Premiere im Fletch Bizzel

"Der rechte Auserwählte": Liebesgeschichte mit einem rechtspopulistischen Verlobten

Das Theaterstück "Der rechte Auserwählte" verknüpft eine Liebes- und Eifersuchtskomödie mit der Frage, wie salonfähig Fremdenfeindlichkeit inzwischen ist. Zu sehen ist es im Fletch Bizzel.

Früher gingen sie für ihre politischen Überzeugungen auf die Straße, heute sind Melanie und Gregg das, was man ein gutsituiertes Ehepaar nennt. Von ihrer schönen Wohnung in einem vornehmen Pariser Stadtteil aus ist ihr Interesse an Politik und dem Weltgeschehen ein eher akademisches, mit dem sich bei einem guten Roten angeregt theoretisieren lässt.

Riskante Gesellschaft: Charline trifft auf ihren Exfreund Jeff

Überraschend kündigt sich ihre gemeinsame Freundin Charline aus Jugendtagen an: Melanie soll ihre Trauzeugin werden und ihren Verlobten Noel kennenlernen. Für denselben Abend haben die beiden bereits ihren steinreichen und selbstgefälligen Freund Jeff eingeladen. Jeff ist Charlines Ex und trauert ihr noch immer hinterher.

Zuerst entwickelt sich der Abend amüsant und fröhlich - bis Noel sich als Rassist entpuppt. "Naja, Juden sind halt so, deswegen konnte ich nun mal keine Geschäfte mit ihnen machen", sagt er mit beiläufiger Selbstverständlichkeit. Ebenso ungerührt erwähnt er, dass sein Auto gestohlen wurde, "natürlich" von einem Afrikaner, der viel zu lasch bestraft worden sei.

Sie verliebte sich in ihn, nachdem er ihren Angreifer niederschoss

Seine Verlobte Charline, erzählt Noel, hatte er nachts in New York kennengelernt, als sie gerade von drei "Latinos" überfallen wurde. Noel hatte eine Waffe gezogen und einen der Angreifer niedergeschossen. Ob der überlebt habe, fragen ihn die Gastgeber. Das sei doch wohl völlig egal, erwidert Noel.

"Wir haben vorher im Ensemble darüber geredet", sagt Regisseur Thomas Holländer beim Pressegespräch. "Jeder von uns hat so etwas erlebt. Zum Beispiel, wenn auf einem Familienfest jemand plötzlich etwas Fremdenfeindliches sagt und man sich entscheiden muss: Gehe ich darüber hinweg oder spreche ich das an, auch wenn die Atmosphäre dann wahrscheinlich zerstört ist?"

Der moralische Zeigefinger bleibt in der Tasche

Doch das Stück von Eric Assous kippt nicht vollständig in eine Abarbeitung am Rassismus, sondern thematisiert Noels Fremdenfeindlichkeit als eine bei vielen selbstverständliche Haltung. Doch die Stimmung des Abends ändert sich, wird explosiver. Seitensprünge kommen ans Licht.

Die typisch französische Lust am Streiten habe Assous seinen Figuren auf den Leib geschrieben, sagt Hans-Peter Krüger, der den Gastgeber Greg spielt. Kein verbittertes, schuldzuweisendes Streiten, sondern ein temperamentvoller, fast sportlicher Schlagabtausch.

So bleibt die verwickelte Liebeskomödie wohl die Haupthandlung mit einer großen Pointe als Finale. Und die rechtspopulistischen Überzeugungen Noels spielen eine ähnliche Rolle wie in der realen Gesellschaft: verführerisch simpel und überraschend etabliert.

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