Prozessbeginn am Freitag

Polizistin soll Gespräche heimlich aufgezeichnet haben

Dortmund - Eine Dortmunder Polizistin muss sich am Freitag vor dem Amtsgericht verantworten. Ihr wird vorgeworfen, Dienst- und Privatgespräche heimlich aufgezeichnet und die Mitschnitte teilweise weitergegeben zu haben. Im Fokus stand wohl eine Kollegin der Polizistin.

Es ist verboten, Gespräche heimlich aufzunehmen. Das gilt für Privatpersonen - und noch mehr für Beamte. Für sie als sogenannte Amtsträger sieht der Gesetzgeber deutlich höhere Strafen vor, sollten sie Gespräche heimlich aufzeichnen. Insofern geht es am Freitag für eine Dortmunder Polizeibeamtin vor dem Amtsgericht um nicht weniger als ihre berufliche Zukunft. Ihr wird vorgeworfen, mehrere Gespräche, die sowohl dienstlich als auch privat waren, heimlich mit ihrem Handy aufgezeichnet zu haben. Unklar ist bisher, warum sie das tat.

Vorwurf: 38 Mitschnitte

38 Mal soll die Beamtin, so steht es in der Anklageschrift, heimlich ihr Smartphone aktiviert haben, um Gespräche mitzuschneiden. Das sollen sowohl Privat- als auch Dienstgespräche zwischen Polizisten während der gemeinsamen Dienstzeit gewesen sein. In mindestens einem Fall soll sie aber auch eine sogenannte Gefährderansprache eines Polizeibeamten an eine Privatperson heimlich aufgenommen haben. Im Fokus der Polizistin und ihrer Abhöraktionen stand aber vermutlich eine Kollegin.

Taten zwischen November 2015 und März 2016

Elf Mal soll die Angeklagte Mitschnitte solcher Gespräche weitergereicht haben. Was ihr dann auch zum Verhängnis wurde, denn durch das Verbreiten der Mitschnitte über den Nachrichtendienst Whats-App fielen die Taten schließlich auf. Rätselhaft bleibt, warum die Polizistin die Gespräche zwischen November 2015 und März 2016 aufzeichnete: Ob sie sich davon berufliche Vorteile versprach oder ob es private Gründe gab, all das ist noch vollkommen unklar.

Die Polizei Dortmund ermittelte unterdessen gegen die Beamtin in den eigenen Reihen. Was dabei herauskam, dazu äußert sich die Polizei nicht. Neben dem Prozess vor dem Amtsgericht läuft gegen die Beamtin ein Disziplinarverfahren im eigenen Haus und zu solchen Verfahren gibt die Polizei keine Auskünfte.

Zunächst keine Zeugen geladen

Für das NRW-Innenministerium ist der Vorgang, dass Beamte einer Dienststelle gegen eine Kollegin aus den eigenen Reihen ermitteln, nicht ungewöhnlich. Anders verfahren sollte die Polizei nur bei Schusswaffengebrauch, wenn es um eine schwerwiegende Straftat gehe, wenn es Hinweise darauf gebe, dass ein hochrangiger Beamter auf die Ermittlungsergebnisse Einfluss nehmen könnte oder gegen einen leitenden Beamten ermittelt wird. Letztlich, so der Ministeriumssprecher, sei das immer eine Einzelfallentscheidung.

Zum Prozessauftakt am Freitag um 9 Uhr sind zunächst noch keine Zeugen geladen.

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