Prozess um Großfeuer in Dortmund-Marten gestartet

Verdächtiger: "Ich stand in einem Meer aus Flammen"

Dortmund - Erst gab es einen Knall, dann waberte schwarzer Rauch aus einem Mietshaus in Dortmund-Marten. Sechs Monate nach dem Großfeuer steht ein Ex-Anwohner vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für einen mörderischen Brandstifter - der 50-Jährige indes verweist auf ein Unfall-Szenario.

Als der ehemalige Bewohner des Hauses Schulte-Heuthaus-Straße 36 in Dortmund-Marten am Dienstag vor dem Dortmunder Schwurgericht von zwei Wachtmeistern zur Anklagebank geleitet wurde, versteckte er sein Gesicht hinter einem gelben Aktendeckel. Erst als alle Kameras ausgeschaltet waren, legte er seine Scheu ab. Und präsentierte den Richtern wenig später ganz offensiv eine merkwürdige Unfall-Version.

Staatsanwalt Heiko Artkämper ist fest davon überzeugt, dass der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 6. September 2017 an mehreren Stellen seiner Wohnung im ersten Obergeschoss Feuer gelegt hat. Und zwar absichtlich, planvoll und gleichgültig.

Mietshaus nach Löscheinsatz unbewohnbar

Dass insgesamt 14 Mitbewohner des Hauses, die teilweise in ihren Wohnungen noch in ihren Betten lagen und schliefen, durch den Brand Gefahr liefen, an Rauchgas zu ersticken beziehungsweise einen qualvollen Feuertod zu sterben, blendete der 50-Jährige laut Staatsanwalt einfach aus. Die Anklage lautet daher nicht nur auf schwere Brandstiftung, sondern zusätzlich auch auf 14-fachen Mordversuch.

Der 50-Jährige soll sich früh morgens an einer benachbarten Tankstelle 4,45 Liter Benzin gekauft haben, mit einem Kanister nach Hause gelaufen sein und den Kraftstoff in seiner Wohnung verschüttet und angezündet haben. Es entstand ein Großfeuer. Das Mietshaus war nach dem Löscheinsatz unbewohnbar. Gebäudeschaden laut Anklage: 200.000 Euro.

Der Angeklagte will von einer absichtlichen Brandlegung aber nichts wissen. Er will sich früh morgens eine Notration Benzin gekauft haben, um sich für eine bevorstehende Kurierfahrt zu rüsten. Beim Umfüllen des Kraftstoffs habe er dann in seiner Wohnung dummerweise "gekleckert". Als er kurz danach den Lichtschalter betätigt habe, habe ihn quasi der Schlag getroffen.

Richter: "Es muss anders gewesen sein"

Der 50-Jährige: "Ich habe die Lampe angemacht und schon knallte es. Dann stand ich schon in einem Meer aus Flammen." Fest steht: Der Angeklagte war durch das Feuer selbst schwer im Gesicht und an den Händen verletzt worden und befand sich danach zwecks Hautverpflanzungen wochenlang in einer Spezialklinik.

Staatsanwaltschaft und Gericht beäugten die geschilderte Unfallversion des 50-Jährigen kritisch. "Es muss anders gewesen sein", sagte Richter Peter Windgätter. Auf Nachfrage bestätigte der Angeklagte, dass im September 2017 wegen Mietrückständen die Kündigung seines Mietvertrags kurz bevorstand.

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