Prävention ist wichtig

Trickbetrug ist der neue Einbruch

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Kreis RE - „Falsche Polizisten“ bis „Enkeltrick“: Kriminelle gehen gezielt Senioren an. Sensibilisierung des Umfelds ist die wirksamste Gegenwehr.

Es ist absolut unangemessen, Betrugsopfer von „falschen Polizisten“ oder des „Enkeltricks“ – ausnahmslos ältere Menschen – gleich noch einmal abzuqualifizieren: „Wie blöd darf man sein?“ Und, klar doch: „Würde mir doch nicht passieren.“

Dabei ist offen, wie viele jüngere, vermeintlich Clevere sich von Finanzjongleuren über den Tisch ziehen lassen. Der Unterschied: Die einen liefern von der windigen Aussicht auf schwindelerregende Rendite berauscht Geld ab – die anderen werden mit, ja, psychischer Gewalt dazu gebracht, jede Vorsicht zu vergessen. Nur ein paar Mal muss die miese Masche klappen, um hohe Beute zu machen.

Tausendfach rufen Betrüger Menschen an, deren Vornamen auf die ältere Generation schließen lassen. Gerade wo im dritten Jahr in Folge Bürger und Polizei davon profitieren, dass die Zahl des besonders belastenden Delikts Wohnungseinbruch nach intensiver Präventions- und Fahndungsarbeit gesunken ist, ploppt ein neuer Problembereich auf. Bei Ermittlern heißt es bereits: Trickbetrug ist der neue Einbruch.

„Kriminelle sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, um an das Geld anderer Menschen heranzukommen. Diese Betrugsformen sind für die Täter vergleichsweise risikoarm“, sagt Holger Haufmann, Leitender Kriminaldirektor im für den Kreis RE und Bottrop mit rund 750.000 Einwohnern zuständigen Polizeipräsidium Recklinghausen.

Einsamkeit und Isolation werden ausgenutzt

Was kann man tun? Neben der Polizeiarbeit hat die Prävention enorme Bedeutung. „Es ist ungeheuer wichtig, dass alle im Umfeld von Senioren sensibilisiert sind: Angehörige, Freunde, Nachbarn, Bankangestellte. Und wir sind dankbar für alle Informationen“, macht Haufmann deutlich. „Falsche Polizisten“ bringen Senioren mit erfundenen Droh-Geschichten über Einbrüche in der Nachbarschaft und/oder Machenschaften in ihrer Hausbank dazu, Geld und Wertgegenstände in „sichere Hände“ zu übergeben.

Es gibt Anruf-Center (z.B. in der Türkei), in denen gut Deutsch sprechende, psychologisch gewiefte Täter Telefonbücher und Internet-Verzeichnisse abklappern. Angerufen werden eher „Herbert“ und „Gertrud“ als „Marvin“ und „Chantal“.

„Enkeltrick“-Betrüger gaukeln Senioren in psychologisch geschickt angelegten Frage-Antwort-Telefongesprächen die Notlage eines Verwandten vor. Mit Schmeicheleien und Drohungen macht man sich Einsamkeit und soziale Isolation zunutze. Betrüger bringen nach oft wochen- oder monatelanger Manipulation ihre Opfer dazu, Geld bei ihrer Bank für den notleidenden Enkel oder Neffen abzuheben und dessen „Boten“ (sprich: Täter oder Komplizen) zu übergeben.

Die folgenden Zahlen erheben keinen Anspruch auf Vollzähligkeit, spiegeln aber Dimensionen wider: In 2018 wurden dem Präsidium RE etwa 1000 Telefonanrufe von „falschen Polizisten“ gemeldet. Der schon seit längerem bekannte „Enkeltrick“ kommt auf ca. 270 Versuche. Und es gab auch „Gib-mir-dein-Geld“-Klassiker von betrügerischen Dachdeckern, Lederjacken-Verkäufern, „Gewinnspiel“-Glücksboten… Das funktionierte nach Erkenntnissen der Polizei RE 2018 etwa 25 Mal. Für Anruf-Betrugsmaschen gilt: In wie vielen Fällen Bürger den Hörer einfach aufgelegt haben, ist nicht ansatzweise bekannt.

Das kommt auch nicht alle Tage vor - die Polizei warnt in Oer-Erkenschwick vor falschen Polizisten.

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