Prozess um mutmaßlichen Sex-Übergriff

Was geschah wirklich in der Shisha-Bar?

MARL - Ein mutmaßlich perfider Sex-Übergriff in einer Shisha-Bar in Marl beschäftigt seit Dienstag das Essener Landgericht. Angeklagt ist ein 29-jähriger Marler. Er soll sich laut Anklage an einer durch Alkohol benebelten und daher „widerstandsunfähigen“ Nachtschwärmerin vergriffen haben.

Was passierte in der Nacht auf den 9. Juli 2017 auf einer Couch in den Räumen einer Shisha-Bar in der Innenstadt? Vor der Aufklärung dieser schwierigen Frage stehen seit gestern die Richter der 16. Strafkammer. Auch das mutmaßliche Opfer verspricht sich von dem Prozess Antworten auf die Frage, was damals wirklich geschehen ist. „Ich weiß ja gar nicht mehr viel“, gab die junge Frau, die an der Seite von Rechtsanwalt Jörn Reinhardt als Nebenklägerin auftritt, schon zu Protokoll, bevor der Angeklagte zu reden begann.

Der 29-Jährige will an die Nacht noch folgende Erinnerungen haben. An dem Abend sei er mehrfach zwischen der Shisha-Bar und einer Party in einer nahegelegenen Lounge hin- und hergependelt. „Dabei sind sie und ihre Freundin mir dann irgendwann aufgefallen“, sagte der Marler. Im weiteren Verlauf des Abends habe man sich angenähert. Der 29-Jährige, der mal hier ein Glas Wodka getrunken und mal da eine Wasserpfeife geraucht haben will: „Irgendwann saßen wir dann bei denen am Tisch.“

Um Hilfe geschrien

Fest steht wohl: Anschließend verlagerte sich das Geschehen zunächst in eine Privatwohnung oberhalb der Shisha-Bar. Dort anwesend waren offenbar der Angeklagte, ein männlicher Bekannter, das mutmaßliche Opfer und eine Freundin. Nach Angaben des Angeklagten wurde dort erst weiter getrunken, dann habe sich die Vierergruppe in zwei Pärchen aufgeteilt. Später sei es, das gab der 29-Jährige zu, unten in der Shisha-Bar zu sexuellen Handlungen mit einer der jungen Frauen gekommen.

Doch in welchen Zustand befand sich dabei das mutmaßliche Opfer? Hat hier ein Täter bewusst einen reg- und willenlosen Zustand für sich ausgenutzt – so wie es die Anklage beschreibt? „Ich habe sie definitiv nicht getragen, geschleift oder geschleppt“, beteuerte der Angeklagte. Wieder zurück aus der Dachwohnung in die Shisha-Bar sei die junge Frau beispielsweise ganz alleine gegangen. Erst später sei die Frau dann plötzlich „ausgeflippt“, habe laut um Hilfe geschrien und ihn gefragt: „Wer bist Du?“ – Der Prozess wird fortgesetzt.

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