Psychiater im Prozess

Ehemaliger Tennislehrer hat sexuelles Interesse an Kindern

Dorsten - Im Prozess gegen einen Tennislehrer aus Dorsten hat ein Psychiater am Freitag von pädophilen Neigungen und einer hohen Rückfallgefahr gesprochen. Der Angeklagte selbst streitet das ab.

Der Psychiater hatte kaum auf dem Zeugenstuhl Platz genommen, da hielt sich der Angeklagte auch schon die Ohren zu. Er wollte offenbar nicht hören, was der Gutachter den Richtern über sein Doppelleben, seine sexuellen Neigungen und Fantasien zu sagen hatte. Und tatsächlich: Was dann folgte, war alles andere als eine gute Prognose für die Zukunft.

Klarer Verdacht auf Pädophilie

Der 39-jährige Tennislehrer hatte im Prozess immer behauptet, dass es ihm nur um Macht und Dominanz gegangen sei und er kein sexuelles Interesse an Kindern habe. Doch genau das nimmt ihm Dr. Frank Sandlos nicht ab. "Das halte ich für sehr unwahrscheinlich", sagte der Psychiater den Richtern am Essener Landgericht. "Es gibt einen dringenden Verdacht auf eine pädophile Störung."

Wie berichtet hatte der Tennislehrer Frauen, die er über Dating-Plattformen im Internet kennengelernt hatte, dazu gebracht, ihre eigenen Kinder sexuell zu missbrauchen und ihm anschließend kinderpornografische Fotos zu schicken. In einem Fall - der allerdings noch nicht angeklagt ist - kam es auch zu einem direkten Missbrauch, während er dabei war.

Nicht nur Fantasien

"Das ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es sich nicht nur um Fantasien handelt", so der Gutachter. Deshalb gelte für den Angeklagten auch eine hohe Rückfallwahrscheinlichkeit.

Der 39-Jährige leide eindeutig unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. "Er ist sehr auf seine eigenen Bedürfnisse fixiert und hat wenig Empathie für andere Menschen." Dabei sei er ausgesprochen manipulativ.

"Er möchte oben auf dem Treppchen stehen, mit der Goldmedaille und die anderen jubeln", so Sandlos.

Er brauche den "Kick", habe dabei aber auch ein ausgeprägtes Verlangen nach gefährlichen und verbotenen Situationen. Seine "Hypersexualität" sei eine Art Ablenkung von "eigenen Baustellen", von Enttäuschungen, die er vor allem in seiner Jugend erfahren habe, als er von Vater und Mutter verlassen worden war.

Angeklagter voll schuldfähig

Vermindert schuldfähig sei der Tennislehrer aber nicht. Er habe seine Handlungen immer steuern können. "Bei ihm ist es keine Frage des nicht anders können, sondern des nicht anders wollen", so Sandlos.

Für den 39-Jährigen heißt dass nun, dass er mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden kann. Ob die Richter ihn als Hangtäter einstufen und wegen der attestierten hohen Rückfall-Wahrscheinlichkeit auch die anschließende, unbefristete Sicherungsverwahrung anordnen werden, ist unklar. Der Prozess wird am 22. Februar fortgesetzt. Dann sollen die Plädoyers gehalten werden.

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