+
Januar 2018: Nach dem gewaltsamen Tod eines Schülers war die Trauer an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen groß.

Prozessbeginn gegen 16-Jährigen

Angriff auf dem Schulflur: Heimtückischer Mord?

  • schließen

Lünen/Dortmund - Ende Januar erschütterte eine tödliche Messerattacke in der Lüner Käthe-Kollwitz-Gesamtschule die ganze Region. Am Donnerstag hat nun vor dem Dortmunder Landgericht der Prozess gegen einen 16-jährigen Jugendlichen begonnen.

Zuschauer und Journalisten bekamen den Angeklagten am ersten Verhandlungstag nicht zu Gesicht. Der 16-Jährige, der einen deutschen Pass besitzt, aber angeblich auch über kasachische Wurzeln verfügen soll, wurde durch einen Sondereingang in den Saal geführt, als die große Eingangstür bereits verschlossen war. Die Verhandlung findet komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das ist bei minderjährigen Angeklagten zwingend vorgeschrieben.

Der 16-Jährige gilt als aggressiv und gewalttätig. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft schon einen Tag nach der Bluttat erklärt. Zwischenzeitlich musste er angeblich auch schon mal die Gesamtschule verlassen. Am 23. Januar hielt er sich offenbar zusammen mit seiner Mutter auf dem Schulflur auf, als er auf sein späteres Opfer gestoßen sein soll.

Bei der Polizei soll der Angeklagte später ausgesagt haben, dass er zugestochen habe, weil der andere Junge seine Mutter so provozierend angeschaut habe. Ob er vor Gericht bei dieser Aussage bleibt, wird sich erst später zeigen. Am ersten Verhandlungstag wurde nur die Anklageschrift verlesen. Erst in der kommenden Woche soll dem 16-Jährigen Gelegenheit gegeben werden, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Staatsanwalt Heiko Artkämper ist davon überzeugt, dass das Opfer keine Chance hatte, den Angriff zu überleben. Nach Einschätzung des Anklagevertreters rechnete der 14-Jährige mit keiner Attacke. Er sei arg-und wehrlos gewesen. Die Anklage lautet daher auf heimtückischen Mord.

Die Eltern des getöteten Schülers mussten lange auf den Beginn der Verhandlung warten. Dabei hielten sie sich an den Händen, gaben sich gegenseitig Kraft. Anders als alle übrigen Zuschauer durften sie wenigstens den Prozessauftakt im Gerichtssaal verfolgen. Dabei achten sie anscheinend genau darauf, wie sich der 16-Jährige verhielt.

Ihr Fazit sprachen sie später in die Kamera eines Fernsehsenders. Mit anderen Journalisten wollten sie nicht sprechen. „Er konnte uns nicht einmal in die Augen schauen“, sagte die Mutter des getöteten Schülers. „Dazu war er anscheinend zu feige.“ Leons Vater hatte derweil Mühe, die Fassung zu wahren. Schließlich liefen beiden Eltern die Tränen über das Gesicht.

Sollte der Jugendliche wegen Mordes verurteilt werden, drohen ihm maximal zehn Jahre Jugendhaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Herten: Erst feiern sie, dann gibt es Schläge und Tritte - und jetzt eine Strafanzeige 
Herten: Erst feiern sie, dann gibt es Schläge und Tritte - und jetzt eine Strafanzeige 
Transformer trifft auf Audi in Handtaschen-Optik - das war die "Wrapping World" in Herten
Transformer trifft auf Audi in Handtaschen-Optik - das war die "Wrapping World" in Herten
Die zwei vermissten Jungen (8/12) aus Disteln wurden gefunden 
Die zwei vermissten Jungen (8/12) aus Disteln wurden gefunden 
Autofahrerin kommt von der Straße ab und prallt gegen einen Baum
Autofahrerin kommt von der Straße ab und prallt gegen einen Baum
Kein Parkplatz an der Kinderklinik: So soll die katastrophale Situation ein Ende nehmen
Kein Parkplatz an der Kinderklinik: So soll die katastrophale Situation ein Ende nehmen

Kommentare