weisen möchte ich das auch nicht". Er hoffe, "dass die Stadt entsprechend sensibilisiert ist".

Ob dem so ist, war am Mittwoch nicht zu erfahren. Antworten vom Ordnungsamt und dem für die Spielplätze zuständigen Tiefbauamt stehen noch aus.

Lasse hatte Glück im Unglück. Seine Hände heilen. Aber für ihn ist klar: "Ich werde keinen Knallkörper mehr anfassen."

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