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Mit einer Einsatzhundertschaft war die Polizei bereits Ende letzter Woche in Marl im Einsatz.

Polizeieinsätze

Weitere Razzien gegen Clan-Kriminalität

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RUHRGEBIET - Der Kampf gegen die Clan-Kriminalität geht weiter. Erneut hat die Polizei mit einem Großaufgebot Razzien in gleich mehreren Städten durchgeführt. Wieder waren auch schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte dabei - aus gutem Grund.

Bremen und Berlin liegen näher, als mancher denkt: Mit einem Großaufgebot hat die Polizei den Bochumer Ableger des speziell in den beiden Großstädten zu verortenden Miri-Clans zerschlagen. Auch in der Region und im Kreis Recklinghausen treten Aktivitäten krimineller Mitglieder libanesisch-/türkischstämmiger Großfamilien immer offener zutage – der Staat reagiert. Um 7.30 Uhr startete gestern Morgen der Einsatz, mehr als zehn Wohnungen und Lokale – sieben Objekte in Bochum, je eines in Essen, Herne und in der sächsischen Stadt Auerbach – wurden nach Polizeiangaben durchsucht. Beteiligt waren schwer bewaffnete Spezialeinsatzkommandos der Polizei. Drei in Bochum lebende Brüder – 22, 28 und 30 Jahre alt – wurden festgenommen. Ebenso ein als „Patron“ bezeichnetes Familienmitglied – der 32-Jährige war Zielperson eines Zugriffs in Sachsen und wurde nach der Festnahme mit einem Hubschrauber nach Bochum geflogen. Alle vier sind in Untersuchungshaft genommen worden.

Drogenhandel im großen Stil

Die Männer stehen in Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Handels mit Kokain und Marihuana. Kiloweise wurden gestern Drogen beschlagnahmt. Der Bochumer Miri-Clan gilt als gefährlich, nach Hinweisen auf eine Bewaffnung wurden Spezialkräfte eingesetzt. Die Beschuldigten sollen in großem Stil mit Kokain und Marihuana gehandelt und auch ins Absatzgebiet des vierten Bruders in Sachsen-Anhalt Drogen geliefert haben. Ein Kiosk am Südring in Bochum und eine Shisha-Bar ganz in der Nähe sollen laut Polizei Anlaufpunkte gewesen sein, um kriminelle Geschäfte anzubahnen. Dem Einsatz vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen. Bochums Polizeisprecher Volker Schütte: „Daher hatten wir bei den Festnahmen auch gleich Haftbefehle.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Miri-Familienclan in der Region Schlagzeilen schreibt. Mitglieder sollen in der Silvesternacht in Bochum mit zwei Wagen und einer Schusswaffe drohend auf einen Disco-Türsteher zugefahren sein und ihn verletzt haben – er hatte Clan-Mitgliedern den Zutritt verweigert.

Messerstiche und Schüsse aus scharfen Waffen

Mitte September eskalierte in Dortmund eine Auseinandersetzung zwischen der Miri-Großfamilie und Bandidos-Rockern – ein Clanmitglied wurde niedergestochen, in der Folge das Klubhaus der Rocker mit scharfen Waffen beschossen. Zwei Rocker gingen nach der Messerattacke in U-Haft, sie sollen angegeben haben, sich lediglich verteidigt zu haben. Die Hintergründe sind unklar – dazu, dass bei der Auseinandersetzung womöglich Expansionsbestrebungen im Drogenhandel eine Rolle gespielt haben, gibt es keine offiziellen Angaben.

Fest steht nur, dass Polizei, Zoll und Ordnungsbehörden in den Städten seit Monaten gezielt mit Großrazzien gegen organisierte Clankriminalität vorgehen. Erst am vergangenen Wochenende hatten Polizisten in Marl Shisha-Bars und Wettbüros durchsucht, 85 Personen überprüft und 40 Kilo unversteuerten Tabak sichergestellt. „Die Situation in unseren Kommunen mag augenscheinlich nicht vergleichbar sein mit anderen Städten. Eine Ausbreitung von Organisierter Kriminalität und eine Verfestigung von kriminellen Strukturen bekämpfen wir bereits im Ansatz. Dazu werden wir alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen, um die ,abgeschotteten Bereiche‘ zu erhellen“, hatte Recklinghausens Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen Anfang August zum Auftakt einer Serie von Razzien des für den Kreis Recklinghausen und Bottrop mit zusammen rund 735.000 Einwohnern zuständigen Präsidiums angekündigt.

Expansion krimineller Mitglieder

Im Fokus steht nicht nur die Expansion krimineller Mitglieder der von der Polizei auf bundesweit auf mehrere Tausend Köpfe geschätzten Miri-Familie – es gibt eine Reihe weiterer Gruppierungen in der Region und im Kreis RE, denen kriminelle Aktivitäten zugeschrieben werden. „Die landesweite Bekämpfung der organisierten Clan-Kriminalität geht weiter“, betonten Staatsanwaltschaft und Polizei in Bochum.

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