Prozess nach Anschlag auf BVB-Bus

Motorradpolizist ist infolge des Bombenanschlags dienstunfähig

DORTMUND - "Wir sind angefahren - in Schrittgeschwindigkeit. Dann hat es einen wahnsinnigen Knall gegeben." So hat ein Motorradpolizist am Mittwoch vor Gericht den Bombenanschlag auf den BVB-Bus geschildert. Eine Entschuldigung des Angeklagten Sergej W. nahm der 60-jährige Beamte an - etwas anderes dagegen nicht.

Der 60-jährige Polizeibeamte war eingeteilt worden, das Team von Borussia Dortmund am 11. April 2017 vom Mannschaftshotel zum Stadion zu eskortieren. "Ich war mit meinem Motorrad direkt vor dem Bus", sagte der Polizist vor dem Dortmunder Schwurgericht. "Ich habe erst gedacht, es wurde geschossen."

Folgen des Anschlags auf den BVB-Bus waren für Polizist gravierend

Die Folgen der Tat waren auch für ihn gravierend. Der Polizist hatte ein Knalltrauma erlitten, von dem er sich bis heute nicht erholt hat. "Ich habe versucht, wieder zu arbeiten", sagte er den Richtern. "Aber es geht nicht mehr." Sein letzter Einsatz sei im vergangenen November gewesen. Damals habe er den Bus der Mannschaft von Tottenham Hotspurs eskortiert, danach sei er als dienstunfähig eingestuft werden.

Nach dem Anschlag hatte der 60-Jährige sofort versucht, seine Kollegen über Funk zu informieren. Das sie ihm aber nicht gelungen. "Es wurde über Funk viel gesprochen - ich kam nicht dazwischen", sagte er im Prozess. Deshalb habe er von seinem Privathandy die "110" gewählt und sei so mit der Leitstelle verbunden worden. Kurz darauf seien dann die ersten Rettungskräfte eingetroffen.

Der Angeklagte, Sergej W., hat sich am Mittwoch persönlich bei dem Motorradpolizisten entschuldigt. Seine Verteidiger haben dem 60-Jährigen außerdem 2000 Euro Schmerzensgeld angeboten. Die Entschuldigung hat der Polizist angenommen, das Geld nicht.

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