Radfahren in Dortmund

Warum Dortmund auf sichere Fahrradstellplätze lange warten muss

Dortmund hat sich die Förderung des Radverkehrs auf die Fahnen geschrieben. Doch es mangelt am Radwege-Netz und an sicheren Stellplätzen. Ein Großprojekt wird lange auf sich warten lassen.

Jürgen Ritter aus Wickede ist auch mit 80 Jahren noch viel mit seinem E-Bike unterwegs. Was ihn dabei neben unzureichenden Radwegen am meisten stört sind die fehlenden Abstellmöglichkeiten. Wie neulich bei einem Besuch an den Westfalenhallen. "Mein Rad musste ich an einem Baum anschließen, wo auch schon andere Räder wild abgestellt standen", beklagt Ritter.

Das Problem stellt sich allerdings nicht nur an der Westfalenhalle, sondern stadtweit. "Eine der Hauptbeschwerden von Radfahrern sind fehlende Abstellmöglichkeiten", sagt Herbert Duda vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

Bei Stellplätzen für eBikes ist die Not am größten

Besonders groß ist die Not, wenn man für sein teures E-Bike einen sicheren Abstellplatz sucht. Dabei würden die Leute für einen bewachten Abstellplatz sicherlich auch ein bis zwei Euro bezahlen, ist Duda überzeugt.

Ein bewachtes Fahrrad-Parkhaus mit 440 Stellplätzen gibt es seit drei Jahren nur am Hauptbahnhof. Daneben wird es in Kürze am Mengeder Bahnhof und an der Endhaltestelle der Stadtbahn in Aplerbeck sogenannte Fahrradkäfige geben, teilt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage mit. "Diese Fahrradkäfige sind zwar nicht bewacht, haben aber ein Schließsystem und sind daher nicht für jeden zugänglich", erklärt Sylvia Uehlendahl als Leiterin des Tiefbauamtes.

Zweites Fahrrad-Parkhaus nicht vor 2022

Schon seit längerer Zeit geplant ist auch ein zweites Fahrrad-Parkhaus in der City, in unmittelbarer Nähe des Rathauses. Doch das lässt noch einige Jahre auf sich warten.

Der Grund: Wegen der prominenten Lage fordert der Gestaltungsbeirat eine besondere Architektur. Deshalb soll es einen Gestaltungswettbewerb geben oder es sollen mehrere Architekturbüros mit Entwürfen beauftragt werden. Und das braucht Zeit. So viel, dass das Fahrrad-Parkhaus nicht mehr ins Programm "Emmissionsfreie Innenstadt" passt.

Für dieses Programm bekommt die Stadt 10,5 Millionen Euro Fördermittel vom Land, um umweltfreundliche Verkehrsprojekte umzusetzen. Das Geld muss allerdings bis zum Frühjahr 2022 verbaut werden.

Wegen des langen Planungsvorlaufs ist das für das Fahrrad-Parkhaus am Rathaus nicht mehr zu schaffen, bestätigt Planungsdezernent Ludger Wilde auf Anfrage. Die Stadt muss es danach dann aus eigenen Mitteln oder anderen Förderprogrammen finanzieren.

1000 neue Stellplätze

Verbesserungen für Radfahrer sieht das Maßnahmenpaket des Programms "Emissionsfreie Innenstadt" natürlich trotzdem vor. Dazu gehört neben einer Neuplanung des Verkehrs am Wall bis 2022 der Umbau der Radwege am Schwanenwall und Ostwall.

"In den nächsten drei Jahren sollen außerdem insgesamt 1000 Fahrrad-Stellplätze entstehen", kündigt Wilde an. Er räumt allerdings ein, dass es bei speziell gesicherten Stellplätzen etwa für E-Bikes noch Nachholbedarf gibt. Das gelte durchaus auch für das Veranstaltungszentrum Westfalenhalle. Dort gibt es große Radstellanlagen südlich der Messehallen an der Strobelallee, die aber nur zu BVB-Spielen von Ehrenamtlichen des ADFC bewacht werden.

Auf dem modernisierten Vorplatz des neuen Messefoyers werden in Kürze Fahrradständer entstehen, die auch für E-Bike geeignet sind, kündigt Westfalenhallen-Sprecher Andreas Weber an. Eine Bewachung ist nicht vorgesehen. Allerdings: "Die Position ist stark frequentiert und bei Messebetrieb gut einsehbar", erklärt Weber.

Er verweist darauf, dass die Zahl der Hallenbesucher, die mit dem Fahrrad anreisen, bislang mit weniger als 1 Prozent "verschwindend gering" sei. Man werde das Thema, insbesondere mit Blick auf die gerade erst aufkommenden E-Bikes, aber weiter im Auge behalten.

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