Premiere am Schauspiel

"Im Studio hört dich niemand schreien" wird ein lautes Theaterstück

Dortmund - Im neuen Theaterstück "Im Studio hört dich niemand schreien" hält der Italo-Horror der 1970er-Jahre Einzug ins Schauspiel Dortmund. Mit dabei: ein Messer - und Kohlköpfe.

Dem Titel des neuen Theaterstücks von Jörg Buttgereit machen die Schauspieler alle Ehre: Es wird ordentlich geschrien im Studio des Schauspiel Dortmund. "Wir haben in den letzten zwei Tagen angefangen, die Schreie in den Proben wegzulassen und die Stimmen der Schauspieler zu schonen", sagt Regisseur Buttgereit.

Darin geht es zentral um einen Tontechniker sowie einen Film- einen Horrorfilm, um genau zu sein. Daher die Schreie, denn diese und andere Horror-Elemente sind typisch für Filme von Dario Argento. Vor diesen verneigt sich der Regisseur mit seinem Drehbuch.

Eine Mischung aus Horror und Thriller

"Filmnerds werden das Stück zu schätzen wissen", sagt Jörg Buttgereit. Für "Im Studio hört dich niemand schreien" begibt sich das Team in die 1970er Jahre in Italien. Dies ist die Hochzeit des italienischen Giallo-Genres.

Giallo bezeichnet ein italienisches Filmgenre, das aus einer Mischung aus Thriller und Horrorfilm besteht. Schöpfer des Genres ist der bereits erwähnte Italiener Dario Argento. Im Dialog der Schauspieler sind Zitate aus diversen Filmen Argentos verarbeitet.

Ein Toningenieur, der scheitert

Buttgereit erzählt so eine Geschichte, die lose auf den Film "Berberian Sound Studio" von Regisseur Strickland basiert. Es geht um den Toningenieur Maximilian Schall, der einen gutbezahlten Auftrag von Horrorregisseur Dario Winestone erhält. Er soll Winestones neuen Film vertonen. Dem brutalen Streifen fehlt es an akustischer Überzeugung, und Maximilian Schall muss sich ins Zeug legen, um ihn treffend zu vertonen.

Doch dem Toningenieur geht der brachiale Film bald an die Substanz - sonst vertont die zurückhaltende Hauptfigur nur Kinderfilme und Naturdokumentationen. Der Zuschauer wird Zeuge davon, wie Maximilian Schall immer mehr an seinem Auftrag zerbricht.

Töne aus Gemüse

Für Frank Behnke, den echten Sounddesigner des Schauspiels Dortmund, war die Arbeit an dem Stück "eine wahre Herausforderung". Das Team musste mit dem experimentieren, was einem Toningenier 1976 zum Geräusche produzieren zur Hilfe stand - das war mitunter auch Gemüse.

"Wir haben herausgefunden, dass Zucchinies beim Durchbrechen besonders schön knacken", sagt Anne-Kathrin Schulz, die Dramaturgin des Stücks. "Wenn der Zuschauer sieht, dass Schall an der Arbeit furchtbar verzweifelt, aber gleichzeitig in Kohlköpfe einsticht, hat das auf jeden Fall auch etwas Urkomisches", sagt Schulz.

Detailreiches Bühnenbild

Auch die Bühnenbildnerin Susanne Priebs sah ihre Arbeit an dem Stück als etwas ganz Besonderes an. "Das gesamte Bühnenbild ist untypisch für die sonstige Ausstattung am Theater, alles muss so sein, wie es ist", sagt sie.

Arbeiten sonstige Theateraufführungen nur mit sehr wenigen Requisiten, hatte "Im Studio hört dich niemand schreien" einen filmischen Charakter. Das Bühnenbild ist detailliert und könnte in seinem Aufbau wirklich aus dem Jahre 1976 stammen. Schallplatten, Briefe, ein originales Tonbandgerät und leicht angegilbte Schalldämpfer an den Wänden sorgen für eine muffige Studioatmosphäre.

Dafür war Bühnenbildnerin Susanne Priebs zwar wochenlang in diversen Requisitenkellern und Dachböden auf der Suche, aber "die Arbeit macht auch wahnsinnig Spaß." Auch die Kostüme sind alle handgefertigt. "Ich habe die Schauspieler in den Kostümen teilweise nicht wiedererkannt", sagt Buttgereit. Dabei war es dem Team allerdings wichtig, nicht zu sehr die Klischees der 70er Jahre zu erfüllen - Schlaghosen und Afros gibt es keine. Stattdessen tragen die Darsteller schicke italienische Anzüge und mitunter Schnauzbärte.

In dieser "italian chic"-Atmosphäre wird es weder den zentral thematisierten Film selbst auf der Bühne zu sehen geben, geschweige denn Kunstblut. Der eigentliche Horror findet im Kopf des Protagonisten statt, daher ist das Stück ab 18. Buttgereit wollte durch die fehlenden oder auf Kohlköpfe übertragenen Gewaltabbildungen eine künstliche Welt schaffen. "So eine Kunstwelt gibt es heute so nicht mehr, und das ist typisch für die Welt der Argento-Filme", sagt er.

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