Public Viewing zur Fußball-WM

Das sind die Rudelguck-Alternativen zum Friedensplatz

Dortmund - Die Fußballstadt Dortmund hat in diesem Jahr kein großes Public Viewing zur Weltmeisterschaft. Das Spektakel auf dem Friedensplatz fällt aus. Wer trotzdem mit anderen Fußball-Fans die WM-Spiele sehen will, für den gibt es kleinere Alternativen. Und sollte Deutschland ins Finale kommen, dann könnte es doch noch etwas werden mit dem ganz großen Rudelgucken.

Normalerweise wäre Schausteller Patrick Arens um diese Zeit jetzt schon intensiv damit beschäftigt, auf dem Friedensplatz alles zu organisieren für das große gemeinsame Fußballgucken. Er hat Übung darin. Er hat seit vielen Jahren im Frühling beziehungsweise Sommer nichts anderes gemacht.

Seit der WM 2006 hat es in Dortmund ständig Public Viewings gegeben, zur EM, zur WM, zum Champions-League-Finale, fast ein Dutzend Mal zum DFB-Pokalfinale. Aber dieses Jahr nicht. So schwer es den Schaustellern um Patrick Arens auch fällt.

Absage hat viele Gründe

Das hat viele Gründe, die alle ineinander spielen und die am Ende dafür gesorgt haben, dass der Friedensplatz dieses Jahr leer bleibt, wenn Deutschland gegen Mexiko, Schweden und Südkorea spielt. Mit der Zeit sind die Sicherheitsauflagen für die Schausteller als Veranstalter enorm gestiegen. Diese Sicherheitsmaßnahmen kosten viel Geld. Eintritt wollte man nicht nehmen (abgesehen von der EM vor zwei Jahren), also brauchte es Sponsoren.

Und trotzdem waren die Zuschauerzahlen bei den EM- und WM-Übertragungen seit 2006 rückläufig. Weil das Wetter nicht immer mitgespielt hat. Und weil, davon ist zumindest Patrick Arens überzeugt, das Modell Public Viewing möglicherweise auch ausgelaufen ist. "Das Interesse der Leute", sagt Arens jedenfalls, "passt nicht mehr zu den Anforderungen."

Gesunkenes Interesse, große Ansprüche

Die Fans wollten nicht mehr mit Tausenden vor einer Großbildleinwand stehen, sondern organisieren sich mit ihren heute ohnehin sehr großen Fernsehern ihre eigenen, privaten Rudelguck-Events. Zudem hätten die Dortmunder, die nach wie vor Fans des Rudelguckens sind, große Ansprüche, sagt Arens. "Die Leinwand muss groß sein, die Getränke dürfen nicht zu teuer sein, es darf keinen Eintritt kosten", sagt er. Aber die Getränke seien das, wodurch sich so eine Veranstaltung am Ende rechnen muss.

Auf der Facebook-Seite unserer Zeitung äußerten viele Fußball-Fans bedauern über die Public-Viewing-Absage. Die Nutzer äußerten aber auch, dass sie weder Eintritt noch hohe Getränkepreise zahlen wollen, die Sicherheitsmaßnahmen finden einige übertrieben.

Dortmund ist nicht allein

Die Entwicklung der Besucherzahlen ist extrem: In den 00er-Jahren waren es teilweise über 100.000 Menschen, die während eines Turniers auf dem 10.000 Menschen fassenden Friedensplatz Fußball schauten. 2016 bei der WM waren es bei allen Spielen zusammen gerade einmal 17.000. "Solche Zahlen befeuern nicht gerade die Sponsoren", sagt Arens.

Die Dortmunder Schausteller haben trotzdem lange versucht, das Public Viewing auf dem Friedensplatz zu ermöglichen. "Man gibt so eine Veranstaltung ja nicht gerne auf", sagt Patrick Arens. Aber dieses Jahr blieben die nötigen Sponsoren aus. Und deshalb wurde das Rudelgucken Mitte April offiziell und schweren Herzens abgesagt. Auch einen zentral gelegenen, aber etwas kleineren Platz gebe es nicht, auf den man ausweichen könne, sagt Arens. Dortmund ist aber nicht allein, in Essen und vielen weiteren großen Ruhrgebietsstädten fällt das Massen-Public-Viewing ebenfalls flach.

Erfolg könnte alles ändern

Auch die Westfalenhallen und das FZW als nächstgrößere - aber beide überdachte - Alternativen, haben sich gegen ein Public Viewing entschieden. Zumindest zunächst.

Sollte die deutsche Mannschaft in Russland erfolgreich sein, eine ungeahnte Euphorie auslösen und bis ins Halbfinale oder gar Finale kommen, könnte sich alles noch einmal ändern.

Die Westfalenhallen wollen ab einem Halbfinale mit deutscher Beteiligung über eine Übertragung nachdenken, sagt Pressesprecher Andreas Weber. Im FZW gibt?s zunächst aufgrund von Terminschwierigkeiten keine WM-Übertragungen. Aber auch sie, sagt Sprecher Matthias Schmidt, hätten ein abnehmendes Interesse an Public Viewing bemerkt. Ein Finale mit deutscher Beteiligung werde man aber auf jeden Fall in der großen Halle (Platz für 1300 Leute) zeigen, vielleicht auch schon vorige Endrundenspiele.

"Wir würden es uns nochmal überlegen"

Und auch Patrick Arens macht allen Friedensplatz-Rudelguck-Fans noch ein wenig Hoffnung, sollte Deutschland ins WM-Finale kommen: "Wir würden es uns dann nochmal überlegen", sagt er. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen könne man ein Public Viewing auch kurzfristig umsetzen. Das habe bei den Pokalfinals des BVB auch immer geklappt.

Auch wenn das ganz große Open-Air-WM-Event in Dortmund fehlt. Es gibt Alternativen. Auch einige größere. Denn was vielleicht für das Massen-Event Rudelgucken gilt, gelte nicht unbedingt für das Interesse am gemeinsamen Fußballgucken an sich, findet Jörg Kemper, Betriebsleiter des Wenkers am Alten Markt. Die Leute, sagt er, hätten durchaus das Bedürfnis, die Weltmeisterschaft gemeinsam zu verfolgen und nicht alleine zu Hause zu sitzen. Nur vielleicht eben nicht im ganz großen Stil.

"Fußball bringt die Leute zusammen"

Letztlich sei das Ganze doch auch sehr vom Erfolg der deutschen Mannschaft abhängig, sagt Kemper. "Es steht und fällt alles mit dem Wetter und der Euphorie", sagt Klaus Erdmann vom Café Erdmann im Westpark, der immerhin Platz für 700 Leute in seinem Biergarten hat. Christopher Reinecke von der Kneipe Mit Schmackes nimmt durchaus großes Interesse an der WM und dem gemeinsamen gucken wahr. Er ist sich sicher: "Fußball bringt die Leute zusammen."

Wer die WM im Rudel schauen mag, hat hier eine Übersicht über die Möglichkeiten.

Alle Deutschland-Spiele gibt es hier zu sehen:

Fußballmuseum (Platz der Deutschen Einheit 1): Fußballgeschichte ist - abgesehen vom Signal Iduna Park vielleicht - in Dortmund nirgends so nah wie im Fußballmuseum. Beim Private Viewing in der Arena des Museums können bis zu 400 Fußball-Fans zusammen die deutschen Spiele sehen. Es gibt Sitzplätze und Liegestühle. Der WM-Siegerpokal von 2014 ist dort, in einer Glasvitrine, ebenfalls ausgestellt - um die Besucher stets an das wichtigste Ziel dieser WM zu erinnern.

Zudem ist das Fußballmuseum zurzeit das perfekte WM-Fotomotiv: Denn an der Fassade des Museums sind die Fotos aller 23 deutschen WM-Fahrer mit Fotos aufgeklebt - mindestens noch bis zum Ende der WM, sollte Deutschland Weltmeister werden, dann sogar bis zum Ende der Sommerferien.

Gezeigt werden alle deutschen Spiele und das Achtelfinalspiel, das am 30. Juni läuft. Da zeigt das Fußballmuseum dieses Spiel als Teil des Extraschicht-Programms.

Junkyard (Schlägelstraße 57): Der ehemalige Schrottplatz in der Nordstadt ist die vielleicht ungewöhnlichste Public-Viewing-Location. Zwischen ausrangierten Bussen können Fans hier open-air die Spiele mit deutscher Beteiligung sehen. Bier, Burger und Currywurst gibt?s auch.

Anlage von Arminia Marten (Wischlinger Weg 241a): Auch in den Stadtteilen gibt?s Angebote zum Rudelgucken. Der Verein Arminia Marten und das Martener Forum organisieren auf der Fußballanlage des Klubs ein Rudelgucken für 200 Zuschauer - mit Steh- und Sitzplätzen. Die Spiele werden auf Großbildschirm übertragen. Drumherum gibt?s Musik, ein Tippspiel, Torwandschießen und einen WM-Talk.

Anlage der Spielgemeinschaft Lütgendortmund (Idastraße 9a): In Lütgendortmund organisieren die Fußballvereine SG und Urania mit der Interessengemeinschaft Lütgendortmunder Vereine und Verbände ebenfalls ein Public Viewing am Fußballplatz - Platz ist für bis zu 400 Zuschauer. Torwandschießen und ein Tippspiel gibt?s auch hier.

Alle WM-Spiele zeigen diese Lokale

Café Erdmann (Rittershausstraße 40): Der Biergarten im Westpark bietet aktuell die größte Open-Air-Möglichkeit zum Rudelgucken. Platz ist für 700 Gäste. Vor allem für Familien ein schöner Ort zum Fußballgucken, nebenan ist nämlich ein Spielplatz.

Herr Walter (Speicherstraße 90): Bis zu 500 Fußball-Fans können am Hafen gemeinsam Fußball gucken. Oliver Buschmann überträgt auf seinem Eventschiff und an seinem Strand alle Spiele, die Deutschland-Spiele auch auf großen Leinwänden.

Wenkers (Betenstraße 1): In der Traditionskneipe am Alten Markt läuft immer Fußball - auch die WM. Gezeigt werden alle WM-Spiele drinnen, die deutschen Spiele wahrscheinlich auch draußen. Jörg Kemper rechnet auch mit einigen Touristen aus Holland und Belgien, die für die gute Stimmung nach Dortmund kommen, um hier Fußball zu schauen.

Strobels (Strobelallee 50): Im Schatten des Signal Iduna Parks schaut es sich besonders schön Fußball. Das Strobels überträgt drinnen und im Biergarten alle Deutschland-Spiele. Die weiteren WM-Spiele laufen auch auf den Bildschirmen, aber ohne Ton.

Mit Schmackes (Hohe Straße 61a): Wer Kneipen-Atmosphäre will, ist im Schmackes, dem Lokal von Ex-BVB-Profi Kevin Großkreutz, richtig. Das Lokal, das vor eineinhalb Jahren eröffnet hat, zeigt zum ersten Mal die WM. Großes Brimborium werde es aber nicht geben, sagt Mit-Betreiber Christopher Reinecke. Ein Tippspiel ist geplant, ein WM-Schnitzel, die Spiele laufen auf den Fernsehern. Wer die Deutschland-Spiele sehen will, müsse sich mit einer Tischreservierung aber schon beeilen.

Neben dem Schmackes gibt es etliche weitere Fußball-Kneipen in der City, im Kreuzviertel und den Vororten, die die WM übertragen.

Keine Übertragungen im Moog und Subrosa

Keine WM-Übertragungen gibt es in diesem Jahr im Moog im U-Turm und im Subrosa am Hafen. Subrosa-Betreiber Cornel Alex zeigt schon seit August 2017 keinen Liga-Fußball mehr in seiner Kneipe. Deshalb übertrage er nun auch, anders als in den vielen Jahren zuvor, keine Nationalmannschaftsspiele mehr. Stattdessen gibt?s im Subrosa am 22. Juni ein Fußball-Kneipenquiz, bei dem sich die Besucher mit ihrem Wissen über ihren Lieblingssport einbringen können.

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