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Sekundenschnell ist es passiert – mit Umsicht lässt sich mancher Taschendiebstahl verhindern.

Polizei warnt

Saisonstart für Langfinger

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KREIS RECKLINGHAUSEN - Jeder kann sich gegen Taschendiebstahl schützen: Polizei wirbt mit Kampagne „Augen auf – und Tasche zu“ für umsichtiges Verhalten.

Im Gedränge von Weihnachtsmärkten, in Einkaufsstraßen oder Shopping-Centern schwimmen sie mit wie der viel zitierte Fisch im Wasser: Taschendiebe haben dort Konjunktur, wo sich Menschen drängen. Das wissen bestohlene Bürger wie auch die Polizei aus bitterer Erfahrung, nicht von ungefähr läuft jetzt wieder die landesweite Kampagne „Augen auf – und Tasche zu“.

Es ist der Appell, den Langfingern mit umsichtigem Verhalten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Vorbeugung ist das Mittel der Wahl für die Polizei – die Aufklärung der Taten, wenn sie denn erst passiert sind, enorm schwierig. Ganz aktuell werden zwei Taschendiebinnen aus Dorsten per Täterfoto gesucht – alle anderen Ermittlungsansätze waren erfolglos. Heute, am Mittwoch, baut die Polizei in Recklinghausens Innenstadt Info-Stände auf, um mit dem Motto „Augen auf – und Tasche zu“ Bürger zu sensibilisieren. Von 10.30 Uhr bis 14.30 Uhr sind Polizisten im Palais Vest und auf dem Altstadtmarkt zu finden.

Kriminalhauptkommissar Diether Michalak ist vor Ort, er arbeitet im Kommissariat für Kriminalprävention und wird auch heute im persönlichen Gespräch darauf hinweisen, welche Einladung an Diebe jede offene Handtasche darstellt. „Dabei kann sich jeder schon mit einfachen Verhaltensmaßnahmen schützen“, erläutert Michalak seit Jahren. Heißt buchstäblich Tasche (und Rucksack) zu, Wertgegenstände in Innentaschen am Körper tragen, sich nicht bedrängen lassen . Seit Jahren klärt die Polizei über Taschendiebstähle auf, verteilt auf Weihnachtsmärkten Info-Material. Zudem zeigen in den kommenden Wochen uniformierte Polizisten demonstrativ Präsenz, gehen Beamte in zivil gegen Taschendiebe und ihre Hintergrundstrukturen vor. Seit Jahren bewegen sich die Taschendiebstahlzahlen im Bereich der für einen Ballungsraum mit 735.000 Menschen zuständigen Polizei RE auf etwa dem gleichen Niveau (s. unten) – allerdings auch die niedrigen Aufklärungsquoten: Insgesamt 2,62 % in 2017 und 4,24 % in 2016. Wegen der Gewieftheit der Diebe bemerken Opfer die Tat erst viel später, können keine Angaben zu Tatzeit oder -ort machen. Die Täter gehen oft arbeitsteilig vor: Einer klaut, der nächste übernimmt die Beute, übergibt sie womöglich noch einem dritten… Sie stehen, wenn sie denn einmal auffallen, mit „sauberen“ Händen da – und so bleibt im Grunde der Polizei keine andere Wahl, als auf Prävention zu setzen.

Aus der Trickkiste der Taschendiebe:

Auf der Straße haben Trickdiebe diverse miese Maschen auf Lager, das Ziel ist immer gleich: ablenken, um in Ruhe zugreifen zu können. Hier eine kleine Auswahl von Tricks, bei denen alle Alarmglocken schrillen müssen:

Rempel-Trick:

Opfer werden im Gedränge angerempelt oder von mehreren Tätern „in die Zange“ genommen. Auch beliebt: Der Vordermann stolpert, bückt sich oder stoppt abrupt – dem so abgelenkten Opfer greift ein Komplize in die Tasche.

In Bus oder Bahn kommen Diebe unangenehm nahe. Drehen Opfer den Tätern den Rücken zu, sind Rucksack oder Tasche zugriffsbereit. Unter einem locker über den Arm gehängten Mantel können Diebe ihre Fingerfertigkeit ausspielen.

Diebe fragen nach dem Weg und halten Opfern eine Karte vor die Nase – ein Komplize greift im Moment der Sichtbehinderung zu.

Man wird gebeten, zum Beispiel eine Münze zu wechseln. Öffnet das Opfer die Börse, wird es vom Täter abgelenkt, er stiehlt den Inhalt.

Das Opfer wird „versehentlich“ mit Ketchup oder Eis bekleckert, der „Reinigungsversuch“ ist in Wirklichkeit ein fingerfertiger Diebstahl.

Betrüger – oft werden Kinder dafür eingesetzt – halten Gästen in Cafés oder Passanten ein Papier mit der Bitte um eine Spende vor – das lenkt vom Griff nach der Geldbörse oder in die Handtasche ab.

Vorsicht vor Fremden, die einem mit einer freundlichen Umarmung eine Blume zustecken wollen – das so abgelenkte Opfer wird bestohlen.

Taschendiebstahl im Bereich des Präsidiums RE

2017 sind im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums RE (zehn Kreisstädte plus Bottrop) 1068 Fälle von Taschendiebstahl aufgenommen worden. Das liegt auf dem Niveau von 2016 (1086) und 2015 (1084). Der höchste Stand war 2011 erreicht (1699), der niedrigste 2008 (743).

Zahlen (2017/2016) aus den Städten:

- Bottrop: 231 (193) - C.-Rauxel: 122 (105) - Datteln: 37 (38) - Dorsten: 66 (72) - Gladbeck: 74 (88) - Haltern: 43 (55) - Herten: 84 (113) - Marl: 86 (91) - Oer-Erkens.: 19(31) - Recklingh.: 276 (265) - Waltrop: 30 (35)

Drängel-Trick: Stadtplan-Trick: Geldwechsel-Trick: Klecker-Trick: Bettel-Trick: Blumen-Trick:

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