Prozess um Panzerfaust-Bande

"Im falschen Film": Augenzeuge beobachtete Geldtransporter-Überfall

Sie wollten Verwandte besuchen und blickten plötzlich in Panzerfäuste. Im Prozess um eine Serie von Geldtransporter-Überfällen haben am Freitag mehrere Dortmunder Augenzeugen ausgesagt.

Der brutale Überfall auf der Richterstraße in Bodelschwingh ereignete sich bereits im Dezember 2015. Doch das Ehepaar, das vor dem Hagener Schwurgericht als Erstes vernommen wurde, ist bis heute geschockt. "Weihnachten konnten wir in diesem Jahr total vergessen", sagte die Frau. Nur mit Gesprächstherapien sei es ihr gelungen, in ein halbwegs normales Leben zurückzufinden.

Am Freitag (28. September) erzählte sie, was ihr passiert ist: Ohne etwas zu ahnen waren die Zeugen am Tatabend direkt hinter dem Geldtransporter auf der Richterstraße gefahren. "Plötzlich zog ein Transporter ohne Licht direkt vor mich", erinnerte sich der Mann. Er habe gehupt und eine Vollbremsung gemacht. "Und ich bin richtig wütend geworden", so der Zeuge.

Zeuge wollte schon aussteigen

Doch es kam noch schlimmer. Nur Sekunden später bremste der unbeleuchtete Transporter erneut und kam zum Stillstand. "Ich musste wieder voll in die Eisen gehen", so der Dortmunder Zeuge. "Ich wollte dann aussteigen und den Typen zur Rede stellen. Zum Glück hat mich meine Frau zurückgehalten."

Die Frau hatte da schon die tatsächlichen Absichten der Transporter-Insassen durchschaut. Mittlerweile war nämlich auch der vorausfahrende Geldtransporter zum Anhalten gezwungen worden. Und danach ging alles ganz schnell. Drei Männer sprangen aus dem Transporter und richteten ihre Panzerfäuste in die Nacht. Anschließend begann einer, den Laderaum des gepanzerten Wagens mit einer Flex aufzutrennen.

Täter benutzten eine Flex

"Ich dachte, ich bin im falschen Film", sagte der Zeuge. "Ich habe dann nur noch ganz vorsichtig den Rückwärtsgang eingelegt und bin abgehauen."

Bei dem Überfall in Dortmund erbeuteten die Räuber mehrere Hunderttausend Euro. Gehofft hatten sie jedoch im Vorfeld auf wesentlich mehr Geld. Der Chef der angeklagten Bande soll später gesagt haben, der Coup sei völlig in die Hose gegangen, weil einer der Täter ohne Absprache einfach angefangen habe, die Flex zu benutzen.

Der Prozess am Dortmunder Schwurgericht wird alle Beteiligten wohl noch mehrere Wochen beschäftigen. Denn noch ist nicht ganz klar, welcher der sieben angeklagten Männer an welcher der 15 Taten beteiligt war.

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