Prozessauftakt

Mord an Nicole Schalla vor 25 Jahren: Angeklagter bestreitet Tat vor Gericht

Vor 25 Jahren wurde Nicole Denise Schalla aus Dortmund-Rahm auf dem Heimweg erwürgt. Im Sommer wurde der mutmaßliche Täter gefasst. Zu Prozessbeginn bestreitet der Angeklagte die Tat.

Der Mann auf der Anklagebank ist hager und verschlossen. Das schüttere Haar trägt er zu einem langen Pferdeschwanz gebunden. Im Oktober 1993 soll der Castrop-Rauxeler Ralf H. die damals 16-jährige Nicole Denise Schalla auf dem Heimweg in Dortmund-Rahm verfolgt, überfallen und erwürgt haben. "Er hatte vor, sie zu vergewaltigen", las Staatsanwalt Felix Giesenregen aus der Anklageschrift vor.

Hat sich Ralf H. sexuell befriedigt?

Entweder vor oder nach dem Mord soll sich Ralf H. am Tatort sexuell befriedigt haben. Möglicherweise war es genau das, was schließlich doch noch zu seiner Entdeckung führte. An der Leiche konnte die Polizei nämlich eine Hautschuppe sichern. Und die nachträgliche Untersuchung dieser Spur führte die Ermittler in diesem Sommer zu dem 53-Jährigen.

Verteidiger Ralph Giebeler will von einem DNA-Beweis hingegen nichts wissen. "Es gibt ja noch andere Spuren von männlichen Verursachern, die noch nicht zugeordnet werden können", sagte der Anwalt am Montag vor Beginn des Prozesses. Nachdem der Staatsanwalt die Anklage verlesen hatte, legte Giebeler die Marschroute für die kommende Verhandlung fest. "Mein Mandant bestreitet die Tat", sagte er. Weitere Angaben zur Sache sollen nicht erfolgen.

Also hatten bereits am ersten Verhandlungstag die Zeugen das Wort. Freundinnen, die Nicole Denise Schalla vom Reitstall kannten. Und der Freund aus Herne, bei dem sie die Stunden vor der Tat verbracht hatte. Und auch der Busfahrer, aus dessen Fahrzeug die Schülerin gegen 22.45 Uhr stieg.

"Ich weiß noch, dass mit ihr ein junger Mann ausgestiegen ist", sagte der 57-jährige Zeuge. Er habe gesehen, dass beide in dieselbe Richtung fortgelaufen seien. Mehr habe er aber nicht wahrnehmen können. "In diesem Moment fing es an zu regnen", so der Busfahrer. "Da hatte ich nur noch Tropfen auf dem Spiegel."

Bis heute hat der Mord den Mann nicht losgelassen. Jedes Mal, wenn er am Tatort im Jungferntal vorbeifahre, müsse er einfach aus dem Fenster schauen. Als er im Sommer von der Festnahme erfuhr, habe er vor Freude die Faust geballt, sagte er später am Rande des Prozesses. "Ich habe gedacht: Strike! Jetzt haben sie ihn doch noch geschnappt."

Eltern weinen vor Gericht

Besonders emotional war der Prozessauftakt natürlich für die Eltern der Ermordeten. Joachim Schalla brachte seine Zeugenaussage noch halbwegs gefasst hinter sich, bei Mutter Siegrid flossen dagegen die Tränen. "Sie war mein Ein und Alles", sagte der Vater. "Wir wollen nur, dass das alles jetzt endlich aufgeklärt wird." Und die Mutter erinnerte sich an das letzte Telefongespräch, das sie mit ihrer Tochter am Morgen des Tattages geführt habe.

"Wir waren ja in Holland, Nicole war zum ersten Mal alleine zu Hause", sagte Siegrid Schalla. "Wir wollten am nächsten Tag zurückkommen und sie sagte, sie würde für uns Plätzchen backen."

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