Prozess gegen BVB-Bomber

Security-Mann sagt aus: Es war "großes Glück", dass keine BVB-Fans verletzt wurden

Lag bei dem Bombenanschlag vor dem BVB-Hotel sogar auch ein tödliches Szenario für wartende Fans in der Luft? Ein Security-Mann ist sich da ziemlich sicher: "Das war großes Glück."

Wie zuletzt immer vor BVB-Heimspielen, war der Sicherheitsmann auch am 11. April 2017 vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco vor dem l'Arrivée Hotel eingesetzt. "Im Grunde war es ein Tag wie jeder andere", erinnerte sich der 35-Jährige am Dienstag vor dem Dortmunder Schwurgericht an den Beginn des Einsatzes.

Kurz nachdem sich der schwarze BVB-Bus dann aber zur Abfahrt vom Hotelgelände in Bewegung gesetzt habe, habe es plötzlich "ganz laut geknallt". Die Rauchwolke und die Sicht auf "drei Löcher im Gebüsch" hätten ihm dann ganz schnell klar gemacht: "Das war kein Unfall. Da waren keine China-Böller. Da muss mehr passiert sein."

Ausnahme entpuppt sich als Schutzengel

Dass letztlich neben Marc Bartra nicht auch wartende BVB-Fans unter den von Bombensplittern verletzten Opfern sind, stufte der Zeuge als "großes Glück" ein. Bereits seit zwei Jahren habe es sich aus Sicherheitsgründen eigentlich fest etabliert gehabt, BVB-Fans, die keine Hotelgäste sind, nicht mehr auf dem Gelände, sondern nur noch vorne an der Hotelausfahrt warten zu lassen.

Ausgerechnet am 11. April 2017 habe er von dieser Regel aber eine Ausnahme gemacht und einen Mann mit seinen zwei Kindern nach vorne bis zum Hotel durchgewunken. "Die hatten großes Glück, das muss ich wirklich sagen", so der Security-Mann. "Die hätten sonst genau da vorne gestanden." Und überhaupt: Im Grunde hätten beinahe bei jedem Spiel exakt an der Detonationsstelle BVB-Fans gewartet. Teilweise auch sitzend in ihren Autos. "Eigentlich waren da immer Fans."

"Höhere Mächte am Werk"

Warum er ausgerechnet an diesem Tag eine Ausnahme gemacht hat, begründete der 35-Jährige mit der sehr geringen (wartenden) Fananzahl. Um dann aber gleich nachzuschieben: "Vielleicht waren auch höhere Mächte am Werk."

Und sollte der Angeklagte wirklich bereits vor dem 11. April 2017 seinen Bombenanschlag bei einem anderen BVB-Heimspiel vorbereitet haben, so müsste er - so der Zeuge weiter - "doch sicher gesehen haben, dass das vorne immer Leute standen".

Sergej W. hat im Prozess den Bombenbau- und eine Fernzündung zugegeben. Er behauptet jedoch nach wie vor, er habe die Sprengsätze bewusst so gebaut und ausgerichtet, dass es zu keinen nennenswerten Schäden kommen konnte.

Weiteres Gutachten erforderlich?

Oberstaatsanwalt Carsten Dombert wirft Sergej W. unter anderem 28-fachen Mordversuch vor. Ziel des Bombenanschlags, bei dem Ex-BVB-Profi Marc Bartra und ein Motorradpolizist verletzt worden waren, soll ein Absturz der Aktie der börsennotierten Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA gewesen sein. Laut Anklage hatte W. mit einem Einsatz von 26.000 Euro auf einen rapiden Kursverfall spekuliert.

Mit Blick auf die exakte Feststellung der Explosivkraft der Bomben wollen die Richter womöglich nun doch noch ein weiteres Gutachten einholen. Der Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt. Richter Peter Windgätter: "Dann werden wir auch sehen, ob wir unsere Zeitplanung einhalten können - ja oder nein." Bislang sind für den Prozess noch vier weitere Verhandlungstage bis zum 5. November anberaumt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Närrisches Geheimnis ist endlich gelüftet - das ist das neue Prinzenpaar der Stadt Oer-Erkenschwick
Närrisches Geheimnis ist endlich gelüftet - das ist das neue Prinzenpaar der Stadt Oer-Erkenschwick
4. Globaler Klimastreik auch in Datteln - Fridays for Future Ortsgruppe ruft zur Demo auf
4. Globaler Klimastreik auch in Datteln - Fridays for Future Ortsgruppe ruft zur Demo auf
Sickingmühler SV und Trainer Christian Rudnik trennen sich im Sommer
Sickingmühler SV und Trainer Christian Rudnik trennen sich im Sommer
Volkstrauertag - hier wird in Oer-Erkenschwick der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht
Volkstrauertag - hier wird in Oer-Erkenschwick der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht
Bildergalerie und Video: So liefen die Martinsumzüge in Herten
Bildergalerie und Video: So liefen die Martinsumzüge in Herten

Kommentare