„Predictive Policing“

Statistik-Software macht Einbrüche ein Stück weit vorhersehbar

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KREIS RE - Im Kampf gegen Einbrecher versorgt das Landeskriminalamt mit dem Statistik-Programm „Skala“ das Präsidium Recklinghausen seit Ende 2018 mit Infos.

„Skala“ heißt das Statistik-Programm des Landeskriminalamtes NRW, das seit Ende 2018 auch dem für den Kreis RE und Bottrop mit fast 735.000 Einwohnern zuständigen Polizeipräsidium Recklinghausen Bereiche mit höherem Einbruchsrisiko aufzeigt. „Skala“ ist vom Landeskriminalamt (LKA) nicht entwickelt worden, um Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen. Es geht darum, Personal an bestimmten Punkten gezielt einzusetzen, verdeckte Observation oder offene Präsenzmaßnahmen zu organisieren. Gerade auch vorbeugend. Dabei kann es ganz banal zugehen: Wenn etwa örtlich Bezirksbeamte auf der Fußstreife gezielt Bürger im Gespräch darauf hinweisen, dass das „auf kipp“ stehende Fenster die Deluxe-Einladung für Einbrecher ist.

Wie viele Wohnungseinbrüche „Skala“ verhindert, ist nicht messbar – schließlich meldet sich kein Täter bei der Polizei mit dem Hinweis, dass er sicherheitshalber mal von einem Einbruch abgesehen hat, weil ihm zu viel los war. Erkennbar ist hingegen die regionale Gesamtentwicklung bei Wohnungseinbrüchen. In den USA und Großbritannien nutzen Polizisten schon länger die Methode, mithilfe von Mathematik und Algorithmen Kräfte auf prognostizierte Brennpunkte anzusetzen.

Ansatz des Data Mining

„Wir werden weiter konsequent alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Einbrüche zu verhindern und Einbrecher zu überführen. Sinkende Einbruchszahlen zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Recklinghausens Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen.

„Skala“ arbeitet nach dem Ansatz des sogenannten Data Mining: Statistik wird auf große Bestände von Daten angewendet – zu Einbrüchen in einer Stadt sind das u.a. Tatort, Tatzeit und Vorgehen der Täter. Das wird kategorisiert und mit frei verfügbaren Informationen über Bebauung, Wetter, Sozial- und Infrastruktur kombiniert. Das Wissen, wer wann und wie oft in den Urlaub fährt, würde z.B. auf einen ganzen Stadtteil angewandt sicher Aussagekraft für eine Einbruch-Vorhersage besitzen – nur sind solche Datenerhebungen für die Ermittler in NRW tabu. Anders in Amerika, wo z.B. auch Facebook und Twitter in „Predective Policing“ mit einfließen.

Es hat sich gezeigt, dass „Skala“ auf großstädtische Bezirke anwendbar ist, in weitläufigen ländlichen Bereichen aber Schwächen hat. Dort sind Fallzahlen zu gering, ist die verfügbare Datenlage zu dünn. Am Ende bringt dann aber immer noch der Mensch in Uniform das womöglich entscheidende Quäntchen Intuition mit ein. Etwa bei der Frage, warum potenzielle Einbruchsverdächtige manchmal recht auffällig mit alten Socken hantieren: Sie sind billig, nicht so auffällig wie krimitaugliche Ganovenhandschuhe und verhüten dennoch zuverlässig Fingerabdrücke. Eine Maschine käme nicht so leicht darauf…

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst (dpa)

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