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Dachstuhlbrand an der Meisenstraße in Marl.

Prozess am Amtsgericht

Dachstuhl ging in Flammen auf - junge Mutter vor Gericht

MARL - Der Dachstuhl ging in Flammen auf: Jetzt verhandelt das Amtsgericht gegen eine junge Mutter wegen fahrlässiger Brandstiftung. Die Feuerwehr widerspricht den Sachverständigen.

Diesen Sonntag, es war der 3. Februar 2019, wird Anne M. in ihrem Leben nicht mehr vergessen. Eine halbe Stunde später, nachdem sie im Dachgeschoss mit ihrem kleinen Sohn gespielt hatte und zum Essen nach unten gegangen war, riecht die junge Mutter in ihrem Reihenhaus an der Meisenstraße beißenden Rauch. Anne M. läuft nach oben, doch da ist schon alles zu spät. Im Dachgeschoss schlagen die Flammen bereits um sich. Anne M. bringt sich und ihren Sohn nach draußen in Sicherheit und ruft die Feuerwehr, die mit drei Löschzügen zum Brandort eilt. Jetzt hatte der Dachstuhlbrand, bei dem ein Schaden von rund 100.000 Euro entstand, ein Nachspiel vor Gericht.

Der Vorwurf der Anklage gegen die 29-jährige Marlerin lautet auf fahrlässige Brandstiftung. Gegen den Strafbefehl in Höhe von 900 Euro (90 Tagessätze zu je 10 Euro) wehrt sich Anne M. gemeinsam mit ihrem Verteidiger Klaus Bien vor dem Strafrichter des Marler Amtsgerichts.

Die Anklage geht davon aus, dass die 29-Jährige nach dem Befüllen des Ofens die Kamintür offen gelassen hat. Durch Funkenflug soll sich dann das rund eineinhalb Meter vom Kamin entfernt in einer Stellage gelagerte Brennholz entzündet haben. Die Angeklagte bestreitet dies. Sie habe an jenem Tag den Kamin wie immer erst gereinigt, dann aufgefüllt und schließlich angezündet. Die Kamintür habe sie geschlossen.

Gutachter soll ermitteln

Nachdem sie den Rauch bemerkt habe, sei sie nach oben gelaufen. Alles sei schon stark verraucht gewesen. Der Kaminofen habe ganz normal gebrannt. Stark gebrannt habe es in der Ecke des Dachgeschosses, in der sich auch eine Steckdose befand.

Die Brandsachverständigen der Kriminalpolizei kamen nach einer Begehung der Brandstelle und einer kurzen Vernehmung der Angeklagten vor Ort zu einem anderen Ergebnis. Sie gehen davon aus, dass der Brand durch die fahrlässig offengelassene Kamintür entstanden ist.

Dem widersprachen im Prozess gleich drei Feuerwehrleute, darunter auch die beiden Feuerwehrmänner, die zum Löschen in das brennende Dachgeschoss vorgedrungen waren. Beide sagten aus, dass die Kamintür verriegelt gewesen sei. Weil im Ofen noch Feuer gewesen sei, hätten sie die Kamintür geöffnet und dann das Feuer gelöscht.

Tränen in den Augen

Der jungen Staatsanwältin reichten diese Angaben nicht, um den Tatvorwurf zweifelsfrei aufzuklären. Richter Hagemann sah dies ebenso. Jetzt soll ein Gutachter die genaue Brandursache ermitteln. Wie das funktionieren soll, fragt sich Verteidiger Klaus Bien: „Die Brandstelle ist längst vom Schutt geräumt.“

Anne M. hatte beim Verlassen des Amtsgerichts Tränen in den Augen. In der nächsten Woche sollte in ihrem Haus mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. Einen Trost hat die junge Mutter: Ihre Versicherung hat sich zur Schadensregulierung bisher noch nicht negativ geäußert.

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