Provision für Betreiber von Nischenseiten

So läuft das dubiose Geschäft mit falschen Produkttests im Internet

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Wer online einkauft, sieht sich vor dem entscheidenden Klick meist Produktvergleiche an. Doch viele dieser Tests helfen Kunden nicht weiter, warnen Verbraucherschützer. Sie nutzen vor allem den Testern selbst.

Wasserkocher, Bügeleisen, Zwiebelschneider: Millionen Produkte lassen sich in Sekundenschnelle im Internet bestellen. Und ebenso schnell ist auch eine Vielzahl von Produkttests und -vergleichen zur Hand. Doch Achtung: Wer hier seriöse Informationen erhofft, sollte insbesondere Google-Ergebnissen nicht blind vertrauen. Wie die Verbraucherzentrale NRW ermittelt hat, liefern viele sogenannte Produkttestseiten, die sich bei Google finden lassen, falsche Ergebnisse. Was die Betreiber dieser Seiten davon haben? Sie kassieren Provisionszahlungen von Amazon & Co.

Wer das System dahinter verstehen will, muss bei großen Online-Warenhäusern anfangen. Die Händler versprechen für Empfehlungen ihrer Produkte Geld. Kauft zum Beispiel ein Kunde über eine Testseite bei Amazon ein, kann der Betreiber der Testseite bis zu zwölf Prozent des Kaufpreises erhalten. Der deutsche Anbieter Otto bietet bis zu zehn Prozent. Wer dieses Geld einstreichen möchte, muss sich als Partner registrieren lassen und kann Produkte der Online-Händler mit einem personalisierten Link vertreiben. Kommt ein Internetnutzer über den Link zum Kauf, klingelt die Kasse – sowohl beim Händler als auch beim Partner.

SEO-Optimierung für bessere Suchmaschinen-Ergebnisse

Viele Internetseiten-Betreiber machen sich dieses System zunutze. Ohne viel Aufwand erstellen sie Auftritte zu bestimmten Produktkategorien (sog. Nischenseiten) und geben vor, „unabhängige“ oder „freie“ Vergleiche durchzuführen. Damit treffen sie einen Nerv: 72 Prozent der deutschen Online-Shopper ziehen laut dem Statistik-Portal Statista vor dem Kauf Produktvergleiche zurate. Hinter jedem getesteten Produkt lässt sich ein Link zu Amazon & Co. finden. Durch geschickte Suchmaschinenoptimierungen ("SEO") schaffen es die Betreiber zudem, bei Google in den Ergebnissen ganz oben aufzutauchen – noch vor renommierten Verbraucherorganisationen wie der Stiftung Warentest.

Die meisten dieser Tests laufen dagegen alles andere als kritisch ab. So fand die Verbraucherzentrale bei einem Check von Vergleichsseiten, die mehrere Produktbereiche (etwa „Haushalt“, „Kosmetik“) ins Visier nehmen, fast ausschließlich „gute“ und „sehr gute“ Noten. Nur hin und wieder gab es ein „befriedigend“. Vergleicht man die Test-Ergebnisse mit denen der Stiftung Warentest, lassen sich krasse Unterschiede feststellen: Eine Heißluftfritteuse („mangelhaft“) mit Sicherheitsrisiko wurde auf einer anderen Test-Internetseite mit der Schulnote 1,61 bewertet. Bei insgesamt 20 Artikeln entdeckte die Verbraucherzentrale offensichtlich stark geschönte Noten gegenüber der Stiftung.

Amazon schweigt sich zu den Praktiken aus

Insbesondere Branchenprimus Amazon scheint bei der Auswahl seiner Partner wenig Wert auf Qualität zu legen: Im Netz wimmelt es auf Testseiten vor Links zum weltweit größten Onlinehändler. Eine schriftliche Anfrage dazu hat der Konzern bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Als Partner von Otto, dem größten deutschen Online-Shop, muss man dagegen zunächst einen Bewerbungsprozess durchlaufen. Der Händler ist – wohl auch aus diesem Grund – deutlich seltener auf Testseiten zu finden. Sprecher Frank Surholt erklärt: „Wir achten stark auf das Renommee unserer Partner. Nicht jeder erhält die Möglichkeit, Links auf unseren Shop zu setzen. Von schwarzen Schafen trennen wir uns sofort.“

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