Prozess

Kindesmisshandlungsprozess: Mutter schickte Herzchen-Brief ins Gefängnis

Im Prozess um die Verletzungen eines kleinen Jungen aus Dorsten hat sich die angeklagte Mutter bislang als Opfer ihres gewaltsamen Ehemanns präsentiert. Doch jetzt sind Fragen aufgetaucht.

Der zweite Verhandlungstag hatte gerade erst begonnen, da holte der Noch-Ehemann der 24-Jährigen einen Brief aus seiner Kladde. Er hatte ihn extra aus dem Gefängnis mitgebracht, aber eigentlich gar nicht zeigen wollen.

"Ich wollte eigentlich alles auf mich nehmen"

Nur weil seine Frau vor Gericht ständig betone, dass sie immer große Angst vor ihm gehabt habe und in einer Tour geschlagen worden sei, habe er sich umentschieden. "Ich wollte eigentlich alles auf mich nehmen, damit sie die Kinder wiederbekommt", sagte der 25-Jährige den Richtern. Doch dazu sei er nun nicht mehr bereit. Und dann erzählte er, dass er gesehen habe, wie seine Frau ihren zweijährigen Sohn von einem Meter Entfernung "in das Bett geschmissen" habe. "Ich weiß, dass sie ihre Kinder niemals schlagen würde", sagte er den Richtern. "Aber sie hat ihn fallen gelassen. Das war nicht schön."

Auch der Inhalt des Briefes ließ die Richter am Montag aufhorchen. "Ich denke oft an Dich", hatte die 24-Jährige ihrem Mann ins Gefängnis geschrieben. Und dass sie schon auf der Suche nach einer Wohnung sei - für eine mögliche gemeinsame Zeit nach der Haft. "Ich weiß, dass ich dich sehen will", heißt es in dem Brief weiter, der vor Gericht in Auszügen verlesen worden ist. Unterschrieben war er mit einem Herzchen neben dem Namen. Und das, obwohl die Scheidung läuft.

Seinen Namen auf den Arm tätowiert

Außerdem ist bekannt geworden, dass sich die 24-Jährige nach der Inhaftierung ihres Mannes dessen Namen auf den Arm tätowiert hat. "Ein Fehler", wie sie vor Gericht erklärte. Eine Misshandlung ihres Sohnes hat sie erneut bestritten. Ein Fallenlassen ins Kinderbett habe es nicht gegeben. "Das stimmt einfach nicht."

Was die zweifache Mutter bis zum aktuellen Prozess nicht wusste: Ihr Mann hatte sie in der gemeinsamen Dorstener Wohnung heimlich mit einer Videokamera überwacht.

Sie selbst kannte den Standort der Kamera zwar, war aber davon ausgegangen, dass sie auf einen Motorroller gerichtet war, der vor dem Haus stand. "Dass sie zu mir gezeigt hat, wusste ich nicht", sagte sie den Richtern. Sein Kommentar dazu fiel eher gelassen aus: "Ist doch nicht so schlimm ..."

Dem Jungen geht es wieder gut

Der zweijährige Sohn der 24-Jährigen war im Oktober 2016 mit schwersten Verletzungen in die Kinderklinik Gelsenkirchen gekommen. Die Ärzte hatten eine Schädelblutung, einen Beinbruch und Hämatome am ganzen Körper festgestellt. Die Anklage lautet auf Kindesmisshandlung. Heute geht es dem Jungen aber offenbar wieder gut. "Alles ist perfekt", sagte die Schwester der Angeklagten im Zeugenstand. "Er geht ganz normal in den Kindergarten."

Der heute Dreijährige lebt seit Bekanntwerden der Vorwürfe bei seiner Oma. Das zweite - gemeinsame - Kind der Angeklagten ist in einer Pflegefamilie. Nachdem das Jugendamt die Kinder aus der Dorstener Wohnung des Ex-Paares geholt hatte, hatte der 25-Jährige im Haus Feuer gelegt. Offenbar um sich an seinen Nachbarn zu rächen, die die schweren Verletzungen des Zweijährigen öffentlich gemacht hatten. Für die Brandstiftung sitzt er zurzeit eine siebenjährige Haftstrafe ab.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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