Prozess-Auftakt zu Sprengstoff-Anschlag

Mutmaßlicher BVB-Attentäter Sergej W. will schweigen

DORTMUND - In Dortmund hat der Prozess um den Splitterbomben-Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund begonnen. Der mutmaßliche Attentäter Sergej W. will schweigen. Sein Verteidiger ging dagegen gleich in die Offensive.

Die Anklage war noch gar nicht verlesen, da forderte Rechtsanwalt Carl W. Heydenreich auch schon die Ablösung von Oberstaatsanwalt und Chefermittler Carsten Dombert. Er sei voreingenommen und habe eine "beispiellose Verleumdungskampagne" gegen den Angeklagten zu verantworten.

Dombert selbst wies die Kritik sofort zurück. Er habe neutral ermittelt, aber dabei nur belastende Umstände gefunden. Und zwar so viele, dass die Indizienkette praktisch geschlossen sei.

Der erwartete Zuschauerandrang blieb aus

Die erste große Überraschung hatte es aber schon vor Prozessbeginn gegeben. Der erwartete Zuschauerandrang blieb aus. Gerade mal drei BVB-Fans hatten am Ende im Zuschauerraum Platz genommen. Einer von ihnen war Murat Cam aus Dortmund. "Das war ein rabenschwarzer Tag für den Fußball", sagte der 44-Jährige. "Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, was als nächstes passieren könnte."

Sergej W. wird vorgeworfen, am 11. April 2017 vor dem Mannschaftshotel des BVB "L?Arrivée" drei Splitterbomben gezündet zu haben, die in einer Hecke versteckt waren. Sie explodierten, als das Team mit einem Bus auf dem Weg in den Signal Iduna Park war - zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco.

Anklage: Sergej W. handelte, um sich zu bereichern

Das angebliche Motiv? Habgier. "Sergej W. handelte, um sich zu bereichern", heißt es in der Anklage. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 28-Jährige auf einen massiven Kurssturz der BVB-Aktie spekuliert hat, von dem er selbst profitiert hätte. Sein angeblicher "Wett-Einsatz" an der Börse: über 26.000 Euro. Sein möglicher Gewinn bei einem Sturz der Aktie von 5,61 Euro auf einen Euro: über eine halbe Million Euro.

In der Anklage heißt es dazu wörtlich: "Wären mehrere oder sogar alle Spieler des BVB schwer verletzt oder gar getötet worden, und wäre der Verein deshalb auf nicht absehbare Zeit nicht mehr in nationalen oder internationalen Spielrunden vertreten gewesen, hätte dies die Bewertung des BVB auf dem Aktienmarkt erheblich negativ beeinflusst."

BVB-Anwalt fordert 15.000 Schmerzensgeld für Marc Bartra

Durch die Wucht der Detonation hatte BVB-Abwehrspieler Marc Bartra damals einen Armbruch erlitten. Der Spanier hätte auch tot sein können: Einer der Metallstifte, die in den Sprengsätzen verbaut waren, hatte sich in seine Kopfstütze gebohrt. BVB-Anwalt Alfons Becker hat für Bartra gleich am ersten Verhandlungstag mindestens 15.000 Euro Schmerzensgeld gefordert.

Spieler des BVB waren nicht im Gericht erschienen. Dafür kam ein Motorradpolizist, der bei dem Anschlag ein Knalltrauma erlitten hatte. Er war damals vorneweg gefahren, als die Sprengkörper detonierten. Er ist immer noch schwer traumatisiert und krank geschrieben. Sein Anwalt Boris Strube bezweifelt sogar, dass er jemals wieder arbeiten wird.

Verteidigung geht nicht von ernstgemeintem Anschlag aus

Ob Sergej W. weiter schweigen wird, ließ Verteidiger Heydenreich offen. Von einem ernstgemeinten Anschlag auf den BVB geht er aber wohl nicht aus. Schließlich hätten nur zwei von über 150 Metallstiften den vorbeifahrenden Bus getroffen. "Es liegt daher doch nahe, dass der Bus gar nicht getroffen werden sollte", so Heydenreich.

Was er damit ausdrücklich nicht sagen wollte: Dass sein Mandant der Täter gewesen ist. Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.

Diese Indizien sprechen für Sergej W. als Täter:

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