Prozess

Geldtransporter-Überfälle: Dortmunder Raubzug ging offenbar völlig schief

Dortmund - Im Prozess um eine Serie von 15 Geldtransporter-Überfällen packt ein Angeklagter aus. Er will von mehreren weiteren Taten der Mitangeklagten erfahren haben. Diese sind wenig amüsiert.

Eine Spielhalle in Düsseldorf, ein Supermarkt in Neuss und andere Tatorte im Rheinland: Bei seiner mehrstündigen Vernehmung hat der Angeklagte möglicherweise mehrere bisher ungelöste Kriminalfälle geklärt.

Bei keiner dieser Taten will der Mann jedoch unmittelbar selbst beteiligt gewesen sein. Seine Schilderungen bei der Polizei beschränken sich vielmehr auf Schlussfolgerungen und die Weitergabe von Informationen vom Hörensagen.

Ihm gegenüber hätten die beiden angeblichen Chefs der Bande mal was von der Spielhalle in Düsseldorf erzählt, sagte der Angeklagte den Ermittlern. Sie hätten dort "Arbeit gemacht" und "viel Geld verdient". Tatsächlich ist diese Spielhalle im fraglichen Zeitraum ein einziges Mal überfallen worden. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.

Falsche Autos und zu wenig Personal bei Überfall in Bodelschwingh

Auch zu dem Überfall auf einen Geldtransporter in Dortmund-Bodelschwingh im Dezember 2015 weiß der plaudernde Angeklagte offenbar Interessantes zu berichten. Der Coup soll nämlich völlig in die Hose gegangen sein, weil die Bande mit den falschen Autos und deutlich zu wenig Personal vor Ort gewesen sei.

"Nach Dortmund gab es viele Diskussionen", sagte der Angeklagte den Ermittlern. Angeblich hätten die Bandenchefs geplant gehabt, die Besatzung des Geldtransporters mit Waffengewalt dazu zu zwingen, den gepanzerten Laderaum zu öffnen. Der Einsatz von Werkzeugen zum Aufschweißen der Wände sei allenfalls "Plan B" gewesen.

"Nur" einige Hunderttausend Euro statt Millionenbeute

Aus welchem Grund auch immer hätten sich die beteiligten Bandenmitglieder aber nicht an die Absprachen gehalten und sofort damit begonnen, den Wagen aufzuschweißen. Statt der erhofften Millionenbeute erlangten die Täter so "nur" einige Hunderttausend Euro.

Im Anschluss an die Tat im Bodelschwingh sollen die Bandenchefs unmittelbar einen neuen Coup vorbereitet haben. "Dortmund war so eine Art Probeüberfall, bei dem sie rausfinden sollten, was funktioniert und was nicht", so der Angeklagte in seiner polizeilichen Vernehmung. Er selbst sei damit beauftragt worden, für den geplanten weiteren Raubzug zwei große, schwere Fahrzeuge zu besorgen. "Wenn wir da mit einem VW Sharan auftauchen, schiebt uns der Geldtransporter zehn Kilometer lang einfach vor sich her", hätten die Köpfe der Bande gesagt.

Höhnisches Gelächter der Haupttäter

Die Schilderungen ihres einstigen Weggefährten verfolgten die mutmaßlichen Haupttäter vor dem Hagener Landgericht teils mit gespielter Gelassenheit, teils mit höhnischem Gelächter.

Einer von ihnen soll nach seiner Festnahme aus seiner Gefängniszelle heraus dafür gesorgt haben, dass ein Erddepot mit zwei Millionen Euro Bargeld schnell leergeräumt wurde. "Er hatte im Dortmunder Gefängnis ein Handy in seiner Zelle", behauptet der Mitangeklagte. Das Telefon wurde indes nie gefunden.

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