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Justizzentrum Bochum, Ostring, neuer Sitz von Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht sowie Staatsanwaltschaft Bochum am 05.01.2018 . Foto: Thomas Nowaczyk

Prozessauftakt

Angeklagte hüllen sich in Schweigen

HERTEN - Vor dem Bochumer Landgericht hat am Mittwoch (14.11.) der Prozess um eine Serie von Bränden im und am alten Westerholter Bahnhof begonnen. Angeklagt sind ein aktuelles und ein ehemaliges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Herten. Die Anklage lautet auf schwere Brandstiftung und Mordversuch.

Zum Prozessauftakt hüllten sich die beiden Angeklagten (20/25) aus Westerholt in Schweigen. Der jüngere, ehemals Mitglied der Jugendfeuerwehr, soll der eigentliche Brandstifter gewesen sein. Er sitzt im Gegensatz zu dem zweiten Mann auf der Anklagebank auch nach wie vor in U-Haft.

Der ältere Angeklagte wurde im September aus der U-Haft entlassen. Er war zum fraglichen Zeitpunkt der Brände Mitglied des Löschzugs Westerholt. Der 25-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft seinen Mitangeklagten angestiftet haben, um dann beim Löschen gegenüber anderen Mitgliedern als Held „glänzen“ zu können.

Beim ersten Brand am 9. Oktober 2017 sollen Pappe und Möbel, beim zweiten am 18. Oktober 2017 Grillanzünder als Brandbeschleuniger benutzt worden sein. Beim dritten Brand am 14. November – diesmal im alten Stellwerk in direkter Nähe zum Bahnhof – leere Kartons.

Geständnis erwartet

Weil sich bei den ersten beiden Bränden jeweils Obdachlose im Bahnhofsgebäude befanden und durch das Feuer in Lebensgefahr geraten konnten, lautet die Anklage auf Mordversuch. „Beide Angeklagten rechneten damit, dass sich die beiden Personen in dem Gebäude aufhielten. Dennoch setzte der jüngere Angeklagte mit einem Feuerzeug Gegenstände im Keller in Brand, wobei er das Versterben der schlafenden Übernachtenden zumindest billigend in Kauf nahm“, heißt es in der Anklageschrift.

Dass die Angeklagten im Prozessverlauf ihr Schweigen wohl noch brechen werden, haben ihre Verteidiger bereits durchblicken lassen. Rechtsanwalt Siegmund Benecken kündigte für seinen Mandanten eine Aussage an den nächsten Prozesstagen an. Alles andere als ein weitgehendes Geständnis wäre überraschend. Denn über die beruflichen Folgen für den 25-jährigen Kommissar-Anwärter sagte Benecken bereits: „Seine Karriere ist zerstört. Sein Wunschberuf bei der Polizei ist nicht mehr erreichbar.“

Über das Phänomen, dass Feuerwehrleute auch zu Feuerteufeln werden können, sagte der Marler Strafverteidiger: „Mein Mandant ist bei Weitem nicht der erste Feuerwehrmann, den ich bei so einem Vorwurf vertrete. Manche Feuerwehrmänner haben tatsächlich eine Art Sucht, Helden zu sein.“ Der Prozess wird fortgesetzt. Urteil: frühestens Ende Dezember.

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