Premiere auf Zeche Zollern

Geierabend will Nazis im Hannibal einquartieren

DORTMUND - Nazis in den Hannibal, aufgegebene Bergwerke als Heimat für Hass-Kataster - das Ensemble des Geierabends hat ganz eigene Vorschläge für die Zukunft des Ruhrgebiets. Am Donnerstag feierte sein aktuelles Programm "Bye, bye Bottrop" auf Zeche Zollern Premiere. Mit von der Partie waren auch Donald Trump und Angela Merkel.

Gekleidet in silber-glitzernden Fracks und Zylindern singen Hans Martin Eickmann, Murat Kay?, Martin Kaysh, Hans-Peter Krüger, Roman Henri Marczewski, Franziska Mense-Moritz, Martin F. Risse und Sandra Schmitz über die Pütt-Zeit, die 2018 mit dem Schließen der letzten Zeche in Bottrop zu Ende geht. Doch der "Pott", so die Hoffnung, werde wieder vereint.

So vereint, wie die "Geier" in Ruhrpott-Deutsch gegen Kommerzialisierung, Bildungsmisere, Radikalisierung, Umweltverschmutzung und die Mächtigen der Welt anspielen und antanzen. Letzteres beim "Pas de Doof", bei dem sich Risse und Kay? übertrieben schön als US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi gegenseitig ausheben.

Fake News von Reichsbürgern und "normalen Arschlöchern"

Letztmalig unter der Regie von Günter Rückert sind "Die Zwei vonne Südtribüne" zu sehen. Franziska Mense-Moritz, die den Abend mit einem gebrochenen Wadenbein absolviert, wird nach dieser Session nicht mehr als "Immi" auf der Bühne stehen. Gemeinsam mit Hans Martin Eickmann kritisiert sie die Vermarktung des Fußballs mit täglicher "Bandenwerbung, an denen die Banden werben".

Verkauft werde auch die Umwelt, meinen zwei vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Nach dem Diesel-Skandal stehe das Kürzel für "Verarsche deutsche Autofahrer". Gut sei, dass bei mehr Harnstoffverbrauch jeder selbst neuen produzieren könne. Als Insekten verkleidet probt das Ensemble aufgrund des zunehmenden Pestizideinsatzes den Aufstand auf der Blumenwiese und weiß schon, was darunter passiert, wenn es den Bergbau nicht mehr gibt. Das "Hass-Kataster" mit Fake News von Reichsbürgern und "normalen Arschlöchern" könne unter Tage eingelagert werden.

Zündelnde Nazis sollten in Hannibal einziehen

Selbst für "Hannibal" gebe es Hoffnung. "Nazis sind hohl, Hannibal ist leer", sagt Martin Kaysh als "Steiger". Da könne man sie in das aus Brandschutzgründen gesperrte Hochhaus einziehen lassen: "Die zündeln doch gerne." Gar eine Rechts-Koalition regt Sandra Schmitz als gerupfter, aus dem Reichstag geflohener Bundesadler an. Merkel habe schon FDP und SPD geschafft, da würde es nach vier Jahren die AfD nicht mehr geben.

Für den Pannekopp-Orden 2018 sind die "Lit. Cologne", die das Ruhrgebiet alphabetisieren wolle, und Ministerpräsident Armin Laschet, der trotz neun Milliarden schweren Sportstätten-Sanierungsstaus Olympia ins Ruhrgebiet holen möchte, nominiert. Die erste Tagesabstimmung gewann Laschet klar. Der 28 Kilogramm schwere Orden wird am 13. Februar vergeben. Ob er dann erstmals auch abgeholt wird?

Nach zweimal 90 Minuten buntem Mix aus Kabarett, Comedy und Karneval werden die "Geier" bei der Premiere letzten Donnerstag auf Zeche Zollern Minuten lang stehend gefeiert.

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