Polizei legt Zahlen vor

Fahrraddiebstähle im Kreis sind seit Jahren rückläufig

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Kreis RE - Der Saisonstart ruft auch Diebe auf den Plan – 2018 verschwanden rechnerisch sieben Räder pro Tag im Bereich der Polizei Recklinghausen.

Auch bei Fahrraddieben ist die beginnende Radsaison sehr beliebt – die Einrichtung eigener Ermittlungsgruppen in Köln und Bonn, die sich schwerpunktmäßig mit dem Straßenkriminalitätsdelikt Fahrradklau beschäftigen sollen, hat jetzt Schlagzeilen geschrieben. In Recklinghausen gibt es solche „Sonderermittler“ nicht – der Fahrraddiebstahl gehört seit jeher zum Alltagsgeschäft der Kreispolizeibehörde.

„Das geben bei uns die Zahlen nicht her“, bezieht Michael Franz von der Pressestelle der Recklinghäuser Polizei Stellung zur Frage einer Einrichtung einer Schwerpunkt-Ermittlungsgruppe zum Fahrraddiebstahl.

Keine Frage: Jeder Fahrraddiebstahl ist für den Besitzer ärgerlich, mit Aufwand verbunden und bisweilen teuer – wenn der Versicherungsschutz nicht stimmt. Dabei verhält es sich ähnlich wie beim Wohnungseinbruch: Jeder kann zu seinem Schutz beitragen und dafür sorgen, den Zeitaufwand für einen Diebstahl und das Entdeckungsrisiko für den Täter so groß wie möglich zu machen. Und jeder Versicherungskaufmann berät, was man am besten macht, wenn man eine teueres Rennrad, Pedelc oder E-Bike fährt.

Liegt es daran, dass Fahrradbesitzer mehr in die Sicherheit investieren? Die Zahl der Fahrraddiebstähle im Zuständigkeitsbereich der Polizei RE ist seit Jahren rückläufig: 2478 verschwundene Räder im Jahr 2018 stehen dem Negativrekord 5213 aus dem Jahr 2009 gegenüber.

Rahmennummer ist existenziell wichtig

In Köln und Bonn treibt die Polizei die Sorge vor organisiertem Fahrraddiebstahl spezialisierter Banden um – im Kreis Recklinghausen entpuppten sich Diebstahlserien in der Vergangenheit als aus dem Ruder gelaufene Beschaffungskriminalität von Akteuren aus dem Drogenmilieu – in Dorsten zum Beispiel entdeckten Ermittler auf einen Schlag zuhauf gestohlene Fahrräder.

Was dann auch den Ausreißer nach oben in der Aufklärungsquote erklärt: Sie schießt in die Höhe, wenn Tätern ganze Diebstahlserien nachgewiesen werden können. Das war also 2014 der Fall, als auf einen Schlag 1083 von 4314 Fahrraddiebstählen in diesem Jahr aufgeklärt werden konnten (24,06 %). Zur Wahrheit gehört, dass die Standard-Aufklärungsquote anders aussieht: Sie bewegt sich seit 2105 im Bereich zwischen 7,87 % und 7,06 %. Das kommt nah an die traditionell überhaupt niedrigste Aufklärungsquote des Taschendiebstahls heran.

Seit 2009 haben sich die Fallzahlen halbiert

-Rechnerisch sind 2018 im Zuständigkeitsbereich der Recklinghäuser Polizei (Kreis RE plus Bottrop mit zusammen ca. 751.000 Einwohnern) sieben Fahrräder pro Tag verschwunden. 2478 Diebstahlsfälle waren es insgesamt, davon 2100 „unter erschwerenden Umständen“ – d.h. es wurden Schlösser geknackt, Garagen oder Keller aufgebrochen. Gegenüber 2017 ist die Gesamtzahl um 22 Taten gestiegen (2456). Zum Vergleich: 2009 waren es noch 5213 Fahrraddiebstähle. -Während sich die Fallzahl etwa halbiert hat, verharrt die Aufklärungsquote auf niedrigem Niveau: 2018 hat die Polizei in 175 Fällen einen Tatverdächtigen ermittelt (7,06 %), in 2017 war das in 180 Fällen so (7,33 %). Als 2009 die meisten Fahrräder – nämlich 5.213 – verschwanden, lag die Aufklärungsquote bei 5,26 % (274 Fälle).

Dass die Polizeistatistik dabei längst nicht alle Fahrraddiebstähle abbildet, ist den Ermittlern im Präsidium klar. „Wir gehen davon aus, dass Diebstähle gar nicht erst angezeigt werden, wenn von der Versicherung nichts zu erwarten ist“, sagt Michael Franz. Auch machen die Beamten immer wieder die Erfahrung, dass Bestohlene keine Rahmennummer haben, ihr Rad nicht codiert ist. „Für die Polizei ist das bei Fahndungen und Überprüfungen existenziell. Ohne solche Angaben ist die Chance sehr, sehr gering, sein Rad wiederzubekommen, selbst wenn es irgendwo anders gefunden wird.“

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