Qualvoller Tod eines Autohändlers

Audi-Mord: Ankläger fordert lebenslang in 20 Sekunden

LÜTGENDORTMUND/BOCHUM - Vor knapp einem Jahr starb ein Autoverkäufer qualvoll in einer Wohnung am Rand von Lütgendortmund. Im "Audi-Mord"-Prozess hat die Staatsanwaltschaft am Freitag für die mutmaßlichen Mörder (30 und 33) lebenslange Haftstrafen gefordert. Für sein Plädoyer brauchte der Ankläger nur 20 Sekunden.

Dieselben Anträge hatte Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann im Prozess um den "Audi-Mord" bereits Ende November 2017 gestellt. Weil im Anschluss daran jedoch noch mutmaßliche Belastungszeugen vernommen (unter anderem ein zurzeit parallel in Dortmund vor Gericht stehender, mutmaßlicher Sexualstraftäter) und ein technisches Gutachten eingeholt worden war - beides jedoch für die Staatsanwaltschaft keinen nennenswerten Beweiswert hatte - nahm der Ankläger in seinem knapp 20 Sekunden andauernden Blitz-Plädoyer lediglich kurz Bezug auf seine ersten Anträge. Die da lauteten: lebenslange Haftstrafen für beide Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Mordes.

Gegen den Bochumer soll nicht zuletzt mit Blick auf seine massiven Vorstrafen darüber hinaus sogar die Höchststrafe verhängt werden - lebenslange Haft ohne vorzeitige Entlassungsmöglichkeit.

Opfer in Schwitzkasten genommen und erwürgt

Am 16. Januar 2017 hatte sich das spätere Opfer, ein Verkäufer eines blauen Audi R8, mit den Angeklagten verabredet. Für den Sportwagen war zuvor ein Kaufpreis von 81.000 Euro ausgemacht worden. Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann geht davon aus, dass die beiden Angeklagten das spätere Opfer in Troisdorf abgeholt und danach gemeinsam mit dem Verkäufer und dessen Sportwagen eine Probefahrt bis ins Ruhrgebiet absolviert haben.

Die Fahrt endete in einer Wohnung am Stadtrand von Lütgendortmund. Während der 30-jährige Angeklagte aus Dortmund den Verkäufer in der Wohnung abgelenkt haben soll, soll der 33-jährige Bochumer ihn von hinten in den Schwitzkasten genommen und erwürgt haben. Bei dem dreiminütigen Todeskampf soll er dem Opfer zudem immer wieder mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen haben.

Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig

Das Duo auf der Anklagebank hat sich im Prozess vor dem Bochumer Schwurgericht bis zuletzt gegenseitig beschuldigt, den Audi-Verkäufer (29) getötet zu haben. "Ich kann nur immer wieder meine Unschuld beteuern", sagte der 33-jährige Bochumer am Freitag. Der Mitangeklagte aus Lütgendortmund dagegen versicherte, dass er "von der ganzen Sache zu keinem Zeitpunkt etwas gewusst" habe. Seine zwei Verteidiger Jörn Dieker und Björn Rüthers beantragten für den 30-Jährigen dementsprechend einen Freispruch und die sofortige Haftentlassung.

Auch wenn der Lütgendortmunder möglicherweise beim Beiseiteschaffen der Leiche dabei gewesen sei, sei ihm die Tötung des Autoverkäufers durch den Bochumer Angeklagten keinesfalls als Mittäter oder Gehilfe zuzurechnen. Das Urteil wollen die Richter am kommenden Dienstag (9. Januar) verkünden.

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