Prozess ist gestartet

Brandstiftung: 24-Jähriger aus Haltern legt Geständnis ab

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Essen/Haltern - Es müssen dramatische Szenen gewesen sein: Vor sechs Monaten ist in einem Zweifamilienhaus an der Recklinghäuser Straße in Haltern Feuer gelegt worden. Der Täter ist ein junger Mann (24) aus der Nachbarschaft. Die Anklage lautet auf Mordversuch, Brandstiftung und Körperverletzung. Vor Gericht hat er jetzt ein Geständnis abgelegt.

Der Angeklagte hatte im Haus einen vermeintlichen Nebenbuhler vermutet, den Ex-Freund seiner Partnerin. Tatsächlich wohnte dort nur dessen Oma. „Ich wollte ihn nur erschrecken“, sagte der 24-Jährige den Richtern. „Ich hatte nicht vorgehabt, dass da richtig was passiert.“ Er habe auch nicht gewollt, dass überhaupt Feuer ausbricht.

Doch genau das ist passiert. Erst brannte die Fußmatte, dann die Haustür, danach zog dichter Rauch durch den Hausflur. Dass die Bewohner überlebten, ist Rauchmeldern zu verdanken. Der im ersten Obergeschoss lebende Vater der Eigentümerin und dessen Lebensgefährtin hatten keine Chance, das Haus zu verlassen. „Im Hausflur war alles schwarz“, sagte der 87-Jährige den Richtern. Die Feuerwehr rettete die Rentner mit der Drehleiter. 158 Tage mussten sie in einer Ausweichwohnung leben – bis vor rund drei Wochen. Der Schaden am Haus beläuft sich nach Berechnungen der Versicherung auf ca. 100.000 Euro.

Es war viel Alkohol im Spiel

Der Angeklagte war nach einer Familienfeier mit viel Alkohol noch einmal nach draußen gegangen. Er hatte mit seiner Freundin gestritten. Es war circa halb zwei, als er schließlich vor dem Haus in der Recklinghäuser Straße 12 stand. Dass er Brandbeschleuniger dabei hatte, hatte er vor Gericht zunächst nicht zugeben wollen. Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger Siegmund Benecken legte er jedoch auch in diesem Punkt ein Geständnis ab. Nach eigenen Angaben wollte der 24-Jährige eigentlich nur mit seinem Nebenbuhler reden. Deshalb habe er überall geklingelt, erst dann die Fußmatte angezündet und eine Scheibe eingeschlagen. Auf die Klingelschilder habe er nach eigenen Angaben gar nicht geguckt – und sich keine Gedanken darüber gemacht, wer sich überhaupt im Haus aufhalten könnte.

Was passierte, hat die Polizei später mithilfe der Aufzeichnungen einer Überwachungskamera rekonstruieren können. Darauf war ein junger Mann zu sehen – mit auffälliger Jogginghose und Tätowierungen. Eine junge Frau soll den Fahndern den entscheidenden Hinweis gegeben haben. Trotz sofort angelaufener Fahndung hatte der 24-Jährige erst rund drei Wochen später festgenommen werden können. Er wohnte nicht weit entfernt, zusammen mit seiner schwangeren Freundin.

Angeklagter ist mehrfach vorbestraft

Der Angeklagte stand schon mehrfach vor Gericht. Seine Vorstrafen lauten auf Diebstahl, illegaler Waffenbesitz, Drogen und mehr. Er ist bei Pflegeeltern groß geworden, war von dort aber in die Psychiatrie und dann in ein Heim geschickt worden. Weil er wohl auch da nicht zu zurechtkam, schickte ihn das Jugendamt für zwei Jahre nach Russland in eine jugendpädagogische Sondermaßnahme. Nach seiner Rückkehr ließ er sich erst in Düsseldorf und dann in Haltern nieder. Der 24-Jährige ist Vater von zwei Kindern. Seine jüngste Tochter wurde im April geboren – während der Zeit in U-Haft.

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