Public Viewing in Dortmund fällt 2018 aus

Der Friedensplatz bleibt zur Fußball-WM leer

DORTMUND - In 62 Tagen beginnt die Fußball-WM, einen Monat lang wird sie die Schlagzeilen dominieren. Der Friedensplatz wird in diesem Jahr leer bleiben. Das Public Viewing fällt aus. Sponsoren fehlen. Und vielleicht auch die Begeisterung.

Am 14. Juni beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Ob und welche Dortmunder Spieler im Kader stehen werden, wird man dann sehen. Sicher ist eigentlich nur, dass ein gesunder Marco Reus wohl in Russland dabei wäre. Mindestens genauso sicher ist es inzwischen, dass es in der einen Monat laufenden WM kein Public Viewing auf dem Friedensplatz geben wird. "Nein", sagt Hans Peter Arens vom Schaustellerverband Rote Erde, "es wird kein Public Viewing geben." Und sein Sohn Patrick, ebenfalls Schausteller, ergänzt: "Aus rationalen Gründen geht es nicht mehr."

Vater und Sohn glauben nicht das Gleiche

Beide sehen keinen Sponsor am Horizont, der die Party vor dem Rathaus möglich machen könnte. Und ohne den, da sind sie sich einig, geht es nicht. Doch während Arens Senior nach wie vor an das Konzept, mit einer großen Menge gemeinsam vor einer riesigen Leinwand Fußball zu schauen, glaubt, hat Arens Junior da seine Zweifel: "Vielleicht zieht es ja gar nicht mehr so wie in der Vergangenheit?"

Mit dem "Nein" zum Public Viewing endet eine kleine Ära. In den vergangenen fünf Jahren gab es in jedem Jahr mindestens ein Fußballspiel, das auf dem Friedensplatz übertragen wurde, viele von ihnen liefen, weil der BVB sich in Endspiele spielte.

1992 gab es eine erste Veranstaltung, sie hieß vermutlich "gemeinsames Fußballgucken"

So kam es auch zum allerersten Public Viewing, das damals vermutlich gemeinsames Fußballgucken hieß. 1992, Meisterschaftsfinale, ein Dreikampf zwischen Stuttgart, Frankfurt und Dortmund am letzten Spieltag. Wer das in Dortmund schauen wollte, der musste zum Friedensplatz. Und sie kamen, wie viele, ist bis heute unklar, es hat aber offenbar auch niemanden groß interessiert. Der Platz gerappelt voll, Polizei und Ordnungsamt nur rudimentär vertreten, an einem Kran hing eine Leinwand und auch wenn dann Stuttgart Meister wurde, hatte Dortmund sein erstes Public Viewing erlebt.

Dann wurde es plötzlich ein Trend in Asien

1995 und 1996, in den Meisterjahren, gab es weitere Veranstaltungen, Bier wurde damals schwarz von LKW herunter verkauft. 1998 dann das erste Nationalmannschaftsgucken. 2002 fand dann nichts statt, aber es war trotzdem ein wichtiges Jahr für das Gemeinschaftsgucken. In Südkorea sammelten sich Hunderttausende auf Plätzen und von dort schwappte diese Form von Fußballschauen nach Europa zurück.

"Da hatten wir ein bisschen Lunte gerochen", sagt der alte Arens und der Rest ist die Geschichte des Sommermärchens, das 2006 auf den Straßen von Dortmund eins war: Schweden gegen Trinidad-Tobago ein einziges Fest, bei Brasilien gegen Japan trug die halbe Stadt ein Brasilientrikot. Dazu fantastisches Wetter - Arens sagt heute: "2006, das waren die besten Veranstaltungen meines Lebens". Auch finanziell waren sie gut, keine Frage. Aber eben auch drumherum.

Budweiser wollte hier keiner trinken

Dass damals die Auflagen der FIFA immer stärker wurden, ließ sich zu dem Zeitpunkt noch verschmerzen. Das Bier war vorgeschrieben, Bitburger und Budweiser und das Budweiser blieb halt stehen. Das U sollte von der Westfalenhalle, blieb dann aber doch drauf, es gab einen Hauptsponsor, eine asiatische Automarke und so hätte es dann auch alles weitergehen können.

Denn auch die folgende WM in Südafrika rentierte sich noch für die Schausteller - aber dann geschah in Duisburg die Love-Parade-Katastrophe: Exakt 14 Tage nach dem WM-Finale starben 21 Menschen, über 500 wurden verletzt. Die Katastrophe erschüttert bis heute Menschen, veränderte aber auch den Umgang mit Großveranstaltungen in Deutschland. "Danach", sagt Arens Senior heute, "wurde aus dem Friedensplatz ein Gefängnis gemacht". Zäune, die Zäune absichern, Sicherheitspersonal, es brauchte eine Baugenehmigung und ein Gutachten.

Und heute kostet ein Spiel, so rechnen es die Schausteller vor, 14.000 Euro nur für Sicherheitspersonal. Nicht darstellbar, zumal bei der letzten WM 2016 zu allen Deutschland-Spielen zusammen 17.000 Fans auf den Friedensplatz kamen. So viele dürften es 1992 bei einem einzigen Spiel gewesen sein. Vielleicht hat die Idee sich nach 26 Jahren auch einfach überholt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Notausgabe wegen technischer Störung: Hier finden Sie die komplette Tageszeitung als ePaper
Notausgabe wegen technischer Störung: Hier finden Sie die komplette Tageszeitung als ePaper
Heftiger Wetterumschwung zieht heran: Sturm, Schnee und spiegelglatte Straßen? DWD warnt bereits
Heftiger Wetterumschwung zieht heran: Sturm, Schnee und spiegelglatte Straßen? DWD warnt bereits
Zugverbindung Berlin - Recklinghausen kommt ab Montag - es gibt nur einen Haken
Zugverbindung Berlin - Recklinghausen kommt ab Montag - es gibt nur einen Haken
Nein zu Datteln - Ja zu Olfen: Dieses Autohaus gibt seinen Standort auf
Nein zu Datteln - Ja zu Olfen: Dieses Autohaus gibt seinen Standort auf
Gute Nachrichten aus Düsseldorf: Käthe-Kollwitz-Gesamtschule wird "Talentschule"
Gute Nachrichten aus Düsseldorf: Käthe-Kollwitz-Gesamtschule wird "Talentschule"

Kommentare