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Landwirte aus dem Vest bei der Kundgebung in Münster.

Protest

Bauern aus dem Vest demonstrieren in Münster

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Münster - 6000 Teilnehmer einer Kundgebung protestieren gegen strengere Düngeregeln. Dafür lassen auch Landwirte aus dem Vest ihre Arbeit liegen.

Es sind Wut, Fassungslosigkeit und wachsende Existenzängste, die rund 240 Bauern und Bäuerinnen aus dem Vest dazu bringen, die Arbeit auf ihren Höfen ruhen zu lassen, um in Münster – gemeinsam mit 6000 weiteren Berufskollegen – gegen die geplante Verschärfung des Düngerechts zu protestieren. „Für mich war sofort klar, dass ich mitfahre. Denn jede Person zählt“, sagt Landwirt Bernd Lienemann (43) aus Dorsten-Lembeck.

Es geht um den Schutz des Grundwassers. An 28 Prozent der Messstellen bundesweit würden die Grenzwerte für Nitrat überschritten, erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei der Kundgebung auf dem Domplatz. Die EU-Kommission macht deshalb Druck auf Deutschland. Und die Bundesregierung reagiert, indem sie Brüssel eine umstrittene Regelung vorschlägt: In Gebieten, in denen das Grundwasser einen erhöhten Nitratwert aufweist, soll die maximal zulässige Düngung pauschal um 20 Prozent reduziert werden. Auch im Kreis Recklinghausen gibt es solche „roten Bereiche“.

Fachlich sei diese Regelung völlig daneben, betont der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen, Friedrich Steinmann. Die daraus resultierende Mangelernährung der Pflanzen schade der Qualität der landwirtschaftlichen Produkte, führe zu Mindererträgen und nutze der Umwelt überhaupt nicht. Tierhaltende Betriebe seien zudem gezwungen, überschüssige Gülle gegen Bezahlung abzugeben. Die jährlichen Kosten dafür erreichten schnell einen fünfstelligen Bereich.

„Da kann man die Lust am Beruf verlieren“

Was die Landwirte besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass das Düngerecht erst 2017 verschärft worden ist. „Jahr für Jahr gibt es neue Auflagen. Da kann man die Lust am Beruf schon verlieren“, meint Bauer Bernd Lienemann.

Bei der Kundgebung lassen die Landwirte keinen Zweifel daran, dass auch sie an sauberem Wasser interessiert sind und ihren Beitrag leisten wollen. Das Nitrat, das jetzt im Grundwasser nachgewiesen werde, „resultiert aus Fehlern, die bereits vor 25 bis 30 Jahren in der Landwirtschaft gemacht wurden“, gibt Steinmann zu bedenken. Heute könnten der Nährstoffbedarf einer Pflanze exakt berechnet und die Gülle entsprechend dosiert werden. Der ganze Vorgang müsse zudem dokumentiert und gegenüber der Landwirtschaftskammer belegt werden, erläutert der Kreisverbandsvorsitzende. „Es wird jedoch Jahre dauern, bis der Erfolg der neuen Düngestrategien im Grundwasser sichtbar wird.“

Aktuell werden 50 Prozent aller Acker- und Grünlandflächen in NRW als belastet ausgewiesen. Der Landwirtschaftsverband hält das Verfahren für fragwürdig. Wenn nur an einer Stelle eines Grundwasserkörpers der Grenzwert überschritten werde, gelte der ganze Grundwasserkörper als „rot“, obwohl Messungen an anderer Stelle keine Auffälligkeiten ergeben hätten. „Wir sollten uns lieber gezielt um die Hotspots kümmern“, fordert deshalb Landwirt Steinmann.

Immerhin kündigt NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in Münster an, alle Messstellen im Land untersuchen und weitere installieren zu lassen, „um die Größe der roten Gebiete zu verringern“. Das sind Signale, die auch die vestischen Landwirte versöhnlicher stimmen.

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